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Smarte Algorithmen werden die Arbeitswelten im Handel massiv verändern. Das gilt für den Point of Sale ebenso wie für die Logistik. Erfolg winkt Unternehmen, die es schaffen, künstliche Intelligenz und menschliche Kompetenzen sinnvoll miteinander zu verschränken. Text: Volker Lange

Digitalisierung und Industrie 4.0  sind auch im Handel längst angekommen. Zeit für eine Bestandsaufnahme: Wie weit ist die Digitalisierung im Handel und in der Handelslogistik bereits fortgeschritten? Welche mobilen Applikationen haben sich in der Handelslogistik schon durchgesetzt? Mit welchen Innovationen kann die Branche demnächst rechnen und was ist in Zukunft zu erwarten? Und nicht zuletzt bewegt Industrie, Handel und Dienstleister die große Frage: Wie verändert sich die Logistik in der Online- und Offlinewelt?

Neue technologische Entwicklungen, digitalisierte Applikationen und leistungsstarke Software-Infrastrukturen erweitern logistische Anwendungsszenarien und verändern das Zusammenspiel zwischen Mensch, Maschine und Umgebung. Sie sorgen für neue Formen der Interaktion und haben das Potenzial, die gesamte Wertschöpfungskette zu beeinflussen. Stichwort automatisierter Handel: In ersten Projekten haben Roboter die Filiale oder das Handelslager erobert. So übernahm bei MediaSaturn schon Roboter „Paul“ die Kundenbetreuung in der Filiale; seine Schwester „Paula“ macht sich gerade für ihren Einsatz als digitaler Avatar bereit. Und auch im Fulfillment Center von Amazon stehen Roboter längst im Schichtplan. Der aktuelle Fachkräftemangel beschleunigt die Entwicklung intelligenter Roboter in der Intralogistik und am Point of Sale. Die künstlichen Kollegen können inzwischen auch komplexere und sich verändernde Abläufe bewältigen.

So setzt Logistikdienstleister Fiege in seinem E-Commerce-Lager in Ibbenbüren einen von Magazino entwickelten und gebauten, wahrnehmungsgesteuerten mobilen Roboter für die Ein- und Auslagerung von Paketen ein. Er identifiziert und lokalisiert einzelne Objekte im Regal, greift sie heraus und legt sie schließlich präzise an ihrem jeweiligen Bestimmungsort wieder ab. Dank einer entsprechenden Sensorik können Roboter und Mensch im Lager parallel arbeiten. Doch solche Systeme erfordern in puncto Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit spezifische, klar definierte Rahmenbedingungen.

Auch der Einsatz von smarten Brillen, Apps oder Tablets zur Unterstützung der Beschäftigten in handelslogistischen Prozessen – vom Lager bis in die Filiale – ist denkbar. Erste Anwendungen lassen auf das schlummernde Potenzial solcher Technologien schließen, etwa wenn der Einsatz von Augmented-Reality-Brillen bei Kommissionierungen im Lager einfachere und beschleunigte Abläufe ermöglicht, manuelle Verpackungsprozesse eine situative Unterstützung erfahren oder Out-of-Stock-Situationen in einer Filiale viel schneller erkannt werden.

Schon heute kommen in den Logistiklagern von DHL Datenbrillen zum Einsatz. Über eingeblendete Informationen erhalten die Kommissionierer schrittweise Arbeitsanweisungen. Wenngleich Datenbrillen sicher noch Optimierungspotenzial im Hinblick auf ihre Gestaltung und Leistungsfähigkeit aufweisen, ist ihre Verwendung in der Praxis nicht allein eine Frage der Technologie, sondern auch eine Frage des Wollens. Wie immer bei Innovationen geht es nicht ohne eine gewisse Bereitschaft zu „Trial and Error“.

Im wachsenden Onlinehandel hängt der Erfolg an der sprichwörtlichen „letzten Meile“: Es ist mehr denn je eine Frage der Logistik, ob die Zustellung den Erwartungen der Kunden entspricht, sowohl organisatorisch und zeitlich als auch im Hinblick auf die Kosten. Die Hoffnung der Branche ruht auf neuen Systemen: Ob Zustellroboter auf der letzten Meile oder Kofferraumzustellung, Verteilung über citynahe Mikrohubs, E-Bikes oder intelligente Paketfächer – an Versuchen mangelt es derzeit nicht. Während die urbane Logistik auf das autonome Fahren setzt, richtet sich in entlegenen Regionen der Blick eher zum Himmel. Denn dort ist, anders als in städtischen Räumen, der Einsatz von Paketdrohnen durchaus denkbar. Erste Versuche verliefen jedenfalls erfolgreich.

Von wachsender Bedeutung ist zweifellos die künstliche Intelligenz (KI). Denn mit dem kontinuierlich anschwellenden Datenvolumen eröffnen sich auch neue Wege der Erkenntnis und damit ungeahnte Optimierungsmöglichkeiten. So lassen sich über die Verbindung von Perceptive Sales und vernetzter Logistik, beispielsweise durch den Einsatz besserer Empfehlungssysteme im Onlinehandel, ein hoher Anteil der Retouren und damit in letzter Konsequenz Fehlbestellungen vermeiden.

Die positiven Effekte für die Unternehmensprozesse einschließlich der Kosten für die Logistik liegen auf der Hand. Abgesehen davon, kann auch der stationäre Handel von den Onlineprozessen lernen. So kann KI helfen, Laufwege zu optimieren sowie Abläufe dynamischer und situationsbezogener zu gestalten. Intelligente Displays können mithilfe der KI ein interaktives Infotainment bieten – in den Prozessen der Intralogistik ebenso wie bei der Kundenansprache am PoS. Schon heute steht fest, dass der Einsatz von künstlicher Intelligenz die Arbeitswelt insgesamt verändert. Erfolg versprechen solche Ansätze, die menschliche Fähigkeiten und künstliche Intelligenz optimal miteinander kombinieren.

Dr. Volker Lange, Leiter Verpackungs- und Handelslogistik, Auto-ID-Systeme, Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik, Dortmund. Anklicken zum Vergrößern. © privat

Dr. Volker Lange, Leiter Verpackungs- und Handelslogistik, Auto-ID-Systeme, Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik, Dortmund. Anklicken zum Vergrößern. © privat

 

TradeWorld 2018 im Rahmen der LogiMAT 2018  
Um innovative Konzepte für die Gestaltung, Steuerung und vernetzte Digitalisierung in den Bereichen Beschaffung, Onlineshop und ­Vermarktung, Payment, Intralogistik, Versand, Fulfillment, Retoure und Aftersales geht es vom 13. bis 15. März, jeweils von 9 bis 17 Uhr, auf der TradeWorld 2018 im Rahmen der weltweit größten Intralogistikmesse LogiMAT in Stuttgart. Darüber hinaus informiert die Veranstaltung über WWS-, ERP- und Logistik-IT-Systeme sowie Beratungsangebote im E-Commerce.
Dr. Volker Lange moderiert auf der TradeWorld am Donnerstag, 15. März 2018 von 10.00 bis 11.30 Uhr im Forum T der Halle 6 das Fachforum „Retail Logistics 4.0 – eine Bestandsaufnahme. Beispiele und Erfahrungen für eine digitale Handelslogistik“.
Weitere Informationen zur Messe finden Sie hier.

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Verbraucher erwarten heute, immer schneller und reibungsloser im Netz einkaufen zu können. Laut einer globalen Studie glauben 89 Prozent der Befragten, dass der E-Commerce die Notwendigkeit schnellerer Lieferung vorantreibt. 78 Prozent der Logistikunternehmen planen, bis 2023 eine Lieferung am selben Tag anzubieten. Drohnen, autonome Fahrzeuge und Crowdsourcing-Lieferungen werden die Logistik der Zukunft prägen. mehr...

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