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Keine Chance für Hehler

© Africa Studio / Stock Adobe

Musikalienhändlern werden bisweilen gestohlene Instrumente angeboten. Mittels einer Datenbank können sie nun schnell überprüfen, ob die Ware gestohlen wurde.
Text: Annika Krempel

Mister Music im Schwarzwälder Schramberg hat es vergangenen August erwischt: Einbrecher stahlen 50 Saxofone, Klarinetten und Flöten. „Die Tat war professionell geplant“, erinnert sich Geschäftsführer Michael Armbruster. „Die wussten genau, wie viel Zeit ihnen bleibt, bis der Alarm bei der Polizei eingeht. Innerhalb dieser zwei Minuten griffen sie sich gezielt die wertvollsten Instrumente. Umgestoßen haben sie nichts, und auch sonst ist alles heil geblieben.“ Lediglich die zum Einstieg eingeschlagene Scheibe sowie die entwendete Kasse zeugen von dem Einbruch. So schnell es ging, so hoch ist der Schaden: Etwa 150.000 Euro betrug der Verkaufswert der Instrumente.

Händler sind beim Instrumentendiebstahl gleich doppelt gekniffen. Zum einen werden sie unter Umständen zum Opfer eines Einbruchs. Zum anderen können sie häufig nicht erkennen, ob ein Instrument, das ihnen zum Kauf angeboten wird, zuvor gestohlen wurde. Christian Bach, Mitglied des Präsidiums des Gesamtverbands Deutscher Musikfachgeschäfte (GDM), wollte aber den Kriminellen nicht länger das Feld überlassen. Deshalb entwickelte er mit Unterstützung des Instrumentenversicherers MML die Onlineplattform instrumentenklau.de. Seit April ist die Datenbank online.

Musiker und Händler können dort gestohlene oder verlorene Musikinstrumente melden oder ihre Instrumente registrieren – ähnlich einer Fahrradregistrierung bei der Polizei. Höchste Zeit, denn Mister Music ist durchaus kein Einzelfall. MML stellt eine steigende Zahl an Diebstählen fest: „Dies betrifft nicht nur den Privatbereich, sondern auch Schulen und Veranstaltungsräume. Ebenfalls zugenommen hat der Diebstahl von Musikinstrumenten bei Musikalienhändlern oder Instrumentenbauern. Dort werden sehr gezielt hochwertige Instrumente ­entwendet.“

Verluste unkompliziert melden
Eine gemeinsame Plattform für die Meldung gestohlener Instrumente gab es bisher aber nicht. „Händler und Musiker nutzten bisher Facebook-Seiten von Verbänden, Foren oder Listen, um auf gestohlene oder verlorene Musikinstrumente aufmerksam zu machen“, erzählt Bach. Oder sie machten es wie Armbruster, der nach dem Einbruch alle Seriennummern der gestohlenen Instrumente per E-Mail an Händlerkollegen verschickte. „Unsere Instrumente wurden ohne Koffer geklaut. Wird so etwas zum Kauf angeboten, merkt jeder Händler auf.“ Ein Abgleich der Seriennummern und des Modells verschafft dann Klarheit, ob das Instrument tatsächlich gestohlen wurde. Auch er habe schon häufiger E-Mails von Kollegen erhalten, bei denen eingebrochen wurde. Die Datenbank, findet Armbruster, sei wesentlich effizienter.

Ältere Kostbarkeiten ohne Seriennummer müssen bei der Meldung in der Datenbank möglichst genau beschrieben werden, jeder Kratzer und jede Macke hilft bei der Identifikation. Auch Fotos lassen sich hochladen. Mit nur wenigen Klicks kann ein Besitzer sein Instrument als verloren oder gestohlen melden.

In die Datenbank haben nur registrierte Händler Einblick. Bietet ein Kunde ein Instrument zum Kauf an, reichen wenige Suchbegriffe, um einen Überblick zu erlangen. Sollte das Instrument tatsächlich gestohlen worden sein, erscheinen Tipps, wie der Händler reagieren sollte. „Einige Kollegen sind durchaus gewieft darin, verdächtige Anbieter hinzuhalten, aber nicht immer gelingt es. Auf jeden Fall sollte der Händler so bald wie möglich die Polizei verständigen“, rät Bach.

Illusionen macht sich Bach trotzdem nicht, denn er weiß, dass viele gestohlene Instrumente ins Ausland verschoben werden. Gleichwohl hofft er auf eine abschreckende Wirkung der Datenbank. Bald wird es auch warnende Aufkleber für Instrumentenkoffer geben. Immerhin ein Saxofon gelangte schon in der kurzen Zeit seit dem Launch der Datenbank wieder zurück in die Hände seines Besitzers. Musikalienhändler Armbruster hat das Diebesgut nicht zurückerhalten, die Ermittlungsgruppe Saxofon der Polizei kennt aber bereits die Täter und fahndet mit einem europäischen Haftbefehl nach der Diebesbande.

 

Registrierungsseite für Musikinstrumente

Der Gesamtverband Deutscher Musikfachgeschäfte e. V. (GDM) ist als Berufsvereinigung der Musikfachhändler vor über 180 Jahren gegründet worden. Er dient als Interessenvertretung des deutschen Musikfachhandels und kümmert sich neben der Berufsausbildung für Musikfachhändler um die Förderung des aktiven Musizierens in der breiten Bevölkerung, besonders in Kindergärten und Schulen.
Auf der vom GDM initiierten Webseite instrumentenklau.de können Musiker ihr Instrument kostenlos registrieren oder als entwendet melden. Zugriff auf die gesamte Datenbank haben ausschließlich registrierte Händler. Für GDM-Mitglieder ist die Nutzung kostenlos, Nichtmitglieder zahlen 150 Euro pro Jahr.

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