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„Schmuggel und Fälschungen bleiben Tür und Tor geöffnet“

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In gut einem halben Jahr müssen Tabakhändler und Hersteller die Rückverfolgbarkeit von Zigaretten entlang der gesamten Lieferkette gewährleisten. Willy Fischel, Geschäftsführer des Bundesverbands des Tabakwaren-Einzelhandels (BTWE), über die Herausforderungen einer Branche im Umbruch. Interview: Ralf Kalscheur

Herr Fischel, am 20. Mai 2019 tritt die EU-Tabakproduktrichtlinie (TPD II) in Kraft. Sie verpflichtet Handel und Industrie, die Rückverfolgbarkeit von Zigaretten und Tabak zum Selbst­drehen mittels elektronischer Track-&-Trace-Systeme sicherzustellen. Fünf Jahre später gilt die Produkthaftung auch für die übrigen Tabakerzeugnisse. Ist die Branche vorbereitet?
Track&Trace ist schon eine besondere Herausforderung für alle Marktbeteiligten aus Handel und Industrie. Seit Beginn der EU-Richtlinie beschäftigt sich der Handel in einem BTWE/HDE-Arbeitskreis sehr intensiv mit den politischen Fragen und der operativen Umsetzung. Hier konnten zwischenzeitlich viele Erkenntnisse erarbeitet werden, die den Handelsunternehmen die Umsetzung erleichtern. Es bleibt aber bis zum Stichtag noch viel zu tun und zu klären. Unser Ziel ist klar definiert: Die zu findende Systemlösung muss für alle Unternehmensgrößen kompatibel sein, um Insellösungen und Parallelstrukturen zu vermeiden. Dreh- und Angelpunkt für die geforderte Kompatibilität des Standards ist die enge Zusammenarbeit mit GS1. Nur so kann sichergestellt werden, dass der Datenverkehr in allen Wirtschaftsunternehmen reibungslos läuft. Im Idealfall sollte das offene System nicht nur tabakspezifisch, sondern produkt- und sortimentsübergreifend, national und international einsetzbar sein. Hier arbeitet der BTWE im engen Schulterschluss mit dem HDE-Büro Brüssel und dem Bundesverband Deutscher Tabakwaren-Großhändler und Automatenaufsteller (BDTA) zusammen. Der T&T-Arbeitskreis Handel ist schon etwas ganz Besonderes. Der Know-how-Transfer der engagierten Teilnehmer führt zu Erkenntnissen und Ergebnissen, die Einzelkämpfer nicht erzielen könnten. Die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit der Industrie verstärkt die Schlagkraft der Tabakfamilie gegenüber der Politik.

Welche Schwierigkeiten sind mit der Implementierung des Rückverfolgungssystems verbunden?
Im Großen und Ganzen steht der Fahrplan. So weit die Theorie. In der Praxis geht es um 1.001 Detailfragen – von der Kennzeichnung über die Datenspeicherung bis zur Dokumentierung der Finanzflüsse. Wer hat wann was bestellt? Wo befindet sich die Ware? Und wie geht man mit Retouren um? Ohne auf Details einzugehen, sind sich Wirtschaft und Politik einig, dass der Stichtag 20. Mai 2019 gesetzt, aber eigentlich nicht zu schaffen ist. Auf viele Fragen des Handels an die Politik gibt es bis heute noch keine Antworten. Am Ende des Tages wird man sich sicher auch mit dem Thema Abverkaufsfrist im Handel beschäftigen müssen. Das Thema Kosten dürfte ebenfalls spannend bleiben. Ein Grund mehr, dass Handel und Industrie bei der Politik intervenieren, damit der Aufwand zur Umsetzung der Richtlinie nicht aus dem Ruder läuft.

Ist die TPD II die geeignete Maßnahme, um das intendierte Ziel zu erreichen, den illegalen Handel mit Tabakwaren einzudämmen?
Eine gute Frage. Die TPD II fordert vom tabakführenden Handel, der legale Produkte legal vermarktet, Rieseninvestitionen, obwohl gerade er schon immer die Gesetze nach Punkt und Komma einhält. Der illegale Markt steht außen vor – das muss verstehen, wer will. Schmuggel und Fälschungen bleiben damit nach wie vor Tür und Tor geöffnet.

Willy Fischel, Geschäftsführer des Bundesverbands des Tabakwaren-Einzelhandel (BTWE) © BTWE

Willy Fischel, Geschäftsführer des Bundesverbands des Tabakwaren-Einzelhandel (BTWE) © BTWE

Wie hat sich der Einzelhandelsumsatz mit Tabakwaren 2017 und im laufenden Jahr entwickelt? Und welche Kategorien gehören zu den Gewinnern?
Der tabakführende Handel realisiert rund 97 Prozent Umsatzanteil mit klassischen Tabakwaren, und das wird auch vorerst so bleiben. Der Markt ist in Änderung begriffen, weil es viele neue Produkte zusätzlich gibt. Der Fachhandel sollte sich aber unbedingt mit den sogenannten „next generation products“ befassen und damit seiner umfänglichen Beratungsfunktion gerecht werden, sich von anderen Vertriebskanälen positiv abgrenzen und sich zukunftsorientiert positionieren.

Setzt die E-Zigarette ihren Siegeszug fort?
Die überproportionalen Zuwachsraten bei E-Zigaretten unterstreichen die Attraktivität beim Konsumenten. Hier kann der Tabakwaren-Facheinzelhandel mit seiner Beratungskompetenz punkten. Der BTWE begrüßt die Regelungen innerhalb der EU-Tabakproduktrichtlinie zur E-Zigarette. Der dadurch geschaffene Rechtsrahmen beseitigt auch für den Fachhandel rechtliche Unsicherheiten, sichert einen offiziellen Qualitätsstandard und schützt den Verbraucher.

Die Nachfrage nach klassischen Zigaretten sinkt, und mit ihr etwa der Umsatz des Marlboro-Mutterkonzerns Philip Morris. Der Tabakkonzern setzt große Hoffnungen in die elektronische Zigarette iQOS, die den Tabak nur erhitzt und nicht verbrennt, doch der Absatz in Deutschland ist flau. Wird der Tabakstift sich durchsetzen?
Der Handel begrüßt alle Innovationen, die den Markt und somit das Geschäft beleben. Im Rahmen der gesundheitspolitischen Diskussion gehen wir fest davon aus, dass Alternativprodukte von der E-Zigarette bis zu Heat-not-burn-Produkten zum festen Marktbestandteil werden. Die klassischen Tabakwaren bleiben aber das Brot- und-Buttergeschäft.

 

Bilanz der Fachmesse InterTabac
Die InterTabac schaut auf eine vierzigjährige Geschichte zurück. Die Weltleitmesse der Branche begrüßte im Jubiläumsjahr 12.500 Fachbesucher aus aller Welt in Dortmund. Insgesamt 625 Aussteller aus 54 Ländern präsentierten ihre Produkte und Dienstleistungen, rund zwölf Prozent mehr als im Vorjahr. Insbesondere das Interesse an E‐Zigaretten sowie von Heat‐not‐burn‐Produkten war ausgeprägt. Fast 54 Prozent der Befragten des Tabakwaren‐Einzelhandels erwarten nach einer aktuellen Branchenumfrage eine wachsende Bedeutung dieser Produkte für die Weiterentwicklung ihres Geschäftes.

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