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Klare Verhältnisse

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Der Wunsch, locker und unbürokratisch mit den eigenen Mitarbeitern umzugehen, wird zum Eigentor, wenn mündlich vereinbarte Arbeitskonditionen vor dem Arbeitsrichter landen. Text: Ruth Lemmer

Gut gelaunt stellt der Inhaber der Parfümerie die neue Aushilfe ein. Im Gespräch über das Arbeitsverhältnis war man sich schnell handelseinig. Mit einem Handschlag hatten beide besiegelt, was sie unkompliziert und einvernehmlich über Arbeitsstunden und Gehalt sowie hinsichtlich der Probezeit und der Urlaubstage abgesprochen hatten. Doch schon nach wenigen Wochen steht die Mitarbeiterin frustriert im Chefzimmer: Sie arbeite zu viele Stunden fürs Gehalt und jeden Samstag wolle sie auch nicht kommen. Und das Einstellungsgespräch? Das ist ihr ganz anders in Erinnerung. Notizen hatten sich weder der Chef noch die Kandidatin gemacht.

Spätestens an diesem Punkt wird die unbürokratische Herangehensweise zur mühsamen Beweislastfalle. Zwar ist auch ein mündlich abgeschlossener Arbeitsvertrag gültig, denn für Arbeitsverträge schreibt das Gesetz keine Form vor. Dennoch sorgen ausschließlich schriftlich verfasste Verträge für klare Verhältnisse.

Bedenken muss der Arbeitgeber, dass Gesetze und Tarifverträge den Rahmen für einen individuellen Arbeitsvertrag setzen. Wird kein Urlaubsanspruch vereinbart, gelten für eine Vollzeitstelle die 24 Werktage des Bundesurlaubsgesetzes. Die tägliche Höchstarbeitszeit liegt bei 10 Stunden. Das Mindestlohngesetz legt 8,84 Euro als Lohnuntergrenze fest – und formuliert eine Dokumentationspflicht. Wer einmal Besuch vom Zoll hatte, weiß, dass deren erste Frage dem Nachweis für das Lohn-Arbeitszeit-Verhältnis gilt. Liegt ein Arbeitsvertrag vor, ist das die halbe Miete.

Musterverträge nutzen
Man muss die Welt jedoch nicht für jeden Angestellten neu erfinden. Der Handelsverband Deutschland (HDE) stellt seinen Mitgliedsunternehmen kostenlos Merkblätter und Musterarbeitsverträge zur Verfügung – für Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigte, für geringfügig Beschäftigte und Aushilfen sowie für befristete Arbeitsverhältnisse und Altersteilzeit. Auch die örtliche IHK unterstützt mit Musterverträgen. Die muss niemand eins zu eins übernehmen; es besteht Spielraum, den Schriftsatz an die eigenen Betriebsbedürfnisse anzupassen.

So kann in der Apotheke die Medikamentendokumentation außerhalb der Geschäftszeiten erledigt werden. Die Marketingaktion im Möbelhaus darf im Homeoffice geplant werden. Oder Arbeitsstunden können nach Saison übers Jahr verteilt werden. Auch der Parfümerieinhaber und seine Aushilfe müssen nicht vor dem Arbeitsrichter landen, wenn sie gemeinsam einen Neustart wagen – und zum Stift statt zur ausgestreckten Hand greifen.

 

Streit verhindern
Was alles in den Arbeitsvertrag gehört, hängt von Position und Aufgabe des Mitarbeiters ab. Im Folgenden einige zentrale Elemente, die unbedingt enthalten sein sollten:

• das Datum des ersten Arbeitstages, die Länge der Probezeit sowie die Dauer des Beschäftigungsverhältnisses
• eine genaue Beschreibung der Tätigkeit
• die Länge der Arbeitszeit, ob und wie sie dokumentiert wird sowie die Verteilung der Arbeitsstunden
• die Vergütung, als Summe in Euro genannt (pro Stunde oder als Monatsgehalt), und eine Regelung zu den Überstunden
• die Zahl der Urlaubstage und gegebenenfalls auch deren Lage, wenn etwa vor Weihnachten eine Urlaubssperre gilt
• Regelungen rund um die Arbeitsunfähigkeit, etwa der Zeitpunkt, ab welchem Krankheitstag eine Bescheinigung der Arbeitsunfähigkeit im Betrieb eingehen muss
• Kündigungsfristen und Regeln zur Freistellung etwa für Ehrenämter
• der Zeitpunkt des Renteneintritts

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