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Windige Geschäfte

© Flying Colors

Seit 34 Jahren verkauft Flying Colors Drachen in Berlin. Über einen Laden, bei dem stürmische Zeiten den Umsatz beflügeln. Text: Kapka Todorova

Diese Ecke der Eisenacher Straße hat es geschafft, von Wandel und stetiger Modernisierung der vergangenen Jahre weitgehend unberührt zu bleiben. Die alte Eckkneipe ist noch da, ebenso einige Läden, die noch vor der Wende eröffnet wurden. Einer davon ist „Flying Colors“. Über 10.000 Euro Startkapital verfügten Chris Sandy, Computerfachmann aus England, und Michael Steltzer, Architekt aus den USA, als sie 1983 im Stadtteil Schöneberg den Laden für Fluggeräte eröffneten. Drachen waren damals im Kommen, aber in Deutschland gab es nur zwei entsprechende Geschäfte – keines davon in Berlin. Deshalb hob der Laden gleich von Beginn an ab.

„Heute lässt sich mit Drachenfliegern allein kein Start mehr machen, darum haben wir die Jonglage dazugenommen“, erklärt Grischa König, der leitende Angestellte. Mittlerweile verkauft er auch andere Trendartikel, wie Kites, Papierflieger oder Einräder. Der kleine Shop ist eine Schatzhöhle für Spielzeuge aus aller Welt: Japanische Kendamas, maorische Pois, Feuerjonglage und Diabolos finden sich in den Regalen. Und natürlich Drachen in jeglicher Form, Größe und Art: Kinderdrachen, Lenkdrachen, Kastendrachen, Deltadrachen, Designerdrachen, Kampfdrachen, Oktopusdrachen, Piratendrachen … Insgesamt 200 verschiedene Windvögel stehen zum Verkauf – vom lediglich zehn Zentimeter messenden, weltweit kleinsten Minidrachen bis zum zwölf Quadratmeter großen Trägerdrachen.

© Flying Colors

Grischa König, leitender Angesteller bei Flying Colors. © Flying Colors

„Wir bieten an, was andere nicht haben. Unsere Überlebensstrategie ist es, immer speziell zu bleiben“, sagt König. Selbst im Computerspielzeitalter bleiben Drachen gefragt. „Analoge Spiele sind wieder cool“, meint der 36-Jährige. Er selbst gehört zur Szene und war zunächst selbst Kunde des Ladens. 2012 fing er an, für „Flying Colors“ zu arbeiten: „Aus purer Leidenschaft.“

Mit seiner damaligen Partnerin Sarah Bösche, Tochter des Gründers Michael Steltzer, entschloss er sich, den Laden nach dem Ausscheiden der Gründer weiterzuführen. „Drachen wollen heute alle haben: Eltern für ihre Kinder, Großeltern für ihre Enkel, Eltern für sich selbst, Leute mit viel Geld, Leute mit wenig Geld – einfach alle“, erklärt der Drachenfreund. Entsprechend bietet der Laden für jeden Bedarf und Geldbeutel etwas an: von Murmeln für zehn Cent das Stück bis hin zum ambitionierten „Depower Kite“ zum Preis von 3.500 Euro. Das Unternehmen lebt von der Vielfalt seines Angebots und verkauft seine Drachen und Spiele auch online.

„Im Onlinehandel ist vieles einfacher: Man benötigt keine Mitarbeiter, die beraten, und kann den Preis flexibler gestalten. Wir bleiben aber vor Ort präsent, auch wenn der Spagat bisweilen schwerfällt“, räumt König ein. Im Moment bringt der Laden noch mehr Umsatz ein als der Onlineverkauf. Bald aber wird der neue Onlineshop fertig sein. König investiert. „Es gab Tiefen und Höhen, aber von unserer Ware kann man leben, und das schon seit 34 Jahren“, sagt er nicht ohne Stolz.

 

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