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Reif für die Insel

© Getty Images/George Peters

Stress trägt so mancher vor sich her wie einen Leistungsnachweis. Dabei sind Anspannung und anhaltender Arbeitsdruck eher ein Zeichen unsortierter Arbeitsweise. Text: Ruth Lemmer

Ein bisschen schick ist es schon, über die viele Arbeit zu stöhnen. „Ich bin reif für die Insel“ gehört zu den geflügelten Worten wichtiger Menschen. Denn der Kern der Aussage lautet: Ohne mich geht es einfach nicht. Überarbeitung als Statussymbol zu nutzen, birgt allerdings Risiken. Denn wenn aus andauerndem Arbeitsdruck und dem Gefühl permanenter Überforderung eine chronische Erschöpfung resultiert, sind psychische und physische Störungen nicht weit. Satte 44,4 Milliarden Euro Krankenkosten schulterten Staat und Gesellschaft 2015 für die Behandlung psychischer Erkrankungen laut Statistischem Bundesamt.

In der Handlungshilfe für Führungskräfte „Kein Stress mit dem Stress“ hat die Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) einen Selbsttest veröffentlicht, der den Nachtschlaf ebenso thematisiert wie den Alkoholkonsum und nach der Kraft für Familie und Freunde sowie nach Stimmungsschwankungen und Kopfweh fragt. Wer von allem zu viel hat, sollte sich zurücklehnen und ein paar Regeln einüben: Der geregelte Feierabend gehört dazu wie Pausen, in denen nicht nebenbei am Rechner der Dienstplan geschrieben wird. Bewegung baut Anspannung ab, das kann schon der Gang zur Post sein oder eine Tour durchs Warenlager.

Neben den persönlichen Ritualen kann zudem eine gute Zusammenarbeit zwischen Vorgesetztem und Mitarbeitern Überlastung ausbremsen: Das Team teilt sich die Arbeit so ein, dass jeder tut, was er zu schaffen vermag – so entsteht eine Zuverlässigkeit, die ebenso den Chef weniger stresst. Viele Mitarbeiter brauchen Handlungsspielraum, sie wollen selbst entscheiden – und können das auch, unterstützt von Kollegen und Chef. Für eine entspannte Atmosphäre sorgt ebenfalls eine ausgewogene Balance zwischen Engagement und Anerkennung.

Tief druchatmen, Ruhe bewahren
Rabattgespräche, muffige Kunden und unpünktliche Lieferanten schafft man nicht durch gute Laune und ein angenehmes Arbeitsklima aus der Welt, aber tief durchatmen und Ruhe bewahren löst so manches Problem schneller als gedacht. Manchmal hilft es, einen Kollegen einzuspannen, der besonders gut mit einem bestimmten Kundentyp umgehen kann. Denn: Jeder im Team übernimmt seinen Teil an Aufgaben und Verantwortung, sonst klappt das nicht mit der stressarmen Arbeit. Schließlich sind Lieferanten und Kunden weitaus weniger zu beeinflussen als das eigene Team.

Negativer Stress gehört zum Erfolg wie der Fisch zum Fahrrad. Doch wenn Chef und Mitarbeiter sich für ein gemeinsames Ziel auspowern und danach in einer ruhigen Phase den Erfolg genießen, dann wird Stress positiv besetzt – und ungefährlich für die Gesundheit.

 

In vier Schritten zum Stressabbau

Schon mittels recht einfacher Maßnahmen lässt sich der Druck im Job reduzieren. Ein Überblick.

Arbeitsabläufe optimieren
Zeitdruck als Normalzustand senkt die Leistung und erhöht die Fehlerquote. Aufgaben verteilen, Informationen ordnen, einseitige Arbeiten minimieren oder abwechselnd übernehmen schafft Raum.

Störungsfreie Zeiten blocken
Unterbrechung stresst. Sich täglich im Terminkalender ein Zeitfenster für konzentriertes Abarbeiten einzutragen, ist der erste Schritt. Den Termin mit sich selbst einzuhalten, erfordert Übung.

Gesundes Büro
Klimaanlage und Lärm belasten ebenso wie schlecht aufgestellte Kassen und Computer. Über Arbeitsplätze und Arbeitsumfeld sollten Vorgesetzte und Team gemeinsam nachdenken.

E-Mail- und WhatsApp-Flut bändigen
Rundmails sind nur sinnvoll, wenn alle die Information zum Arbeiten benötigen. Nicht „Nice to have“ ist der Maßstab, sondern „Was brauche ich“. Das Team legt die E-Mail-Versandregeln fest.

Quelle: INQA (Initiative Neue Qualität der Arbeit)

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