Alle Informationen für den Handel

Markt

Bling-Bling trifft auf Tradition

© Budapester

Luxusschuhhändlern, die die Digitalisierung verpasst haben, bietet mybudapester.com eine neue Plattform für das Onlinegeschäft. Bis Jahresende will das Berliner Start-up, das die Transformationsprobleme aus erster Hand kennt, bis zu 15 stationäre Partner aus der Branche integrieren. Text: Ralf Kalscheur

Die aktuellen Sneakerlinien der Luxusmarken sind nicht für Menschen mit Hang zum Understatement gedacht. Dominant prangen die Logos von Dolce & Gabbana, Givenchy oder Gucci auf den Schuhen. In der Preisklasse um die 500 Euro sprechen die Hersteller damit jüngere, zeigefreudige Zielgruppen an. Angeboten in einem Onlineshop mit dem Namen mybudapester.com, der eigentlich für ein ganz und gar klassisches Herrenschuhmodell steht, scheint die Bling-Bling-Ästhetik der Ware zunächst aus dem Rahmen zu fallen.

„Die Kunden, die sich Luxus leisten können, werden jünger“, erklärt Tomasz Rotecki, der den Onlineshop zusammen mit seinem Geschäftspartner Matthias Nebus betreibt. Für die beiden ist „Budapester“ kein Begriff mehr, der stilistische Verpflichtung bedeutet. Das 300 Jahre alte Design des schweren Schuhs ist ohnehin längst aus der Zeit gefallene Wertarbeit für Liebhaber.

Rotecki hat früher in Polen ein Gutscheinportal betrieben, Nebus einen Club in Berlin gemanagt. Zusammen gründeten die beiden die Online-Agentur MVM Web Ventures GmbH „für höchsten Anspruch“ und suchten nach Kunden im Luxusbereich, die den Anschluss an die Digitalisierung verpasst haben. Andreas Schläwicke übernahm vor 25 Jahren das traditionsreiche, 1939 in Berlin gegründete Unternehmen Budapester Schuhe und baute es zu einem Multibrand-Store aus. Der Frequenzrückgang und die wachsende Konkurrenz durch den E-Commerce führten jedoch dazu, dass drei seiner insgesamt fünf Läden in den letzten Jahren schließen mussten.

Schmuckstück: Die Budapester-Filiale am Neuen Wall in Hamburg. Anklicken zum Vergrößern. © Budapester

Schmuckstück: Die Budapester-Filiale am Neuen Wall in Hamburg. Anklicken zum Vergrößern. © Budapester

Geblieben sind dem 61-Jährigen das 320 Quadratmeter große Geschäft am Berliner Kurfürstendamm und der 400 Quadratmeter große Standort in nicht weniger exponierter Lage am Neuen Wall in Hamburg. „Old School“, so darf man das stationäre Geschäftsmodell ohne Onlineverlängerung wohl beschreiben. Auch Schläwicke sah Handlungsbedarf – und die Chancen bisher ungehobener Online-Umsätze. „Wir haben 2015 die ASLuxury Budapester.com ​​​GmbH gegründet“, erzählt Matthias Nebus. Inhaber ist Andreas Schläwicke, die Hälfte der Anteile an der Gesellschaft halten Nebus und Rotecki. Der Deal: Nebus und Rotecki stören das Stationärgeschäft nicht und Schläwicke lässt seine jungen Partner machen. Die Newcomer profitieren von den langjährig gepflegten Geschäftskontakten zu den Luxusherstellern und die „Budapester“-Läden von der Markenpflege im Netz. Kürzlich haben die Betreiber den Shop in „mybudapester“ umbenannt; das klingt dann schon nicht mehr ganz so altmodisch.

Nebus und Rotecki beziehen eine Etage im Unternehmenssitz am Kurfürstendamm. Aus eigener Tasche finanzieren sie den Ausbau samt Fotostudio und Versandstation für, nach eigenen Angaben, bis zu 400 Pakete am Tag. „Die Prozesse der Warenwirtschaft haben wir mit eigener Technologie zur Echtzeitkommunikation optimiert, sodass der Onlineshop und die Geschäfte in Echtzeit auf ein Warenlager zugreifen“, erzählt Nebus. 2015 eröffnet das Start-up den Webshop, 2016 steigt ein Geldgeber ein; die Rede ist von einem Investment „im siebenstelligen Bereich“. Genauere Angaben macht das Unternehmen dazu nicht. Ein Dutzend Mitarbeiter und sechs externe Entwickler arbeiten im ASLuxury-Team.

Influencer polieren das Image auf
Das Start-up setzt von Beginn an nicht nur auf Schuhe, sondern auf ein breites Angebot an Designerprodukten aus dem gehobenen Preissegment. „Wir legen Wert darauf, für jede Marke ein sehr breites Sortiment vorzuhalten“, sagt Rotecki. Wer sich für ein bestimmtes der über hundert gelisteten Labels von Jimmy Choo bis Giuseppe Zanotti interessiert, soll im Shop möglichst auch gleich Taschen, Gürtel und andere Accessoires der Marken finden.

Erlesen: Das Sortiment der Budapester-Filialen in Berlin und Hamburg spricht eine zahlungskräftige Kundschaft an. Die findet mybudapester zunehmend auch im Netz. Anklicken zum Vergrößern. © Budapester

Erlesen: Das Sortiment der Budapester-Filialen in Berlin und Hamburg spricht eine zahlungskräftige Kundschaft an. Die findet mybudapester zunehmend auch im Netz. Anklicken zum Vergrößern. © Budapester

Das eigene Image poliert mybudapester.com vor allem mit der Hilfe von Influencern auf. Xenia van der Woodsen, mit rund einer Million Followern auf Instagram (@xeniaoverdose) eine der Größen der Aufmerksamkeitsbranche, hat für die Berliner einen Givenchy-Sneaker designt. An der Verlosung der Schuhe im Frühjahr auf Instagram beteiligten sich in den ersten 24 Stunden mehr als 7 000 Interessenten. Eine eigene, limitierte Designlinie mit dem 27-jährigen Social-Media-Model sei im Gespräch, ließen Nebus und Rotecki verlauten. Das entspricht der Eigenmarkenstrategie und der weiteren Diversifizierung des Angebots, etwa um Sonnenbrillen. Bald sollen hochwertige Kosmetika hinzukommen.

„Moritz Grossmann, die Uhrenmanufaktur in Glashütte, stellt für uns eine gebrandete Budapester Uhr her“, erzählt Nebus. Das gute Stück werde über 20.000 Euro kosten und soll vor allem eine uhrenuntypische Funktion als Türöffner erfüllen: Nebus und Rotecki wollen damit Kontakt zu Luxusuhrenherstellern anbahnen. Mit Moritz Grossmann, der neuen Uhrenmarke im Shop, ist das bereits geglückt. Die Preisspanne für die edlen Zeitmesser reicht von rund 10.000 bis zu 200.000 Euro.

Rundumservice gegen Provision
Zum Abschluss des Geschäftsjahres 2017 verkündete ASLuxury zehn Millionen Euro Jahresumsatz und die Internationalisierung des Shops für Großbritannien, die Schweiz, Polen und die USA. Wachsen wollen die Berliner 2018 mit weiteren traditionell orientierten Partnern wie Andreas Schläwicke. Stationären Luxusschuhhändlern, die sich online schwertun, baut ASLuxury eine eigene Präsenz auf mybudapester.com auf – und damit den eigenen Shop zur Plattform aus. Für den Service, der etwa die Katalogisierung der Bestände und das Onlinemarketing umfasst, berechnet ASLuxury 20 Prozent Umsatzprovision. Bis Ende des Jahres sollen bis zu 15 Händler an den Start gehen. Ob das klappt? Nebus und Rotecki geben sich zuversichtlich. Ihr ambitioniertes Umsatzziel liegt bei 25 Millionen Euro.

„Die Schuhhändler gewinnen online Reichweite und neue Kunden, und wir können künftig nicht mehr nur auf ein Warenlager zugreifen, sondern auf mehrere“, beschreibt Rotecki das Plattformmodell. Das gerade mit dem Luxusshopping verbundene traditionelle Einkaufserlebnis spiele für die jungen internationalen Markenjäger eine eher untergeordnete Rolle. Hauptsache, die handgemachten Sneaker von Santoni aus Krokodilleder (2.950 Euro) sind in der bevorzugten Ausführung und richtigen Größe bestell- und umgehend lieferbar.

Lesen Sie weiter


Markt

Schuhe laufen gut

Für den Schuheinzelhandel endete das Jahr 2017 insgesamt mit einem Umsatzwachstum. Die vorläufige Bilanz des Handelsverbands Schuhe zeigt, dass Händler, die auch online unterwegs sind, deutlich stärker zulegten als rein stationäre Händler. mehr...

Wir freuen uns über Diskussionen und Ihre Kommentare.
Wie in jeder Gemeinschaft ist es notwendig, dass sich alle Teilnehmer an die Netiquette halten. Durch Ihre Kommentare sollen interessante, gewinnbringende Debatten entstehen, an denen sich andere Nutzer gerne beteiligen. Beleidigungen und Schmähreden sind deshalb ebenso tabu wie Diskriminierungen und die unerlaubte Veröffentlichung persönlicher Daten. Bitte verstecken Sie sich auch nicht hinter Pseudonymen, sondern benutzen Sie Klarnamen.

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>