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Und der Branchen-Oscar geht an …

© Jörg Sarbach/HDE

Am Galaabend des Deutschen Handelskongresses verleiht der HDE die Deutschen Handelspreise. Die Veranstaltung war nicht allein für die Ausgezeichneten ein Fest.
Text: Ralf Kalscheur

Feierlicher Rahmen, stehende Ovationen, eine bescheidene Preisträgerin: Mit der Verleihung des Lifetime Awards an Evi Brandl, Inhaberin des Metzgereiunternehmens Vinzenzmurr, erreicht eine Gala ihren Höhepunkt, die die Bedeutung der Deutschen Handelspreise für die Branche eindrucksvoll unterstreicht. „Ich bin so gerührt“, sagt Brandl, mit den Tränen ringend – und reicht die Würdigung an ihr Team weiter: „Die Mitarbeiter bilden das Herzstück unserer Firma.“

Moderatorin Dunja Hayali gratuliert Preisträgerin Evi Brandl zum Lifetime Award. Anklicken zum Vergrößern. © Jörg Saarbach/HDE

Moderatorin Dunja Hayali gratuliert Preisträgerin Evi Brandl zum Lifetime Award. Anklicken zum Vergrößern. © Jörg Saarbach/HDE

Anfang der 1960er-Jahre, im Alter von 24 Jahren, übernimmt Brandl bereits Führungsverantwortung in dem süddeutschen Familienbetrieb ihres Vaters. Der Lifetime Award würdigt die besondere unternehmerische Leistung der eher bühnenscheuen Managerin, die Vinzenzmurr zu einem der umsatzstärksten Metzgereifilialisten mit rund 300 Standorten ausgebaut hat. Brandl saniert zudem das von ihr mittlerweile komplett übernommene Münchner Luxuslabel Etienne Aigner und engagiert sich bei der Stiftung „Herz für Herz“.

Würdigung der großen Discount-Geschwister
In der Kategorie Großunternehmen zeichnet die Jury Aldi Süd und Aldi Nord gleichermaßen für ihre Wettbewerbsstärke mit dem Deutschen Handelspreis aus. Das Teilen fällt den erfolgreichen und überaus effizient wirtschaftenden Discountern zumindest an diesem Abend leicht. „Unsere Unternehmen pflegen ein geschwisterliches Verhältnis“, erzählt Florian Scholbeck, Geschäftsführer Kommunikation von Aldi Nord.

Laudator Philipp Lahm würdigte die Wettbewerbsstärke von Aldi. Anklicken zum Vergrößern. © Jörg Sarbach/HDE

Laudator Philipp Lahm würdigte die Wettbewerbsstärke von Aldi. Anklicken zum Vergrößern. © Jörg Sarbach/HDE

„Aldi ist kein Unternehmen, das am Reißbrett entstanden ist“, verweist Fußballweltmeister und Laudator Philipp Lahm auf die Anfänge der 1903 als „Krämerladen“ gegründeten Handelsriesen. Dass Aldi das Discountformat in Deutschland etablieren und damit Einzelhandelsgeschichte schreiben konnte, liege in der konsequenten Konzentration auf die Bedürfnisse des Kunden begründet, so Lahm. Die beiden Unternehmensgruppen erobern längst Märkte in aller Welt und erfinden sich dabei stetig neu. „Die Kunden wollen auch im Discountmarkt Einkaufserlebnisse“, sagt Scholbeck. „Schickimicki oder Kokolores werden wir aber auch in Zukunft nicht machen.“

Wachstum mit Pflanzen
Europas größte Gartencentergruppe Dehner erhält den Deutschen Handelspreis in der Kategorie Mittelstand. Seit ihrer Gründung vor rund 70 Jahren vermochte die familiengeführte Unternehmensgruppe mit Sitz im bayerischen Rain am Lech mehr als 130 Filialen zu eröffnen. 5 500 Beschäftigte in Deutschland und Österreich unter dem Dach der Dehner Holding arbeiten aktuell daran, der Erfolgsgeschichte neue Kapitel hinzuzufügen.

HDE-Präsident Josef Sanktjohanser freut sich mit Julia Märtin, die als Gesicht des Handels 2018 ausgezeichnet wurde. Anklicken zum Vergrößern. © Jörg Sarbach/HDE

HDE-Präsident Josef Sanktjohanser freut sich mit Julia Märtin, die als Gesicht des Handels 2018 ausgezeichnet wurde. Anklicken zum Vergrößern. © Jörg Sarbach/HDE

Dass der Konzern als Anbieter hochwertiger Pflanzen sowie von Gartenzubehör und Heimtierprodukten die Herausforderungen der Digitalisierung aus einer Position der Stärke heraus angehen kann, ist auch dem beispielhaften Nachfolgemanagement geschuldet. Im Alter von 27 Jahren übernimmt CEO Georg Weber bereits die Führungsspitze von seinem Vater Albert Weber, der seinerseits schon in jungen Jahren in die Fußstapfen seines Vaters trat. Allerdings muss Georg Weber in seiner Anfangszeit im Unternehmen zunächst viel Überzeugungsarbeit leisten, damit die Führungsebene die Mittel für den Einstieg in das preisumkämpfte E-Commerce-Geschäft freimacht, erzählt er auf der Bühne. „Doch die hohe Investition war absolut alternativlos“, erinnert sich der heutige Dehner-Chef. Er sollte recht behalten. Bei aller Digitalisierung stehe sein Unternehmen aber weiterhin vor allem für die Fläche.

Nah am Kunden
Vor mehr als 700 Gästen und an der Seite von Moderatorin Dunja Hayali auf der großen Bühne stehend, beweist Julia Märtin beeindruckende Gelassenheit. Die Verkäuferin arbeitet in der BIOase im sächsischen Zittau und ist das Gesicht des Handels 2018. Der Preis wird im Losentscheid unter den Bewerbern und stellvertretend für alle im Handel Beschäftigten vergeben. „Ich bin ein Biotyp und ich arbeite gern im Handel, weil ich die Nähe zum Kunden und die Begegnungen mit netten Menschen schätze“, bekennt die Preisträgerin. Den Biotrend im Lebensmitteleinzelhandel verfolgt die umweltbewusste junge Frau mit gemischten Gefühlen. „Es ist positiv, dass Bio-Lebensmittel eine größere Verbreitung finden“, sagt Märtin. Aber schön wäre es, wenn die Shopper die kleinen Bioläden auch künftig nicht links liegen ließen.

Den Innovationspreis des Handels, der am Gala-Abend per Smartphone-Voting vom Publikum vergeben wird, gewinnt die Idee GmbH. Die beiden Geschäftsführer haben dem Anlass entsprechend ihre schönsten Lederhosen angezogen. Idee treibt ihre vielversprechende blockchainbasierte Lösung zur sicheren digitalen Identifizierung von Endkunden im Münchner Start-up-Labor Retailtech Hub voran.

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