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“Smart, vernetzt und komfortabel”

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Gute Zeiten für die Konsum- und Heimelektronikbranche: Der Gesamtmarkt wuchs im ersten Halbjahr 2017 um 2,2 Prozent. Willy Fischel, Geschäftsführer des Handelsverbands Technik (BVT), über die Trends im Weihnachtsgeschäft und eine bürokratische Umsatzbremse. Interview: Ralf Kalscheur

Virtual Reality (VR) ist noch alles andere als ein Massenphänomen. Laut einer neuen Deloitte-Studie verwendeten im Jahr 2016 zwei Prozent der weltweiten Konsumenten Datenbrillen, in diesem Jahr waren es unter den 53.000 Befragten gerade einmal drei Prozent. Ist die Welt noch nicht bereit für VR?
Wir befinden uns in einer frühen Phase der Entwicklung, stehen aber an der Schwelle zum Massenmarkt. Im Moment konzentrieren sich die Virtual-Reality-Anwendungen auf den Gaming-Bereich. Man darf aber nicht vergessen, welches Potenzial in den vielfältigen Anwendungen von Augmented und Mixed Reality steckt. Hier steht auch Microsoft mit den gerade erst vorgestellten Produkten diverser Industriepartner in den Startlöchern. Das Thema ist interessant, hat aber im Tagesgeschäft noch keine Bedeutung.

Willy Fischel, Geschäftsführer des Handelsverband Technik. Anklicken zum Vergrößern. © BVT

Willy Fischel, Geschäftsführer des Handelsverband Technik. Anklicken zum Vergrößern. © BVT

Welche Rolle kann VR als Mittel der Inszenierung für den Handel spielen?
Die Einsatzgebiete sind vielfältig und viele Händler testen die Möglichkeiten. MediaMarktSaturn hat seit einiger Zeit die Küchenplanung mit virtueller beziehungsweise gemischter Realität im Angebot. Bei Juwelier Christ hat die erste Filiale intelligente Spiegel für die virtuelle Anprobe von Schmuck im Einsatz. Die Tourismuskonzerne arbeiten mit Hochdruck an virtuellen Hotelbegehungen, die dank 360-Grad-Kameras und VR-Brillen möglich sind. Die Einsatzgebiete liegen aber auch im professionellen Umfeld, beispielsweise werden beim IT-Systemhaus Bechtle Augmented-Reality-Brillen im Lager eingesetzt. Was alle Einsatzgebiete eint, ist, dass alle hierfür Hardware, Software, Breitbandverbindungen und Beratung brauchen. Hier kommt der Fachhandel ins Spiel. VR hat Potenzial – ist aber definitiv ein Zukunftsthema.

Intelligente Sprachassistenten gelten als der nächste große Schritt im Prozess der Digitalisierung. Vielen Verbrauchern scheint die Kommunikation mit der künstlichen Intelligenz jedoch nicht geheuer. Wie positioniert sich der Handel in diesem Spannungsfeld?
Die Vorbehalte gelten weniger der Sprachsteuerung als den Konzernen, die diese Entwicklung derzeit vorantreiben. Das Sammeln, Aufzeichnen und Auswerten der Daten ist für Konzerne wie Amazon, Google oder Microsoft wie digitales Goldschürfen – der Konsument hat aber im Zweifel etwas dagegen. Trotzdem verkauft sich die entsprechende Hardware sehr gut, was sicher auch mit der Kompatibilität zur bestehenden Geräteperipherie zusammenhängt. Auf der IFA in Berlin haben diesen Sommer sehr viele Hausgeräte- und Konsumelektronikhersteller Produkte vorgestellt, die sich mit Amazons Alexa oder Google Home verstehen.

Seit dem 1. Oktober gelten neue Vorschriften für Drohnenpiloten. Hemmt die Einführung des Drohnenführerscheins die Vermarktung der beliebten unbemannten Fluggeräte?
Wir können bislang keine Veränderung im Kaufverhalten beobachten.

Welche Rolle spielen vernetzte Systeme vom Smart Home bis zum Connected Car für den Technikhandel?
Das Geschäft mit dem smarten und vernetzten Heim findet längst statt, genauso wie die mobile Vernetzung. Die Medien zeichnen beim Thema Smart Home gerne das Bild vom selbstordernden Kühlschrank, aber darum geht es nicht. Sicherheit, Komfort oder auch ein selbstbestimmtes Leben im Alter sind schlagende Argumente für vernetzte Technologien, die immer besser greifen. Hier müssen aber noch Brücken zwischen Konsumenten und Anbietern gebaut werden. Die Standards müssen stimmen. Hard- und Software müssen einfach funktionieren und die Sicherheit bleibt ein großes Thema.

Die EU hat sich auf eine einheitliche Energieverbrauchskennzeichnung für Elektrogeräte geeinigt. Welche Herausforderungen sind mit dem geplanten flächendeckenden Neulabeling für den Handel verbunden?
Der Handel erstickt in Bürokratie – das Energielabel ist das beste Beispiel hierfür. Die neue Bundesregierung ist gut beraten, den oft versprochenen, aber nie realisierten Bürokratieabbau endlich umzusetzen. Es kann nicht sein, dass wir als Händler manntageweise Geräte umetikettieren müssen und dabei noch nicht einmal ein Plus an objektiver Verbraucherinformation entsteht. Wer Europaverdrossenheit erzeugen will, schafft das genau so.

Die IFA gilt als Gradmesser für die gesamte Konsum- und Heimelektronikbranche. Mit zwei Monaten Abstand zum vergangenen Event: Welche Trends werden den Markt nachhaltig treiben?
Die IFA ist für uns Plattform für Geschäfte und der Startschuss für die Saison. Hier werden die Weichen für das Weihnachtsgeschäft gestellt. Und das ist in diesem Jahr smart, vernetzt und komfortabel. Das gilt für großformatige Fernseher mit brillanten Bildern ebenso wie für Haushaltsgroßgeräte.

Wie haben sich die Technikumsätze, online und offline, im laufenden Jahr bislang entwickelt?
Der Gesamtmarkt für Home Electronics ist im ersten Halbjahr um 2,2 Prozent gewachsen. Der Marktanteil der Pure Player liegt seit Jahren konstant bei rund 17 Prozent, der Online-Umsatz der stationären Händler wächst kontinuierlich auf mittlerweile zwölf Prozent.

Das Vorweihnachtsgeschäft steht vor der Tür. Welche technischen Spielereien haben das Zeug, in diesem Jahr die Kinderzimmer zu erobern, und was erwarten Sie vom bevorstehenden Saisongeschäft?
Das „Vorweihnachtsgeschäft“ ist eine schwierige Vokabel. Tatsache ist, dass der Handel auf ein gutes Weihnachtsgeschäft setzt, das sich aber in aller Regel auf die letzten Tage zum Jahresendspurt konzentriert. Andererseits ist die Ware attraktiv. Die Innovationsfülle war noch nie so groß und die Geschwindigkeit der Weiterentwicklung noch nie so hoch. Hunderte IFA-Innovationen aus Konsum- und Heimelektronik buhlen in diesem Jahr um die Plätze unterm Weihnachtsbaum. Wir versuchen als Handelsverband Technik, hier mit den „Top 10 Technik“ eine Orientierungshilfe zu geben. Handhabbarkeit und Design, Vernetzung und Qualität stehen weiterhin im Fokus. Kochleidenschaft, Gesundheitsbewusstsein sowie das Streben nach Wohlbefinden und Komfort der Konsumenten kommen uns sehr entgegen. Wir erwarten sowohl bei Consumer Electronics als auch bei Elektrogroß- und -kleingeräten weiter steigende Umsätze.

Stationär wird immer noch das meiste Geld erwirtschaftet. Investiert Ihre technikaffine Branche genug in den E-Commerce, um Pure Player in Schach zu halten?
Diese Diskussion ist von gestern. Die höchsten Zuwachsraten erzielen derzeit die Multichannel-Anbieter, die es schaffen, das Beste aus zwei Welten zu kombinieren. Der Kunde sucht natürlich immer einen guten Preis, aber auch die Sicherheit eines lokalen Ansprechpartners. Die hohen Anteile von Click-and-Collect-Bestellungen, also der Onlinekauf mit Abholung im Geschäft, sind ein Beleg hierfür. Der Kunde hat bereits entschieden: Er will beides. Und wir geben ihm, was er will. Am Ende zählt nicht der Umsatz, sondern der Gewinn. Wer nicht mit Risikokapital spielen kann und Geld verdienen muss, ist gut beraten – ob stationär oder online – , die Rendite nicht zu vergessen.

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