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Offen gesagt

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Erfolg verkauft sich leicht. Doch manchmal müssen Chefs den Mitarbeitern Kritik oder dramatische Veränderungen kommunizieren: eine schwierige, aber lösbare Aufgabe.
Text: Ruth Lemmer

Der Mietvertrag für die Boutique läuft zum Jahresende aus, bei der neuen Ladenmiete muss die Inhaberin passen und zieht mit ihren Kleidern und Accessoires in die Nachbarstadt. Doch: Wie soll sie den treuen Mitarbeiterinnen sagen, dass sie künftig 50 Kilometer weit zur Arbeit fahren müssen? Die Einzelhandelskette lässt die Controller ran, die Folgen: Die Gehaltsrunde fällt aus, das Weihnachtsgeld wird gekürzt. In beiden Fällen informieren die Chefs erst am letztmöglichen Tag. Wie viele Vorgesetzte drücken sie sich davor, unangenehme Fakten auszusprechen – und das aus unterschiedlichsten Gründen. Die einen meiden den Konflikt, weil sie gemocht werden wollen; andere erwarten, dass die Mitarbeiter selbst merken, was los ist. Doch bei Führungskräften ist Schweigen in ernsten Fällen kein Gold, sondern ein Motivationskiller.

Dinge beim Namen zu nennen, das ist im Arbeitsteam wie in der Familie eine Frage der Streitkultur. Die groben Klötze, die anonym in den sozialen Medien geschnitzt werden, bringen im persönlichen Umgang nichts als Groll. Schlechte Nachrichten per E-Mail zu verbreiten, kratzt zu Recht am Image eines Vorgesetzten. Gemeinsam an einem Strang zu ziehen, also viele Kunden und gute Gewinne zu erreichen, gelingt, wenn Fehler respektvoll und offen angesprochen werden. Im Idealfall gepaart mit einer sachgerechten Lösung.

Doch Vorsicht: Unbequeme Wahrheiten in der Dauerschleife nutzen sich ab. Nur wirklich Wichtiges gehört auf den Besprechungstisch. Manchmal hilft es, einfach mal wegzuschauen. Die entscheidende Frage lautet: Wie viel Gewinn kostet es, ärgerliches Verhalten zu tolerieren? Beim schnellen Game auf dem Handy werden ein paar Minuten Arbeitszeit vergeudet. Doch wenn die Mitarbeiter danach umso kräftiger und lustvoller zupacken, rechnet sich das Hinnehmen der Minipause.

 

 

Peter Holzer, Berater und Buchautor. Anklicken zum Vergrößern. © Teresa Rothwangl

Peter Holzer, Berater und Buchautor. Anklicken zum Vergrößern. © Teresa Rothwangl

 

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Warum drücken sich Chefs davor, heikle Themen anzusprechen?
Es gibt zwei Extreme: die Choleriker und die Drückeberger. Choleriker machen zwar den Mund auf, doch der Stil ist nicht hilfreich. Wer stattdessen heiklen Botschaften ausweicht, hat wirklich ein Problem. Denn es gehört zur Aufgabe jeder Führungskraft, Klartext zu reden. Ich erlebe jedoch in vielen Unternehmen einen Gemocht-werden-wollen-Virus. Mitarbeiter und zunehmend auch Vorgesetzte scheuen den Konflikt. Die Gründe sind meistens vielfältig und lassen sich gut unter einer Überschrift zusammenfassen: Angst.

Wie kann man sich vorbereiten?
Erstens hilft es, sich klarzumachen, dass es um die Sache geht und nicht um den Menschen. Die heikle Botschaft ist notwendig, um eine Person oder ein ganzes Team besser zu machen. Zweitens sollten Sie sich inhaltlich gut vorbereiten: Ist das Problem greifbar beschrieben? Sind die Ursachen wirklich klar? Was genau wollen Sie sagen? Achten Sie auch auf die Art und Weise, wie Sie wirken: Wollen Sie souverän, cholerisch oder ängstlich rüberkommen? Die meisten konzentrieren sich nur auf das Was (Inhalt) und vernachlässigen das Wie (Wirkung).

Wie bringe ich schlechte Nachrichten gut rüber?
Bei starken Persönlichkeiten halten Sie Blickkontakt. Zurückhaltende Menschen fühlen sich dagegen von so viel Direktheit persönlich angegriffen. Wenn Sie hier die Botschaft visualisieren, versachlicht das die Diskussion. Und: Kommen Sie schnell zur Sache. Halten Sie die Botschaften kurz und prägnant. Leiten Sie dann vom Problem zügig in den Lösungsmodus über. Schließlich wollen Sie keine Schuldzuweisungen verteilen, sondern ein positives Ergebnis in der Sache erzielen.

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