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Blick in die Zukunft

© HDE/Thomas Marzusch

Beim 2. HDE Digital Day im Münchner Retailtech Hub trafen vielversprechende Start-ups auf Entscheider des digitalen Handels. Text: Ralf Kalscheur

Zum Beispiel Cryptowerk. Das vor zwei Jahren gegründete Start-up verbindet mit seiner SAP-zertifizierten Data Integrity Software die existierenden Programme und Prozesse von Unternehmen mit öffentlichen oder privaten Blockchains. Versehen mit digitalen Siegeln, können Daten jederzeit mit den Originalen abgeglichen werden, um ihre Authentizität fälschungssicher zu beweisen. Es entsteht ein unveränderbares Dokumentationssystem. Ob Medikamente, Dokumente, Transaktionen oder Produkte: „Die Blockchain lässt Betrügern keine Chance und stärkt darum die Trust Economy“, sagt Bernhard Hecker, Vice President Business Development Europe von Cryptowerk. Unternehmen, die auf Blockchaintechnologie setzen, bilden Vertrauen in ihre Produkte, Services und Prozesse und sichern sich so Wettbewerbsvorteile.

Martin Wild, Chief Innovation Officer der MediaMarktSaturn Retail Group, schwärmt von den mannigfaltigen Möglichkeiten, die Blockchaintechnologien eröffnen. Cryptowerk gehört sicher zu den interessantesten Start-ups der dritten Runde des Acceleratorprogramms Retailtech Hub, das MediaMarktSaturn gemeinsam mit dem Plug and Play Tech Center aus dem Silicon Valley und Partnern wie der Schwarz-Gruppe, der ANWR Group oder Ahold Delhaize in München realisiert. Die offene Plattform erlaubt den Gründern, vom Wissen renommierter Mentoren zu profitieren und Pilotprojekte zur Marktreife zu bringen, ohne dafür Unternehmensanteile abtreten zu müssen.

Digitaler Schlüssel für die letzte Meile
Beim 2. HDE Digital Day stellen sich die Start-ups einem kleinen Kreis von ausgewählten Entscheidern des digitalen Handels vor. Nello etwa rennt mit seiner Idee, physische Schlüssel überflüssig zu machen, offene Türen ein. Ein kleiner Sender, Nello one, macht die Gegensprechanlage an der Wohnungstür WLAN-fähig. Per App erhält der Nutzer Nachricht, sobald jemand klingelt  – und kann die Hauseingangstür über den ferngesteuerten Summer per Wischbewegung von überall aus öffnen. Es lassen sich auch Zeitfenster für Onlinebestellungen einstellen. Lieferanten erhalten im Zeitfenster automatisch Zutritt zum Treppenhaus und können die Pakete vor der Haustür abstellen – eine originelle Lösung für das Problem der letzten Meile. Mit dem Smart Lock, einem weiteren Produkt, kann über die Nello-App auch die Wohnungstür geöffnet werden, etwa für den Putzdienst. „Nello ist so etwas wie der universelle Amazon-Türschlüssel“, sagt Gründer Daniel F. Jahn.

Stephan Engel, Head of Corporate Responsibility der Otto Group. Anklicken zum Vergrößern. © HDE/Thomas Marzusch

Stephan Engel, Head of Corporate Responsibility der Otto Group. Anklicken zum Vergrößern. © HDE/Thomas Marzusch

Ob Marktforschung mit Millionen App-Nutzern (Locarta), innovative Regal-Scanning-Roboter (Qopius) oder eine Plattform, die Onlinehändlern unkompliziert Zugang zu dreidimensional visualisierten Produkten verschafft (Augment): Das Netzwerkevent des HDE bringt junge Treiber der Retaildigitalisierung mit den Schwergewichten des Handels zusammen. Stephan Engel, Head of Corporate Responsibility der Otto Group, berichtet, wie ein Konzern mit 14 Milliarden Euro Umsatz den „Kulturwandel 4.0“ bewältigt. Anfang dieses Jahres hatte Alexander Birken, Vorstandsvorsitzender der Otto Group, dazu aufgerufen, durch größtmögliche Transparenz das Vertrauen der Menschen in die Unternehmen zurückzugewinnen: „Wir dürfen Werte nicht an der digitalen Garderobe abgeben.“

Datentransparenz als Wettbewerbsvorteil
„Wir sehen uns als Traditionssegler, der sich zum Ziel gesetzt hat, Wachstums- und Nachhaltigkeitsziele wettbewerbsfähig in Einklang zu bringen“, erklärt Engel. Der Hansestädter betrachtet Corporate Digital Responsibility (CDR) als „logische Fortführung unserer unternehmerischen Verantwortung“. Otto hat Leitplanken gesetzt, die etwa Themen wie die digitale Mitarbeiterbildung oder Datenverarbeitung und Algorithmen betreffen. Bis 2019 wird die Rahmenkonstruktion zu einem Code of Ethics verengt, der auch den Umgang mit Daten aus Sicht des Verbraucherschutzes zukunftsfähig festlegt.

„CDR wird immer stärker an Bedeutung gewinnen, denn die Konsumenten möchten wissen, was mit ihren Daten geschieht“, betont Stephan Tromp, stellvertretender HDE-Hauptgeschäftsführer und Gastgeber der Veranstaltung. Nach Tromps Einschätzung werden Unternehmen, die das Datenhandling transparent betreiben, nachhaltig profitieren.

Stephan Tromp, stellvertretender HDE-Hauptgeschäftsführer. Anklicken zum Vergrößern. © HDE/Thomas Marzusch

Stephan Tromp, stellvertretender HDE-Hauptgeschäftsführer. Anklicken zum Vergrößern. © HDE/Thomas Marzusch

Es geht in München auch um die leidigen und langwierigen Verhandlungen um eine E-Privacy-Verordnung und natürlich um die Potenziale und Herausforderungen des Voice Commerce. Ins Gespräch kommen aber vor allem Start-ups, auf deren spielentscheidende Innovationen der Handel im weltweiten Wettbewerb angewiesen sein wird.

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