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Der deutsche Schuhmarkt erholt sich.

Gleichzeitig setzen sich die Strukturveränderungen fort. Der Markt für Schuhe in Deutschland tendiert wieder postiv”, heißt es in dem von der IBH Retail Consultants GmbH in Köln herausgegebenen „Branchenfokus Schuhe 2010″.

Das Marktvolumen erreichte der Untersuchung zufolge im vorletzten Jahr 8,37 Mrd. Euro, 2008 waren es 8,30 Mrd. Euro. 2010 hat sich das Wachstum nach ersten vorliegenden Zahlen sogar deutlich beschleunigt. Nach Angaben von Branchenfokus-Autor Hansjürgen Heinick stieg das Marktvolumen im vergangenen Jahr um 8,9 Prozent auf 9,1 Mrd. Euro. Will man dem Thema Schuhe auf den Grund gehen, muss man auf der Herstellerebene beginnen. Das macht der Branchenfokus und kommt zu dem Ergebnis, dass die Inlandsfertigung von Schuhen nach wie vor abnimmt. Die Importe übersteigen inzwischen die inländische Produktion um etwa das Siebenfache. Die Zahl der deutschen Hersteller sinkt seit Jahren kontinuierlich.

Aus dem Markt ausscheiden müssen in erster Linie die kleineren Unternehmen.  Der Blick in die Statistik zeigt aber ebenso die durchaus stabile Position der großen Hersteller. „Als widerstandsfähig erweisen sich insbesondere die Top-Unternehmen der Branche”, stellt Heinick in seiner Untersuchung fest. Wechselt man auf die Endverbraucherebene zeigt sich, dass der Schuhmarkt bei leichten Marktschwankungen eine zunehmende Stabilität aufweist. Im Rückblick auf die vergangenen zehn Jahre hat der Schuhmarkt allerdings verhältnismäßig deutlich an Umsatz verloren, entnimmt man den umfangreichen Zahlen und Statistiken im Branchenfokus.

Von 9,45 Mrd. Euro im Jahr 2000 schrumpfte der Umsatz innerhalb von vier Jahren um mehr als 1,2 Mrd. Euro auf nur noch 8,24 Mrd. Euro. Heinick erklärt diese Entwicklung so: „Eine insgesamt rückläufige Nachfrage und zunehmend preiswerte Importe sind hier zusammengefallen und haben den Rückgang beschleunigt. Bei anhaltendem Preisdruck aufgrund zunehmender Importe konnte auch die anschließend anziehende Nachfrage die Verluste bei weitem nicht mehr kompensieren. Dennoch scheint die Talsohle auf mittelfristige Sicht durchschritten und eine Marktkonsolidierung im Hinblick auf das Ausgabenniveau erreicht. Auf insgesamt niedrigem Niveau zeichnen sich seit 2004 positive Tendenzen ab.”

Rein rechnerisch gab jeder Bundesbürger 2010 pro Kopf 111,79 Euro für Schuhe aus. Der Durchschnittspreis für ein Paar betrug über alle Schuharten hinweg 23,81 Euro. Während die Absatzmengen in den unteren Preissegmenten deutlich zulegen, sind sie in den wertigen Segmenten der Lederschuhe hingegen rückläufig, erfährt man im Branchenfokus. Vor allem im wertigen Bereich wird wieder mit Vorliebe teuer gekauft. Preis-Leistung mit einem ausgeprägten Augenmerk auf Qualität sind hier vorrangige Kriterien. Was den Vertrieb betrifft, stellt die Branchenuntersuchung fest, dass er nach wie vor vom Schuhfachhandel bestimmt wird.

Doch der Charakter des Schuhfachhandels ändert sich mit zunehmender Geschwindigkeit, so die Beobachtung. Die Filialsysteme wachsen bis auf wenige Ausnahmen weiter. Hinzu kommt eine steigende Zahl der zumindest im Marktauftritt filialsystem-ähnlichen Monolabelstores. Der einzelbetriebliche Fachhandel leidet unter Marktverdrängung oder geht in Partner- bzw. Franchisestores von Herstellern oder Händlern auf. Innerhalb des Zweitmarktes — das sind vor allem Warenhäuser und der Versandhandel — prosperiert insbesondere der Bekleidungsfachhandel als Absatzstätte für Schuhe.


„Schuhe rücken immer näher an die textile Mode, an das komplette Outfit heran”, nennt Autor Hansjürgen Heinick den Hauptgrund für diesen Trend (s. Interview). Dass die Filialisten aktuell zu den Gewinnern zählen, liegt laut Branchenfokus daran, dass sie ihre Chancen erkannt und umgesetzt haben: „Sie spielen ihre Vorteile auf den Beschaffungsmärkten aus, können so bessere Margen generieren und den Kunden immer noch Preisvorteile bieten. Gleichzeitig nutzen sie ihre Marktbedeutung als Händlermarke und überzeugen und binden die Kunden mit Eigenmarken und preisattraktiven Herstellermarken. Dabei schärfen sie ihr Profil zur Unverwechselbarkeit.

Die Monolabelstores ersetzen vor allem kleinere Fachhändler.” Ihr Umsatz wird derzeit auf rund 350 Mio. Euro geschätzt.
Auf etwa das gleiche Volumen kommt den Angaben zufolge der Bekleidungshandel. Schrittmacher sind hier vertikale Händlermarken wie H&M und C&A sowie die großen Fashionlabels in Monolabelstores und auf Markenflächen im Bekleidungshandel. Der Onlinehandel gewinnt ebenfalls kontinuierlich an Bedeutung. Schon jetzt hat er einen Anteil von 7 Prozent am Gesamtumsatz erreicht — mit weiter steigender Tendenz. Über die zukünftige Entwicklung gibt der Branchenfokus 2010 ebenfalls Auskunft.

„Der Schuhmarkt erreicht unter den gegebenen Wachstumserwartungen im Prognosezeitraum bis 2014 ein Marktvolumen in Höhe von 8,884 Mio. Euro”, schreibt Hansjürgen Heinick darin. Das entspräche einem Plus von insgesamt mehr als 500 Mio. Euro gegenüber 2009. Nach dem unerwartet starken Wachstum im vergangenen Jahr muss man diesen Betrag nun wahrscheinlich nach oben korrigieren. Nicht alle werden daran teilhaben — auch daran lässt die Untersuchung keinen Zweifel: „Umsatzgewinne erfolgreicher Unternehmen bedeuten Umsatzverluste der übrigen Unternehmen. Gewinner sind die Filialisten, Verlierer die einzelbetrieblichen Fachhändler.

Die Filialisten profitieren von ihrer expansiven Unternehmensstrategie, der Eröffnung neuer Filialstandorte, der Übernahme bestehender Unternehmen bzw. der Investition in bestehende Standorte. Starke Impulse kommen zusätzlich von den Monolabel- und Partnerstores der Hersteller. Nicht zu vergessen sind die Online-Aktivitäten der Händlermarken, welche zusätzlich die Marktanteile der Filialisten sichern helfen.” Und die Fachhändler? Branchenfachmann Heinick verbreitet Zuversicht: „Viele finden eine neue Heimat unter dem Dach einer Herstellermarke oder eines Filialisten. Mit einem guten Standort und einem guten Markenmix hat man aber sicher auch so noch gute Chancen.” (pivo)

{tab=Zitat}
“Positive Tendenzen abzusehen.”

“Schuhwerk rückt nah ans Outfit.”
{/tabs}

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