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Zeitgewinn

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Wenn der Tag rast und Aufgaben liegen bleiben, fehlt es bisweilen an Struktur. Doch Selbstmanagement lässt sich üben. Text: Ruth Lemmer

Für das Berufs- und Privatleben gilt gleichermaßen: Die meisten guten Vorsätze für das neue Jahr scheitern schon in der ersten Woche, nur wenige überdauern den ersten Monat. Denn die Mehrheit der Menschen gehört zur Spezies der Sprinter, der lange Atem für einen Marathon ist nur wenigen gegeben. Dabei klingen die eigenen Ziele zunächst verlockend: nie mehr das E-Mail-Fach überlaufen lassen, Kalender und To-do-Liste ordentlich pflegen und statt Pommes in der Mittagspause einen gesunden Snack futtern.

Wer seinen Arbeitstag künftig planen statt verplempern möchte, kann zeitsparend einsteigen. Das Web bietet Videos, Webinare und Tools fürs Selbstmanagement. Webinare dauern häufig nur 30 Minuten, mit nachfolgendem Chat eineinhalb Stunden. Das reicht, um die Grundfesten des guten Zeitmanagements kennenzulernen. YouTube-Videos sind kürzer, werden aber nicht alle von Profis bespielt.

Entscheidend für mehr Erfolg und weniger Stress aber ist es, jeden Tag etwas zu verändern: die E-Mails nur noch alle zwei Stunden abarbeiten, fürs Auffüllen der Regale eine Reihenfolge anhand der Dringlichkeit entwickeln. Einzig Kunden dürfen die eigene Arbeit spontan unterbrechen, Mitarbeiter dagegen müssen auch schon einmal 15 Minuten später wiederkommen.

Durchhaltevermögen gefragt
Um dem Tag Struktur zu geben, hilft es, vor dem Feierabend zu sortieren, was erledigt ist und worauf der Fokus am nächsten Tag liegen soll. Rund 40 Prozent der Zeit sollte für Unerwartetes frei bleiben. Alles feine Tipps, die aber nur wirken, wenn man übt – und sich kontrolliert. Wie Schrittzähler tracken Tools am PC oder auf dem Smartphone den Erfolg. RescueTime zum Beispiel wertet die eingegebenen Daten auf einem kostenfreien Account aus, die Grafiken signalisieren auf einen Blick, wie weit der Nutzer mit der Erledigung gekommen ist. Any.do spricht Menschen an, die gerne Listen abarbeiten: heute, später, erledigt, löschen heißen die Rubriken. Auch Evernote oder Todoist.com organisieren Arbeitsalltag und Privatleben mittels Listen.

Trello.com erleichtert den Umstieg vom Selbst- aufs Teammanagement. Die simple Oberfläche zeigt: Idee, to do, im Gange, fertig. So arbeitet auch Zenkit.com, ein Karlsruher Start-up. Die Tools und Methoden sind so vielfältig, dass jeder etwas für sich finden, sich aber auch verlaufen kann. Deshalb bleibt die wichtigste Übung fürs Selbstmanagement ganz altmodisch: Selbstdisziplin und Durchhaltevermögen.

Sylvia Nickel, Diplom-Ökonomin und Inhaberin von Nickel Business Performance. Anklicken zum Vergrößern. © privat

Sylvia Nickel, Diplom-Ökonomin und Inhaberin von Nickel Business Performance. Anklicken zum Vergrößern. © privat

„Energiefresser entlarven“

Drei Fragen an Sylvia Nickel, Diplom-Ökonomin und Inhaberin von Nickel Business Performance in Oberhausen

Wie kann ich mich schnell entlasten?
Schnelle Lösungen sind kein gutes Ziel für erfolgreiches Selbstmanagement. Denn nur wenn ich mein Verhalten ändere, wirkt die Entlastung nachhaltig. Das braucht Übung. Drei Monate sollte man durchhalten.

Aber ein schneller Erfolg beflügelt?
Die Fragen, die ich mir immer wieder stellen muss, klingen einfach: Warum diese Aufgabe? Warum ich? Warum jetzt? Warum so? Auch die Antworten wirken simpel: Unnötiges eliminieren, Aufgaben delegieren und terminieren, Arbeit rationalisieren. Aber fragen Sie sich mal, wie treu Sie Ihren selbst gesetzten Terminen und Regeln sind. Sie halten erst durch, wenn Sie erleben, dass Ihr System Ihren Stress senkt. Verlangen Sie am Anfang nicht zu viel von sich selbst.

Wo finde ich Unterstützung?
Entlarven Sie Ihre Energiefresser, indem Sie Ihr Arbeitsverhalten ehrlich analysieren. Gründen Sie eine Facebook- oder WhatsApp-Gruppe nach dem Weight-Watchers-Prinzip regelmäßiger schonungsloser Kontrolle.

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