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Orientalische Verführung

© Jalall D’or

Nüsse und getrocknete Früchte aus aller Welt verkaufen Dorothea Linnenbrink und Jalalledin Eshaghi auf dem Münsteraner Wochenmarkt. Mit ihrer Firma Jalall D’or sind sie zur lokalen Institution geworden. Text: Kapka Todorova

„Verführung aller Sinne“ lautet das Motto von Jalall D’or, einem im Jahr 2004 gegründeten Familienunternehmen, das in Münster fast jeder kennt. Den Wochenmarktstand besuchen jedoch nicht nur Liebhaber exotischer Nüsse und Trockenfrüchte. Denn es ist unter Studenten zur Tradition geworden, sich vor einer Prüfung einen Glücksklang abzuholen. Auch Fans der Dortmunder Borussen oder von Preußen Münster schwören vor wichtigen Spielen auf die Magie der iranischen Glocke.

Vor mittlerweile zwölf Jahren hat sich Jalalledin Eshaghi aus seiner persischen Heimat die beiden eigens angefertigten Glocken schicken lassen. Seither läuten sie jedes Mal, wenn jemand bei ihm einkauft – oder sich einfach nur ein wenig Glück wünscht. „Wir wollen nicht allein unsere Produkte verkaufen, sondern haben Freude daran, mit Menschen ins Gespräch zu kommen“, betont Dorothea Linnenbrink. Beiden gehe es darum, eine „Brücke zwischen den Kulturen“ zu schlagen.

So hat die Händlerfamilie zur internationalen Ausstellung „Skulptur Projekte 2017“, die seit 1977 im Abstand von zehn Jahren in Münster stattfindet, ihre Klangkörper als Installation angemeldet: als Glocken für Frieden und Glück. „Auf dem Marktplatz vor dem Münsteraner Rathaus stehen wir zweimal wöchentlich an einem bedeutungsvollen Ort: Hier wurde der Westfälische ­Frieden geschlossen – und hier verträgt sich westfälisches Urgestein mit Händlern aus dem Orient“, so die Unternehmerin.

Als sie begannen, war beiden klar, dass es nicht leicht werden würde, die konservativen Westfalen von den exotischen Früchten des Orients zu überzeugen. Trotzdem wagten sie es: Nachdem die Volksbank Münster der Familie einen Kredit gewährt hatte, gingen die wissenschaftliche Mitarbeiterin und der persische Ingenieur den Weg in die Selbstständigkeit des Handels. Getrocknete Physalis oder Kiwis kannten die Münsteraner nicht, aber mit viel Charme und Überzeugungskraft schafften es die beiden, eine treue Stammkundschaft aufzubauen. Die Frage „Haben Sie heute schon gemandelt?“ ist heute in der Stadt fast schon ein geflügeltes Wort. Die Zimtmandeln von Jalall D’or sind mittlerweile auch außerhalb Westfalens berühmt.

Vor sieben Jahren nämlich wagte die Familie den Sprung ins Internet und schlug so die Brücke hinaus in die Welt. „Unser Online-Umsatz übersteigt in diesem Jahr voraussichtlich den auf dem Markt erzielten Umsatz. Im kommenden Jahr planen wir, Personal einzustellen“, sagt Dorothea Linnenbrink erfreut. Das Risiko, in die Selbstständigkeit des Handels zu wechseln, hat sich also gelohnt, das Familienunternehmen läuft gut: „Bis jetzt hat es geklappt. Wir können von unserem Geschäft gut leben und auch für die Zukunft bin ich zuversichtlich.“ Dem Glücksklang sei Dank.

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