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Wachstum in Serie

© Thorsten Futh

Josef Sanktjohanser, HDE-Präsident

Die Branche steigert ihre Umsätze 2017 zum achten Mal in Folge. Auf der Jahrespresse­konferenz zeigt sich der HDE auch für 2018 ­optimistisch. Doch nicht alle Händler können von der guten Konsumstimmung profitieren. Text: Ralf Kalscheur

Es sind rosige Zeiten für den Einzelhandel: Die Konjunktur brummt, die Konsumstimmung ist auf einem hohen Niveau. Zum achten Mal in Folge konnte die Branche im vergangenen Jahr ihren Umsatz steigern, um nominal 4,1 Prozent gegenüber 2016. Auch die Bilanz des um zwei Verkaufstage verkürzten Weihnachtsgeschäfts (November und Dezember 2017) fällt positiv aus: plus 2,7 Prozent. Für das laufende Jahr rechnet der Handelsverband Deutschland (HDE) mit zwei Prozent Wachstum auf dann insgesamt 523,1 Milliarden Euro. Die konservative Prognose für 2018 reflektiert die Erwartung, dass nicht alle Einzelhändler vom Aufschwung profitieren können.

„Die Schere zwischen Groß und Klein geht immer weiter auseinander“, sagt HDE-Präsident Josef Sanktjohanser auf der Jahrespressekonferenz des Handels in Berlin. Konzerne und Filialisten blicken optimistisch in die Zukunft, während viele kleinere Unternehmen ums Überleben kämpfen. Ihnen fehlen die Mittel, um sich im internationalen Wettbewerb mit dem Onlinehandel behaupten zu können. In ländlichen Regionen scheitert die Digitalisierung häufig schon an einer wesentlichen Grundvoraussetzung: Es gibt dort kein schnelles Internet. „Der Mittelstand ist in Gefahr, den Anschluss zu verlieren, was insbesondere in einem konsumfreundlichen Umfeld ein alarmierendes Zeichen ist“, betont Sanktjohanser.

Treiber der Branche bleibt der E-Commerce, der für rund die Hälfte des Wachstums insgesamt steht. 2017 stieg der Umsatz im Onlinehandel um zehn Prozent, und er wird laut HDE-Prognose auch 2018 um rund zehn Prozent auf dann 53,4 Milliarden Euro zulegen. Dynamisch entwickeln sich hier insbesondere die Segmente Fast Moving Consumer Goods (FMCG) sowie Heimwerken und Garten. Währenddessen erzielt der stationäre Handel 2018 im Vergleich zum Vorjahr voraussichtlich lediglich ein Plus von 1,2 Prozent.

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„Wir erleben die Komplettüberholung der Handelswelt“, sagt HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. „Das Ranking bei Amazon ist für Einzelhändler mittlerweile fast so wichtig wie das bei Google.“ Rund die Hälfte der deutschen Onlineshopper nutzt die Plattform auch als Suchmaschine für Produkte und für Preisvergleiche. Der US-Riese dominiert den hiesigen Onlinehandel mit einem Marktanteil von rund 40 Prozent und liegt auch bei der wichtigsten Zukunftstechnologie – dem Einkauf mittels smarter Sprachassistenten – weit vorn.

Datensouveränität statt Überregulierung
Der hiesige Handel reagiert und investiert in den Multichannel-Retail. Jeder dritte Händler in Deutschland nutzt auch bereits Beacon-Technologien, um Erlebniswerte auf der Fläche zu schaffen. Der direkte Kontakt zum Kunden am Point of Sale sowie die online gesammelten Daten in optimierten Shops helfen in der Analyse immer besser dabei, Kunden personalisierte Angebote zu machen. „Daten sind die wichtigste Währung“, so Genth. Gefragt seien daher nicht Datensparsamkeit und Überregulierung, die etwa in der mit hohen Anforderungen verbundenen E-Privacy-Verordnung zum Ausdruck kommen, sondern vielmehr die Datensouveränität des Kunden und die Geschäftsfreiheit zur Nutzung von Algorithmen. Genth: „Wir brauchen Rahmenbedingungen für den Handel in einer digitalen Welt.“

Mit Blick auf die Konkurrenz durch multinationale Onlineplattformen, die Mindestanforderungen an Steuergerechtigkeit, Nachhaltigkeit und Produktsicherheit vermissen lassen, fordert Sanktjohanser fairen Wettbewerb für alle Marktteilnehmer. „Wer hierzulande Waren verkauft, muss sich an die Regeln halten. Ansonsten sind einheimische Händler benachteiligt.“ Außerdem müssten die Unternehmen entlastet werden, etwa bei den hohen Energiekosten, um die notwendigen Investitionen in die Transformation leisten zu können.

Der HDE-Präsident hebt hervor, dass vor allem „eine Politik für attraktive Standorte“ entscheidend sei, um den stationären Handel nachhaltig zu stärken. Fahrverbote oder eine Blaue Plakette liefen der Vitalisierung der Innenstädte zuwider, die von der Erreichbarkeit durch Kunden und die Handelslogistik abhänge. Der Handel unterstützt darum bereits Tests mit geräuscharmer Nachtlogistik oder auch erdgasgetriebene Transportfahrzeuge.

Handel sorgt für mehr Arbeitsplätze
Der deutsche Einzelhandel sorgt aber nicht nur für attraktive Innenstädte, sondern auch für immer mehr Arbeitsplätze: Mit über drei Millionen Beschäftigten kann er seine gesellschaftliche Bedeutung 2017 sogar noch steigern. Im Vergleich zum Vorjahr wächst die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten um 32.290 Menschen. Gleichzeitig baut der Handel rund 12.000 Minijobs ab. Unter dem Strich steht damit ein Stellenzuwachs von über 20.000 neuen Arbeitsplätzen.JahresPK_Grafik_1

Angesichts der guten Beschäftigungssituation stehen die Handelsunternehmen in einem harten Wettbewerb um talentierten Nachwuchs. Attraktive Berufsbilder sind vonnöten. In diesem Jahr startet darum die Ausbildung zum Kaufmann/ zur Kauffrau im E-Commerce. Mit dem branchenübergreifend ersten neuen Ausbildungsberuf in Deutschland seit zehn Jahren stellt sich die Branche für die Zukunft auf.

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