Alle Informationen für den Handel

Markt

„Innovationen sind wie Bananen“

© Getty Images/ImaZinS

Das Weihnachtsgeschäft beginnt für die Home-Electronics-Branche immer früher und verliert in der Jahresbilanz zunehmend an Bedeutung. Willy Fischel, Geschäftsführer des Handelsverbands Technik (BVT), über Umsatztreiber, Techniktrends und was Kutschen und Tablets gemein haben. Interview: Ralf Kalscheur

Herr Fischel, am 23. November ist Black Friday, in der Woche darauf lockt die Cyber Week mit Onlinerabatten. Welche Bedeutung als Umsatztreiber hat der amerikanisch geprägte Aktionszeitraum mittlerweile für das hiesige Weihnachtsgeschäft mit Home-Electronics-Produkten?
Rabattaktionen sind so alt wie die Branche selbst. Im Laufe der letzten drei Jahre hat sich laut GfK der Umsatz für Consumer Electronics im November dem Dezemberniveau nahezu angepasst. Bei Elektrokleingeräten dürfte die Verschiebung ähnlich stark sein. Das kann man unter anderem auf den Black Friday zurückführen, wenn sich auch die Bedeutung des Weihnachtsgeschäftes für die Branche schon vorher merklich abgeschwächt hatte. Laut ECC Köln haben sechs von zehn befragten Händlern, die an der Cyber Week teilnehmen, dadurch ihre Gesamtumsätze in der Weihnachtszeit erhöht. Umsatz ist aber noch lange nicht Ertrag! Da muss jeder Händler entscheiden, wann und wie er Sonderaktionen fährt und ob sich diese für ihn rechnen.

Beschleunigt der Schnäppchenevent den Preisverfall in der Branche?
Die Auswirkungen auf das Gesamtpreisgefüge im Jahresverlauf sind schwer abzuschätzen, aber in jedem Fall verändert es die Saisonkurve. Die Angebote konzentrieren sich ja häufig auf aktuelle Rennerprodukte oder Bestseller. In den letzten Jahren hat der ein oder andere Händler dabei leider das Geldverdienen vergessen. Wir haben diverse Produktgruppen, in denen die Durchschnittspreise steigen, weil die Kunden anspruchsvoller werden oder mehr Komfort, Spaß oder Nutzen suchen. Man sollte das Schnäppchengen nicht mit Ausgabebereitschaft verwechseln. Elektronik liegt im Trend und die Menschen sind bereit, viel Geld dafür auszugeben. Smart­phones für über 1.000 Euro sind schon lange kein Tabu mehr.

Willy Fischel, Geschäftsführer des Handelsverbands Technik (BVT). Anklicken zum Vergrößern. © BVT

Willy Fischel, Geschäftsführer des Handelsverbands Technik (BVT). Anklicken zum Vergrößern. © BVT

Der Gesamtmarkt mit den Bereichen Consumer Electronics sowie Elektrogroß- und kleingeräte bewegte sich im ersten Halbjahr mit einem Umsatzvolumen von 19,3 Milliarden Euro etwa auf Vorjahresniveau. Welche Erwartungen knüpfen Sie ans Weihnachtsgeschäft hinsichtlich der Jahresbilanz?
Die Fußball-WM hat uns das Fernsehergeschäft verhagelt, und der heiße Sommer sorgte zwar für einen guten Absatz von Ventilatoren und Klimageräten, trieb uns aber ansonsten nicht gerade die Kunden in die Läden. Unter diesen Vorzeichen lief das erste Halbjahr gar nicht so schlecht. Aber da ist definitiv Luft nach oben und wir rechnen vor allem durch die Innovationen von der IFA mit deutlichen Marktimpulsen zur Saison.

Die Marktsegmente entwickeln sich unterschiedlich. Während der Umsatz mit Smartphones im ersten Halbjahr um zwölf Prozent zulegen konnte, ist der Umsatzrückgang bei privat genutzten IT-Produkten wie PCs und Tablets trotz zuletzt leichter Erholung nicht aufzuhalten. Woran liegt das?
Die Trends kündigen sich nicht immer vorher an, aber Verschiebungen in den Sortimentsbereichen sind völlig normal. Entscheidend ist, dass der Handel flexibel reagiert und Entwicklungen frühzeitig erkennt. Investition in IT zahlt sich hier ebenso aus wie der Besuch von Messen und der Dialog mit den Lieferanten über das, was kommt. Innovationen sind wie Bananen: Das Geld wird in den ersten Tagen und Wochen des Produktlebens verdient.

Die Themen Sprachsteuerung und künstliche Intelligenz treiben die Branche. Was bedeutet die Entwicklung für den Fachhandel?
Künstliche Intelligenz wird unser aller Leben und Arbeiten noch dramatisch verändern. In unserer Branche sorgt sie zunächst für viele neue, attraktive Produkte und noch mehr Komfort und Anwendungsnutzen für den Kunden. In der Bedienung ist die Sprache das natürlichste Interface zwischen Mensch und Maschine überhaupt. Beides zusammen verändert unter dem Stichwort „Voice Commerce“ langfristig auch das Einkaufsverhalten der Menschen. Bei Preissuchmaschinen oder Google galt es gestern noch, auf die erste Seite der Treffer zu kommen. Alexa, Cortana oder Siri kennen bei ihrer Antwort aber nur den Treffer Nummer eins. Darin liegen für den Handel viele Chancen, aber auch Risiken.

Anklicken zum Vergrößern.

Anklicken zum Vergrößern.

Ist es sinnvoll, sich etwa einen intelligenten Backofen anzuschaffen? Die Kaufentscheidung muss in der Regel mehrere Jahre währen und die Innovationszyklen werden immer kürzer halten …
Fahren Sie heute Abend mit der Pferdekutsche nach Hause? Es entscheidet immer der Nutzen über den Kauf. Ein Tablet, das das Benutzerverhalten analysiert und selten genutzte Apps eigenständig abschaltet, spart Strom und erhöht die Akkukapazität. Ein Telefon, das die Stimme des Nutzers „lernt“ und die Geräuschmaskierung darauf kalibriert, verbessert die Sprachqualität. Eine Spülmaschine, die Eigenschaften wie Verschmutzungsgrad, Füllzustand oder Trocknungsgrad analysiert, spart Wasser, Energie und Reinigungsmittel. Die Waschmaschine, die einen bedrohlichen Verkalkungszustand erkennt und den Servicetechniker aktiviert, verhindert den Defekt und erspart Ausfallzeiten. Wenn Sie das alles wollen, kaufen Sie. Wenn nicht, nehmen Sie die Kutsche.

Laut einer neuen Studie von KPMG betrachtet der Einzelhandel die steigende Bedeutung von Nachhaltigkeit als entscheidende Herausforderung in den kommenden Jahren. Wie geht der Elektrohandel das Thema an?
Erfahren und routiniert. Die Themen Nachhaltigkeit und Effizienz treiben unsere Branche seit Jahrzehnten und sind gelebte Bestandteile des Verkaufsgesprächs.

Welche nutzbringenden Innovationen sind Ihnen in diesem Jahr begegnet?
Ich gehe morgens aus dem Haus und weiß, dass alle Fenster zu sind, die Kaffeemaschine aus, der Saugroboter programmiert ist, und kann sicher sein, dass ich in Echtzeit auf meinem Handy sehe, wenn jemand durch den Garten schleicht – und kann reagieren: Über Sirene, Polizei oder Rasensprenger entscheidet dann mein Fingertipp. Ein gutes Gefühl – und gar nicht mal teuer.

 

Der Handelsverband Technik (BVT) präsentiert rechtzeitig vor Weihnachten wieder die “10 angesagtesten Technikprodukte des Jahres”. Insbesondere Smartwatches, intelligente Lautsprecher und Akkustaubsauger treiben in diesem Jahr das Weihnachtsgeschäft. Wer noch Inspiration für Geschenke sucht, findet hier die Produktaufstellung.

Lesen Sie weiter


Markt

Mobile gibt den Ton an

In diesem Jahr wird erstmals die Mehrzahl der Online-Einkäufe über das Smartphone getätigt, so eine aktuelle Salesforce-Prognose. Auf Mobile entfallen demnach 46 Prozent der Einkäufe, auf den Computer 44 Prozent und auf Tables neun Prozent. mehr...

Wir freuen uns über Diskussionen und Ihre Kommentare.
Wie in jeder Gemeinschaft ist es notwendig, dass sich alle Teilnehmer an die Netiquette halten. Durch Ihre Kommentare sollen interessante, gewinnbringende Debatten entstehen, an denen sich andere Nutzer gerne beteiligen. Beleidigungen und Schmähreden sind deshalb ebenso tabu wie Diskriminierungen und die unerlaubte Veröffentlichung persönlicher Daten. Bitte verstecken Sie sich auch nicht hinter Pseudonymen, sondern benutzen Sie Klarnamen.

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>