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Gemeinsam besser

© Mirko Hackmann

Mit neuem Elan und frischem Personal startet die Außenhandelsvereinigung des Deutschen Einzelhandels (AVE) ins Jahr 2018. Nachdem der HDE im September 2017 die Geschäftsführung übernommen hat, ist die Reorganisation nun abgeschlossen – und die Arbeit kann beginnen.
Text: Mirko Hackmann

Seit Beginn der Kooperation beider Verbände im Herbst vergangenen Jahres ist unter der Federführung des operativen AVE-Geschäftsführers Kai Falk bereits viel vorangekommen: Die neue Struktur steht, die politische Agenda ist verabschiedet, die inhaltlichen Positionen sind definiert und Maßnahmen sowie Kommunikationstools zu ihrer Durchsetzung wurden beschlossen. „Dank der engen Zusammenarbeit werden wir die Interessen der Mitglieder beider Verbände künftig effizienter durchsetzen können“, erklärt Falk.

Bereits Ende November hat die außerordentlich einberufene Mitgliederversammlung als Ziel verabschiedet, die Bindung der Mitglieder an den Verband zu stärken und nach und nach wieder neue Mitglieder zu gewinnen. Ein ambitioniertes Ziel. Zudem soll die AVE in den politischen Institutionen neu positioniert und die Effizienz der Organisation gesteigert werden. Inhaltlich liegt der Fokus weiterhin auf den Themen Zoll, Zollrecht, Handelspolitik sowie Nachhaltigkeit in der Lieferkette.

Über die AVE
Die Außenhandelsvereinigung des Deutschen Einzelhandels e. V. (AVE) ist die Spitzenorganisation der importierenden Einzelhändler in Deutschland. Seit ihrer Gründung 1952 vertritt sie die außenwirtschaftlichen Interessen des deutschen Einzelhandels, der im Rahmen seiner weltweiten Einkaufspolitik auf eine reibungslose Einfuhr von Konsumgütern aller Art angewiesen ist. Darüber hinaus engagiert sich die AVE für eine strikte Einhaltung von Sozialstandards in den Lieferländern. Insgesamt stehen AVE-Mitglieder für einen jährlichen Gesamtumsatz von rund 230 Milliarden Euro. Zusätzlich zu seiner Verantwortung für den Bereich Kommunikation und Nachhaltigkeit beim HDE hat Kai Falk die operative Geschäftsführung für die AVE übernommen; er berichtet an HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth.

„Das Thema Sozialstandards und speziell die Rolle und Verantwortung von Unternehmen in globalen Lieferketten hat die AVE als einer der ersten Verbände bereits 1996 aufgegriffen“, sagt Andrea Breyer, neue Leiterin des Bereichs Außenhandel und Nachhaltigkeit. (Das Team Berlin im Bild oben: Stephanie Schmidt, Leiterin Außenwirtschaft und Zoll, Andrea Breyer sowie Projektassistentin Corinne Vogler.) Die 37-Jährige war zuvor als Scout für Entwicklungszusammenarbeit (EZ-Scout) des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) bei der AVE angedockt und will nun in neuer Funktion das Profil der  Vereinigung im Bereich Nachhaltigkeit weiter ausbauen. „Dabei setzen wir stets auf die freiwillige Selbstverpflichtung der Unternehmen“, erläutert Breyer. Die den Mitgliedsunternehmen empfohlene Strategie im Umgang mit Zulieferern laute, diese nicht einfach auszulisten, sondern gemeinsam auf gute Produktionsbedingungen hinzuarbeiten. „Dabei unterstützen wir Unternehmen ebenso gerne und erfolgreich wie bei der Einhaltung konkreter Standards“, betont Breyer.

Weiterhin in den Händen von Leiterin Stephanie Schmidt liegen die Themen Zoll und Außenhandel, insbesondere die Information und Beratung der Mitglieder zu entsprechenden Rechtsthemen. „Neuregelungen im Zollrecht oder Anti-Dumping-Maßnahmen stellen Unternehmen häufig vor große Herausforderungen. Wir helfen bei der Orientierung, lösen Praxisprobleme und unterstützen beim Austausch mit den Behörden“, umreißt Schmidt das Tätigkeitsspektrum. Dank umfänglicher Kontakte zu Ministerien vermöge es die AVE zudem, geplanten Einschränkungen einer liberalen und offenen Handelspolitik proaktiv entgegenzutreten. „Häufig fühlen wir wegen bestimmter Anliegen auch für Unternehmen bei Behörden oder Politikern vor oder können aus dem Wissen um die Erfahrungen, die andere Unternehmen gemacht haben, Handlungsempfehlungen ableiten“, erläutert Schmidt.

Engagement in Myanmar
Seit Dezember 2015 unterstützt die AVE den myanmarischen Verband der Bekleidungsindustrie MGMA (Myanmar Garment Manufacturers Association) in Form einer Kammer- und Verbandspartnerschaft (KVP). Ziel ist es, die Leistungsfähigkeit des Partnerverbands zu stärken und mittel- bis langfristig sein Dienstleistungsangebot zu professionalisieren. Auf Unternehmensseite wird die Verbreitung von Sozial- und Umweltstandards insbesondere in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) gefördert, mit dem Ziel, ihre Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. Das Projekt wird vom Bundesministerium für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (BMZ) finanziert. Als Projektkoordinatorin in Yangon fungiert AVE-Mitarbeiterin Christiane Schultz.

Noch weitgehend ungeklärt sind hingegen die Folgen des Brexits für Einfuhren aus Großbritannien. „Bei diesem Thema herrscht große Verunsicherung unter allen importierenden Unternehmen“, weiß Kai Falk. Zwar werde es womöglich eine Übergangsfrist geben, doch perspektivisch gelte Großbritannien nicht mehr als EU-Ursprungsland und mithin können von dort importierte Waren nicht mehr als EU-Waren deklariert werden. Welche Standards und Normen Bestand hätten und wie lange die Zollunion aufrechterhalten werde, sei derzeit noch offen. Falk: „Bei diesem Thema sieht die AVE viel Aufklärungsbedarf und wird sich intensiv engagieren.“

 

 

“Unsere Mitglieder werden profitieren”

AVE-Präsident Matthias Händle über die Kooperation seines Verbandes mit dem HDE

Im September vergangenen Jahres hat der HDE die Geschäftsführung der AVE übernommen. Geht damit eine strategische Neuausrichtung einher?
Im Sinne unserer Mitglieder streben wir nach wie vor an, die Interessen des Einzelhandels in den Themenfeldern Zollabwicklung und Nachhaltigkeit bestmöglich zu wahren. Bei der Zusammenlegung der Geschäftsführung mit dem HDE geht es daher weniger um eine inhaltliche Neuausrichtung. Vielmehr wollen wir unsere Effizienz und Schlagkraft weiter steigern, um gegenüber der Politik und anderen Stakeholdern noch durchsetzungsfähiger zu werden. Der HDE verfügt über eine starke Truppe mit guten Verbindungen, davon werden unsere Mitglieder profitieren.

Die zum Großteil auch im HDE organisiert sind …
Richtig. Deshalb müssen wir nicht diskutieren, ob ein bestimmtes Themenfeld eher bei der AVE oder beim HDE zu verorten ist. Schließlich sind alle Händler gleichermaßen betroffen, wenn es um Protektionismus, Anti-Dumping-Maßnahmen oder die effizientere Gestaltung der Supply-Chain und die damit verbundenen Standards der Business Social Compliance Initiative (BSCI) geht. Das war das Feld, das die AVE erfolgreich beackert hat.

Diese von der AVE entwickelte Initiative ist nun aber bei Amfori in Brüssel, also der Nachfolgeorganisation der Foreign Trade Association (FTA), angesiedelt …
In einer globalisierten Welt mit langen Lieferketten erlangt das Thema Nachhaltigkeit schnell europäische, häufig sogar globale Dimensionen. Deshalb muss Amfori den Weg hin zu einer weltweiten Organisation weiter beschreiten. Gleichwohl spielen nach wie vor nationale Aspekte eine Rolle. Wird die BSCI weiterentwickelt, sollten auch deutsche Interessen gewahrt werden – das kann nicht von Brüssel aus gelingen. Wir sehen uns als die Institution in Deutschland, die über die dazu notwendigen Verbindungen in die Berliner Politik verfügt.

Welche konkreten Maßnahmen sind geplant, um neue Mitglieder zu gewinnen?
Wir finden es sehr bedauerlich, dass die allermeisten Mitglieder des HDE noch nicht in der AVE organisiert sind, obwohl wir – wie gesagt – viele wichtige Themen bearbeiten, die auch für jeden dort organisierten Einzelhändler relevant sind. Ich verstehe aber, dass einige Mitglieder zunächst schauen möchten, wie wir arbeiten und ob sich unsere Leistungsfähigkeit durch den Zusammenschluss weiter verbessert.

Was sind Ihre Argumente, um Unternehmen von einem Beitritt zu überzeugen?
Wie wir beim VW-Skandal gesehen haben, ist es bei Fragen der Nachhaltigkeit die schlechteste Option, sich durchmauscheln zu wollen. Transparenz ist das Gebot der Stunde. Häufig werden Regelungen aber durch die „kalte Küche“ eingeführt und kosten am Ende viel Geld und Nerven. Wir sehen es als unsere Aufgabe, Kooperationsbereitschaft zu signalisieren, aber auch deutlich aufzuzeigen, was nicht oder noch nicht machbar ist. Zudem unterstützen wir intensiv bei der Umsetzung und Implementierung von Standards. Was uns aber vor allem von anderen Verbänden unterscheidet, die sich mit Außenhandel beschäftigen, ist unsere stringente Fokussierung auf den Endverbraucher. Unser Bestreben beschränkt sich nicht darauf, Skandale zu verhindern. Wir wollen, dass Verbraucher unsere Mitglieder positiv wahrnehmen.

 

AVE-Präsident Matthias Händle. Anklicken zum Vergrößern. © AVE

AVE-Präsident Matthias Händle. Anklicken zum Vergrößern. © AVE

Zur Person
Dr. Matthias Händle (50) gehört seit 2006 dem Präsidium der Außenhandelsvereinigung
des Deutschen Einzelhandels (AVE) an; 2008 wurde er zu deren ­Präsidenten gewählt. Zudem zählt Händle seit 2009 zum Präsidium der Foreign Trade Associ­a­tion, heute Amfori.

 

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