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Roboter machen mobil

©  apopium/Adobe Stock

Der Einzelhandel gilt als vielversprechendes Anwendungsfeld für Roboter und Künstliche Intelligenz (KI). Doch bis dato sind Einsatz und potenzieller Nutzen der Technologie in der Branche wenig erforscht. Text: Marco Atzberger, Mitglied der Geschäftsleitung, und Andreas Kruse, Leiter Robotics4Retail-Initiative, EHI Retail Institute

Um einen umfassenden Überblick über den Einsatz von Automatisierung und Robotik im Einzelhandel zu geben, aktuelle Trends, Potenziale und Herausforderungen zu erarbeiten sowie Empfehlungen für den Handel abzuleiten, hat das EHI die Robotics4Retail-Initiative aus der Taufe gehoben. Die 15 beteiligten Partner und Dienstleister des Handels aus den Bereichen Automation und Robotik, Logistik, IT, Beratung und Verkaufsförderung befassen sich mit der Akzeptanz entsprechender Robotik-Anwendungen, ihrer Implementierung sowie dem Kosten-Nutzen-Verhältnis.

Zudem zeigen die im Projekt erarbeiteten Empfehlungen technologische, prozessuale und gesellschaftliche Perspektiven auf, indem sie basale Rahmenbedingungen von Robotik und Automatisierung thematisieren. Die Erkenntnisse der Initiative münden in einem Anforderungskatalog respektive einer Checkliste, die dem Handel praxisbezogene Hilfestellungen für die Implementierung von Robotiklösungen aufzeigen.

Im Folgenden ein Überblick über die zentralen Handlungsfelder im Einzelhandel:

Robotersysteme in der Logistik
Im Umfeld der Handelslogistik hat die Automatisierung der Läger bereits einen hohen Grad erreicht, der sich dank flexibler Roboterlösungen rasch weiter erhöhen wird. Bezog sich die Automatisierung in der Vergangenheit stark auf standardisierte Prozesse wie die Depalettierung im Waren­eingang oder den Transport der Ware ins Hochregallager, zeichnet sich die Robotertechnologie durch eine weitaus größere Flexibilität aus. So können Roboter bei der Kommissionierung unterschiedlicher Artikel deren verschiedene Gewichte und Formen immer präziser erkennen und sie mittels individuell abgestimmter Griff- und Saugtechniken gezielt manipulieren. Der Transport von Ware, der in der Vergangenheit über Rollbänder gelöst wurde, erfolgt zunehmend über mobile Robotersysteme, die die Ware aufnehmen und zu ihrem Bestimmungsort fahren.

Nachtschicht: In Textil- und Schuhgeschäften mit RFID-getagter Ware überprüfen Roboter nach Ladenschluss den Bestand und stöbern falsch platzierte Produkte zuverlässig auf. Anklicken zum Vergrößern. © PR

Nachtschicht: In Textil- und Schuhgeschäften mit RFID-getagter Ware überprüfen Roboter nach Ladenschluss den Bestand und stöbern falsch platzierte Produkte zuverlässig auf. Anklicken zum Vergrößern. © PR

Robotergestützte Inventur am PoS
Jenseits der Logistik setzt der Handel Robotiklösungen inzwischen auch vermehrt im Ladengeschäft selbst ein: zum Beispiel für die robotergestützte Inventur im Verkaufsregal, zur Erkennung von Regallücken oder als intelligente Einkaufshelfer. Dazu müssen jedoch noch zahlreiche Subprozesse, wie beispielsweise das Planogramm, in digitaler Form vorliegen. Der Schuheinzelhandelsverbund ANWR etwa hat durch eine flächendeckende Ausstattung mit RFID-Tags an der Ware die Voraussetzungen für den Einsatz eines Inventurroboters geschaffen, der selbstständig durch die Gänge fährt, um Schuhe eindeutig zu identifizieren und zu zählen.

Der Roboter als Verkäufer
Inwieweit Roboter mit menschlichen Verkäufern nicht nur bei logistischen Prozessen, sondern auch im tatsächlichen Kundenkontakt in Konkurrenz treten können, bleibt abzuwarten. Zwar konnten in Anwendungsszenarien mit künstlichen Intelligenzen schon erhebliche Fortschritte erzielt werden, doch zentrale menschliche Eigenschaften wie Humor und Empathiefähigkeit werden in absehbarer Zeit wohl nicht zu simulieren sein.

Behände: Dank innovativer Saug- und Grifftechnik können moderne Roboter Artikel kommissionieren, die sich in Größe und Gewicht voneinander unterscheiden. Anklicken zum Vergrößern. © PR

Behände: Dank innovativer Saug- und Grifftechnik können moderne Roboter Artikel kommissionieren, die sich in Größe und Gewicht voneinander unterscheiden. Anklicken zum Vergrößern. © PR

Integrationsbedingungen für Robotertechnik
Sowohl im Lager, aber auch im Geschäft ist es für den Handel entscheidend, dass sich alle Entwicklungen naht- und reibungslos in vorhandene Strukturen integrieren lassen. Deshalb sollte das Gesamtsystem, in das die Robotertechnik eingebunden wird, modular und herstellerunabhängig aufgesetzt sein.

Menschzentrierte KI-Anwendungen
Auf rund 50 Millionen Kundenkontakte täglich kommen die gut 350.000 deutschen Einzelhandelsunternehmen, in denen mehr als drei Millionen Beschäftigte arbeiten. Diese Zahlen belegen nicht nur die hohe Bedeutung des Einzelhandels als Ort der Begegnung und Erfahrung für Kunden und Mitarbeiter. Sie lassen auch die enorme Datenmenge erahnen, die in Zukunft als Grundlage datenorientierter Geschäftsmodelle zur Verfügung stehen wird. Geboten ist daher nicht nur eine frühzeitige Bestandsaufnahme, sondern auch eine intensive Beschäftigung mit der menschzentrierten Entwicklung und Nutzung von KI-Anwendungen im Einzelhandel. Die direkte Wirkung auf Personal und Kunden ist evident, das Potenzial riesig.

Daten als kritische Ressource
Die Digitalisierung im Einzelhandel begann mit der Einführung des Barcodes und der flächendeckenden Nutzung von Scannerkassen in den 1980er-Jahren. Die Scannerdaten nutzten fortschrittliche Händler bald zum Aufbau von Warenwirtschaftssystemen und in der Folge zum Aufbau von Data-Warehouses. Im Zuge des in den vergangenen Jahren rasant wachsenden Onlinehandels hat die Branche erkannt, dass Konsumenten-, Abverkaufs- und Verfügbarkeitsdaten immer mehr zur kritischen Ressource werden.

Predictive Analytics
Entwicklungen, die darauf abzielen, mithilfe immer besserer Daten die Schnittstelle zum Kunden möglichst exakt zu bespielen, machen derzeit unter dem Schlagwort Predic­tive Analytics die Runde. Durch die Auswertung riesiger Datenmengen können Händler beispielsweise bei Formaten wie Recommendation Selling oder Curated Shopping den Konsumenten personalisierte Angebote unterbreiten oder mittels Anticipatory Shipping ihre Logistik und Lagerbestände optimieren. Für solche Big-Data-Lösungen, aber auch zur Steuerung von Robotik- und Automatisierungslösungen am Point of Sale, für die Kundenkommunikation mittels Chatbots und sprachgesteuerter Systeme sowie bei Themen wie Fulfillment und Last Mile in der Logistik braucht es künftig KI-Lösungen, die all diese Anwendungen unterstützen und integrieren.

 

TRADEWORLD 2019 IM RAHMEN DER LOGIMAT 2019
Um innovative Konzepte für die Gestaltung, Steuerung und vernetzte Digitalisierung in den Bereichen Beschaffung, Onlineshop und Vermarktung, Payment, Intralogistik, Versand, Fulfillment, Retoure und Aftersales geht es vom 19. bis 21. Februar jeweils von 9 bis 17 Uhr auf der Tradeworld 2019 in der Messe Stuttgart. Darüber hinaus informiert die Veranstaltung über WWS-, ERP- und Logistik-IT-Systeme sowie Beratungsangebote im E-Commerce. Marco Atzberger diskutiert auf der Tradeworld am Donnerstag, 21. Februar 2019 von 10.00 bis 11:15 Uhr im Forum T der Halle 2 mit Experten von Pi4 Robotics, dm Drogeriemarkt, Linde und Salt Solutions über das Thema Roboter machen mobil – Status und Entwicklungsperspektiven von KI und Robotik in der Logistik. Der Zugang ist im Rahmen der Messe kostenlos. Weitere Informationen finden Sie hier.

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