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Fürs Leben gelernt

© DIHK/Schicke/Ebner

Die beste Auszubildende Kauffrau im Einzelhandel 2017 geht ihrem Beruf mit Leidenschaft nach und wuchs in der Ausbildung auch persönlich. Bei der Abschlussprüfung erreichte Jacqueline Watzlawik die Maximalpunktzahl. Text: Annika Krempel

Obwohl die Generalprobe gut verlaufen war, ist Jacqueline Watzlawik am Tag der großen Ehrung in Berlin sehr aufgeregt. Vor rund 1 000 Zuschauern überreicht ihr die bekannte Moderatorin Barbara Schöneberger die Auszeichnung „Bundesbeste Kauffrau des Einzelhandels“. Einige persönliche Worte des Lobs gibt es obendrein, denn Watzlawik ist nicht nur – wie bundesweit 212 weitere Azubis – die Top-Auszubildende ihres Berufs. Die Ausgezeichnete erzielte  zudem bei ihrer IHK-Prüfung als eine von dreien ihres Jahrgangs 100 Punkte – also die Maximalpunktzahl.

Trotz Lampenfiebers und zitternder Knie geht alles gut, und die 23-Jährige freut sich auf großer Bühne über ihre Auszeichnung. Gerechnet hatte sie nicht mit dem herausragenden Prüfungsergebnis: „Ich war ehrgeizig und habe immer viel gelernt, aber dass ich am Ende 100 Punkte schaffte, war eine echte Überraschung für mich.“

Bewusst kleinen Betrieb gewählt
Neben ihrem Fleiß ist wohl auch Watzlawiks große Leidenschaft für den Einzelhandel maßgeblich für den Erfolg. Noch als Schülerin beginnt sie 2012 im Einzelhandel zu arbeiten, als Aushilfe im Legoland, wo sie im Shop bedient und Merchandisingprodukte verkauft. Trotzdem geht sie nach dem Abitur erst einmal an die Uni, bricht das Studium der Medientechnik aber bald wieder ab. „Das ging völlig in die falsche Richtung“, sagt Watzlawik rückblickend. Als sie sich dann fragt, was ihr tatsächlich Spaß macht, denkt sie an ihren Job im Legoland und weiß: „Genau das möchte ich machen: Kunden beraten und Produkte verkaufen.“

Aus Interesse am Handel ist sie sogar bereit, täglich von Duisburg nach Düsseldorf zu pendeln. Denn dort findet sie mit dem Einrichtungshaus diewohnplaner ein Familienunternehmen, das sie ausbildet. „Bei meiner Suche habe ich mich bewusst auf kleine Unternehmen und Familienbetriebe konzentriert. Von anderen Azubis hatte ich gehört, dass man dort in der Regel sehr selbstständig arbeiten darf und nicht nur in einem Bereich eingesetzt wird.“

In dieser Hinsicht übertreffen diewohnplaner sogar ihre Erwartungen: Watzlawik hilft im Verkauf und im Kundenservice, dekoriert Schaufenster, schreibt Rechnungen und ordert Ware bei Herstellern. Sie lernt jeden Winkel des Betriebs kennen und kann zugleich ihre Passion für Wohnungseinrichtung ausleben.

Das aus ihrer Sicht Wichtigste, was sie in ihrer Ausbildung gelernt hat, ist jedoch der Umgang mit Kunden. „Anfangs war ich sehr schüchtern und musste ein wenig über mich hinauswachsen. Es gibt so unterschiedliche Kunden: Die einen sind freundlich, andere zurückhaltend, manche unentschlossen, einige unfreundlich – und alle haben ihre eigenen Bedürfnisse, die man erkennen muss. Da habe ich wirklich was fürs Leben gelernt“, erzählt Watzlawik.

Kompetenzen ausspielen
Bei Möbeln geht es aber nicht allein um Bedürfnisse, sondern auch um den konkreten Bedarf. Entsprechend musste die Beratung bei den „wohnplanern“ durchaus praxisorientiert sein. In Watzlawiks erstem Job nach der Ausbildung geht es nun vor allem ums Gefühl: Sie ist zurück in Duisburg und arbeitet 30 Stunden pro Woche in einem großen Schmuckgeschäft. Dort kann sie ihre Fähigkeiten in der Kundenberatung voll ausspielen. Entscheidend sei es, Kunden nicht nur zu bekommen, sondern sie dauerhaft zu halten. „Der Kunde bleibt ja nicht einfach von selbst“, weiß Watzlawik inzwischen. Das sei immer wieder eine Herausforderung, die sie besonders liebe.

Künftigen Auszubildenden im Handel gibt sie mit auf den Weg: „Du musst hinter dem Produkt stehen, das du verkaufst.“  Jacqueline Watzlawik jedenfalls scheint eine Überzeugungstäterin zu sein: Ihren Nebenjob bei Legoland hat sie behalten.

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