Digitalisierung

Fibel für die Halbleiterwelt

Das Smartphone als Helfer in allen Lebenslagen, Social Media als Kommunikations- und Verkaufskanal und Voice Commerce birgt das Potenzial, bisherige Handelsstrukturen aufzubrechen. Der ­Digitalisierungsatlas des IFH Köln gibt Tipps, wie Händler effektiv reagieren können.

Von Oliver Brimmers, Teamleiter quantitative Marktforschung IFH Köln 08.10.2019

© Getty Images/gremlin

Im „Digitalisierungsatlas Handel“ wurden Strategien und Empfehlungen für die Transformation des Geschäftsmodells stationärer Händler zusammengetragen.

Die Digitalisierung wirkt sich nicht nur dramatisch auf die Frequenzen in den Innenstädten aus, sie verändert auch massiv die Erwartungen der Kunden an das Shoppingerlebnis im stationären Handel. Die zentrale Frage, die sich stationäre Händler stellen müssen, lautet daher: Welche Auswirkungen haben die neuen Technologien und das veränderte Konsumverhalten auf mein Geschäftsmodell?

Im Auftrag des Wirtschaftsministeriums NRW hat das IFH Köln im „Digitalisierungsatlas Handel“ Strategien und Empfehlungen für die Transformation des Geschäftsmodells stationärer Händler zusammengetragen. Ein Schwerpunkt der Studie liegt darauf, konkrete Beispiele aus der Praxis zu beleuchten. So zeigen die Autoren Händlern eine breite Vielfalt von Möglichkeiten auf, digitale Lösungen in ihr Angebot zu integrieren. Zudem analysiert die Studie die Veränderungen im Verhalten und in den Erwartungen der Kunden und zeigt auf, welche die größten Auswirkungen auf den stationären Handel haben. Sieben Trends haben die Forscher ausgemacht:

Always on

Konsumenten bewegen sich permanent im Kosmos von Smartphone und ­Social Media.

Selektives Shoppingverhalten

Konsumenten changieren zwischen der Onlinesuche vor dem stationären Kauf und eigentlichem Onlineshopping.

Sinkende Frequenzen im stationären Handel

Rückgang von Geschäftsstellen.

Erlebnis als Alleinstellungsmerkmal des stationären Handels

Aufenthaltsqualität in der Innenstadt wird wichtiger.

Topinformierte Kunden

Hohe Anforderungen an Beratungskompetenz.

Alles und überall

Hohe Anforderungen an Sortiment und Waren­verfügbarkeit.

Einfach, schnell und bequem

Zunehmende Convenience-Orientierung.

 

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All diese Herausforderungen, die neue Technologien dem stationären Handel bescheren, eröffnen einzelnen Unternehmen Chancen, clever darauf zu reagieren und sich von ihren Mitbewerbern abzuheben. So schaffen Technologien wie Digital Signage Kaufimpulse in der Phase der Bedarfsentstehung. Über Google My Business oder digitale Schaufenster gelangt der stationäre Händler ins Bewusstsein der Konsumenten – selbst wenn diese ihre Customer Journey im Internet starten. Und über digitale Loyalitätskonzepte setzt der Händler Kaufanreize für den nächsten Shoppingtrip. All diese Möglichkeiten entlang der Customer Journey zeigen, dass Händler mehr Optionen haben, als einen eigenen Onlineshop aufzusetzen.

Geschäftsmodell weiterentwickeln

Boris Hedde, Geschäftsführer des IFH Köln, rät: „Händler müssen sich der Realität stellen und aus dem Werkzeugkasten der Digitalisierung die passenden Tools auswählen.“ Dazu sollten sie sich in regelmäßigen Abständen die folgenden Fragen stellen und auf dieser Basis über den Einsatz respektive Ausbau digitaler Lösungen entscheiden:

  • Welche Lösungen bieten sich an, um den Anforderungen meiner Zielgruppe besser begegnen zu können und die Kundenzufriedenheit zu steigern?

  • Welche Ansätze könnten mich bei der Prozessabwicklung unterstützen und positiv auf meine Ziele einzahlen?

  • Gibt es digitale Technologien, die zu einer Weiterentwicklung meines Geschäftsmodells beitragen und darüber neue Zielgruppenpotenziale eröffnen?

Es ist nicht unbedingt die umfassendste oder kostenintensivste digitale Lösung, die der eigenen Kundschaft den größten Mehrwert bietet. Erfolgreich sind vielmehr jene digitalen Lösungen, die gezielt die passenden Kaufanreize setzen und die Stärken des stationären Einzelhandels in den Fokus rücken. So ist beispielsweise die Fashionbranche stark witterungsabhängig. Folglich sollten Händler bei der Bewerbung von Angeboten in der Lage sein, auf Änderungen der Wetterlage umgehend zu reagieren. Digitale Screens können sie dabei unterstützen und an den Sonnentagen der Woche Sandalen bewerben, derweil sie bei Schlechtwetterlagen regendichte Schuhe anpreisen. Und dies ohne Steuerung durch den Händler, sondern technologiebasiert durch Abgleich mit Wetterdaten.

Auch beim Bezahlprozess können Händler mit innovativen Ansätzen punkten. Edeka Paschmann in Mülheim setzt seit vergangenem Jahr auf die Snabble-App: Der Kunde scannt mit seinem Smartphone die Produkte. Am Self-Checkout-Terminal wird ein Barcode auf dem Smartphone ausgelesen und der Bezahlprozess ist abgeschlossen. Auch der Möbelriese Ikea testet Snabble seit Kurzem in seiner Filiale in Frankfurt am Main.

Fazit: Handlungsdruck sollte nicht in Aktionismus münden. Zielführender ist es, aus der Vielzahl digitaler Lösungen jene auszuwählen, die zum eigenen Geschäft, zur anvisierten Zielgruppe und zum eigenem Finanzrahmen passen. 

Neben der genannten App-Lösung stellen wir zeitnah drei weitere Praxis­beispiele samt zahlreicher Hintergrund­informationen auf handelsjournal.de vor.

Der Digitalisierungsatlas Handel NRW bietet eine umfassende Sammlung gut funktionierender Digitalkonzepte. Die Praxisbei­spiele sind als Steckbrief auf­bereitet und stellen die einzelnen Ansätze und ihre Besonderheiten vor. Zudem enthalten sind Informationen zu den jeweiligen Vorteilen, zum Kostenrahmen, aber auch zu möglichen Stolpersteinen. Die Auswahl der Praxisbeispiele reicht von einfachen Lösungen bis hin zu komplexeren Ansätzen. Weitere Informationen unter:

bit.ly/2KpIceR

Schlagworte: Digitalisierung, IFH Köln, Digitalisierungsatlas

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