Technikhandel

„Die Profitabilität darf nicht aus dem Blick geraten“

Im Konkurrenzkampf mit internationalen Onlinehändlern muss der Technikfachhandel sich seiner Stärken besinnen. Steffen Kahnt, Geschäftsführer Bundesverband Technik (BVT), spricht im Interview über den volatilen Markt, Multichannel-Strategien und kompetente Verkäufer.

Von Ralf Kalscheur 26.11.2019

© iStock/Filipovic

Gerade im Elektrofachhandel erwarten Verbraucher Beratungsmehrwerte und smarte Technologien.

Herr Kahnt, der Markt für Consumer Electronics schrumpfte im ersten Halbjahr 2019 um 4,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Vor allem bei Fernsehgeräten, minus 10,1 Prozent, und Smartphones, minus 6,6 Prozent, musste der Handel starke Umsatzeinbußen hinnehmen. Worin liegt diese Entwicklung begründet?
Die Deutschen geben immer mehr Geld für ihr neues Smartphone aus, nutzen es aber auch länger. Das zeigt sich jetzt auch an den Umsatzzahlen. Bei TV-Geräten hatten wir letztes Jahr die Analogabschaltung. Da mussten einfach viele Konsumenten ihr altes Gerät durch ein aktuelles ersetzen, um weiter fernsehen zu können. Außerdem profitieren die Kunden von den Preiskämpfen bei TV-Geräten. Eigentlich ist die Ausgabebereitschaft der Deutschen groß: Laut einer Umfrage sind sie bereit, etwa 1.000 Euro für ein neues TV-Gerät auszugeben.

Wie viel zahlen die Deutschen wirklich?
Im vergangenen Jahr bezahlten die Konsumenten durchschnittlich nur 626 Euro – und die Preise sinken weiter. Viele Händler versuchen, sich mit der Bewerbung günstiger Geräte bei den Kunden zu profilieren, obwohl diese eigentlich bereit wären, mehr Geld auszugeben. Deutlich besser sieht die Situation bei Elektro-Groß- und -Kleinhausgeräten aus. Kann die positive Entwicklung in diesem Bereich die Jahresbilanz retten? Wir gehen davon aus, dass sich der Gesamtmarkt für Home-Electronics-Produkte stabil entwickelt. Ausschlaggebend dafür ist vor allem ein Umsatzplus von 1,7 Prozent bei Elektro-Großgeräten, aber auch im Bereich der Kleingeräte wuchs der Umsatz im ersten Halbjahr um 7,1 Prozent. Kleingeräte verbuchen schon seit Jahren ein starkes Wachstum.

Woran liegt das?
Alles rund um Kaffee boomt. Geht es um hochwertige Kaffeevollautomaten und zunehmend auch um Siebträgermaschinen, sparen die Kunden nicht. Auch das Thema Sound mit Kopfhörern und Lautsprecherboxen entwickelt sich sehr gut. In diesem Jahr werden erstmals über eine Million Soundbars in Deutschland verkauft, das entspricht einer Steigerung von knapp 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Und Staubsauger sind inzwischen Lifestyle-Artikel, der Markt für kabellose Akkustaubsauger ist schon größer als der für kabelgebundene Modelle. Im Trend liegen überdies Produkte im Bereich der Gesundheitsförderung, wie Luftreiniger und -befeuchter.

Die Schnäppchenevents Black Friday und Cyber Monday beeinflussen das Weihnachtsgeschäft. Welche Bedeutung als Umsatztreiber haben die Festtage noch für die Branche?
Am Black Friday kommt niemand mehr vorbei. Der Aktionstag ist längst auch hierzulande im stationären Handel angekommen. Alle Vertriebswege wollen von dem Event profitieren, das das Weihnachtsgeschäft zusätzlich befeuert. Allerdings darf dabei die Profitabilität nicht aus dem Blick geraten. Aber die Händler haben ein starkes Interesse daran, nicht nur steigende Umsätze zu erzielen, sondern auch Gewinn zu erwirtschaften.

„Mit dem Siegeszug des Smartphones kommt jetzt der Siegeszug des Smarthomes.“

 

Steffen Kahnt, Geschäftsführer BVT

Die wichtigste Branchenmesse setzt Trends und Impulse für den Gesamtmarkt. Welche Eindrücke haben Sie von der IFA mitgenommen?
Natürlich war Künstliche Intelligenz in Berlin das große Schlagwort. KI hat in diesem Jahr eine kleine Revolution ausgelöst und in Zukunft wird es wahrscheinlich kein Gerät mehr ohne KI geben. Gut für die Konsumenten: Das macht die Geräte noch intelligenter und deren Nutzung noch einfacher. Aber auch Fernsehdisplays, die sich aufrollen lassen, und Smartphones mit klappbaren Displays sorgten bei den Besuchern für neugierige Blicke.

Schon seit Jahren wird dem Smarthome eine große Zukunft prophezeit …
Mit dem Siegeszug des Smartphones kommt jetzt der Siegeszug des Smarthomes. Das Smartphone ist eine perfekte Steuerungszentrale, und mit jedem erreichten Mehrwert begeistern sich die Konsumenten stärker dafür. Eine Waschmaschine, die auf dem Smartphone meldet, dass die Wäsche fertig ist – das ist einfach praktisch. Wer in den Urlaub fährt, schätzt es, den Garten automatisch je nach Wetterlage zu bewässern. Auch die zentrale Steuerung von Lichtfarben und -stimmungen finden immer mehr Menschen cool.

Gerade im Elektrofachhandel erwarten Verbraucher Beratungsmehrwerte und smarte Technologien, die das Einkaufserlebnis im Store unterstützen. Sehen Sie die Branche gut aufgestellt?
Die Chance des Fachhandels liegt darin, Verbrauchern komplexe Technik verständlich zu erklären. Darum sind gut ausgebildete und motivierte Verkäufer unerlässlich. Weil die Innovationszyklen immer kürzer werden, müssen die Mitarbeiter ständig fortgebildet werden. Es ist eine große Herausforderung, Kunden auf Augenhöhe zu begegnen, die sich vorab online detailliert über das Produkt informiert haben, für das sie sich interessieren. Wenn das gelingt und der Verkäufer kompetent auftritt, entsteht eine emotionale Bindung zum Kunden. Die Branche strengt sich sehr an, talentierte Nachwuchskräfte zu gewinnen, denn die Mitarbeiter sind ihr größtes Kapital.

Onlinehändler wie Digitec Galaxus aus der Schweiz oder AO aus Großbritannien drängen auf den deutschen Elektronikmarkt, Alibaba hat seinen ersten Shop in Europa eröffnet. Wie können sich die heimischen Player künftig behaupten?
Die Konzentration nimmt weiter zu. Stationäre Händler sind gehalten, ihre Onlinekompetenz zu steigern. In dieser Hinsicht hat der Handel in den vergangenen zwei, drei Jahren extrem aufgeholt und an Profil gewonnen. Gut für Multichannel-Händler: Sie können das Beste aus Online- und Offlinewelt miteinander verbinden und sind damit bestens für die Zukunft aufgestellt. Außerdem lassen sich durch die Nähe zum Kunden Themen wie Service und Nachhaltigkeit im Multichannel-Handel anders abbilden. Wenn etwa die Klimaschutzbewegung dazu führt, dass künftig vermehrt Reparaturen nachgefragt werden, dann könnte auch der stationäre Handel perspektivisch große Vorteile daraus ziehen. 

Schlagworte: Technikhandel, Einzelhandel, BVT, Digitalisierung, Weihnachtsgeschäft

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