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Profitabel wegwerfen

© Binee

Das Leipziger Start-up Binee belohnt Kunden mit Coupons für die fachgerechte Entsorgung von Elektroschrott. Gründer Martin Jähnert will seine innovativen Sammelboxen bundesweit im Einzelhandel platzieren. Text: Ralf Kalscheur

Elektrogeräte gehören nicht in den Hausmüll. Zu wertvoll sind die bei der Herstellung verarbeiteten Rohstoffe und zu umweltschädlich ist ihre achtlose Vermengung mit Restmüll. Das Leipziger Start-up Binee ist auf die Idee gekommen, Verbraucher für die fachgerechte Entsorgung ihres Elektroschrotts zu belohnen.

Binee ist eine Sammelbox, die in Supermärkten, Shoppingcentern oder anderen hoch frequentierten Standorten aufgestellt wird. Wer dort elektrische Kleingeräte, wie etwa Handys, einwirft, darf sich auf dem integrierten Touchscreen einen von bis zu sechs zur Wahl stehenden Gutscheinen für Rabattaktionen aussuchen. „Die Angebote können von Werbepartnern oder vom Aufsteller selbst gestaltet werden“, erklärt Gründer Martin Jähnert (oben im Bild rechts). Um den gewünschten Coupon zu erhalten, hinterlässt der Kunde seine E-Mail-Adresse. Weiterer Clou mit Werbe- und Nachhaltigkeitswert: Per E-Mail kann der Verbraucher Nachricht erhalten, wann und wo sein Gerät via Binee dem Recyclingprozess zugeführt wurde.

Innovative Sammelbox: Belohnung für die fachgerechte Entsorgung. Anklicken zum Vergrößern. © Binee

Innovative Sammelbox: Belohnung für die fachgerechte Entsorgung. Anklicken zum Vergrößern. © Binee

„Wir wollen aus Müll ein positives Thema machen“, sagt Jähnert. Der 32-jährige Wirtschaftsingenieur und Design-Thinker betont, dass die E-Mail-Adressen nach der vorgesehenen Verwendung gelöscht und nicht etwa zu Werbezwecken weitergegeben werden. Im vergangenen Juni wurde das innovative Start-up von der gemeinsamen Standortinitiative der Bundesregierung und der deutschen Wirtschaft als einer von 100 „Ausgezeichneten Orten im Land der Ideen“ ausgezeichnet.

Bislang gibt es die Binee-Sammelbox an 20 Aufstellorten in Leipzig. Mit vier Mitarbeitern, der Unterstützung von Partnerunternehmen und Preisgeldern plant Jähnert, im Herbst in Berlin Fuß zu fassen. Erklärtes Ziel ist es, Binee deutschlandweit auszurollen. „Wenn wir im Markt als Marke und vertrauenswürdiger Entsorger wahrgenommen werden, trägt sich das werbefinanzierte System selbst“, ist Jähnert überzeugt. Händler profitierten von der gestärkten Kundenfrequenz und -bindung sowie von der umweltbewussten Imagepflege. Im Anfangsstadium kostet die Aufstellung des noch in geringen Stückzahlen produzierten Displays 500 Euro fix oder 50 Euro im Monat.

 

ElektroG2
Im Zuge der Novellierung des Gesetzes über Elektro- und Elektronikaltgeräte (ElektroG2) ist die Entsorgungsfrage auch eine des Fachhandels geworden. Seit dem 25. Juli 2016 müssen Stationär- und Distanzhändler mit einer Verkaufs- oder Lagerfläche von mindestens 400 Quadratmetern jedes ausrangierte Elektrogerät mit einer Kantenlänge von bis zu 25 Zentimetern unentgeltlich entgegennehmen. Für größere Geräte gilt diese Regelung nur dann, wenn der Kunde im Gegenzug ein neues, ähnlich großes Produkt erwirbt. Damit die Entsorgung lückenlos verfolgt werden kann, müssen sich Händler bei der Stiftung Elektro-Altgeräte-Register (EAR) registrieren und Nachweis über den fachgerechten Transport des Elektroschrotts in die Kreislaufwirtschaft (Sammelstelle oder zertifizierte Entsorger) führen. Unter bestimmten Voraussetzungen müssen Unternehmen dafür einen Abfallbeauftragten bestellen. Die komplexen Aufgaben, die mit der Gesetzesänderung einhergehen, bringen neue Geschäftsmodelle hervor. So organisieren etwa Dienstleister wie Weee Return (Weee-return.de) oder Take-e-way (take-e-way.de) die Sammlung und das Recycling der Altgeräte und übernehmen auch alle dabei anfallenden Verwaltungsaufgaben. Der Full Service ist nicht zuletzt ein Schutz vor Abmahnungen und Bußgeldern, die Händlern bei Verstößen gegen die neuen Verpflichtungen drohen.

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