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Licht aus, Spot an

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Einzelhändler verschwenden jeden Tag Geld, weil sie ineffizient mit Energie umgehen. Vor allem bei der Beleuchtung bestehen enorme Einsparpotenziale – die sich oft ohne hohe Investitionskosten realisieren lassen. Text: Eva Neuthinger

Jan Hülsbusch entschied sich vor wenigen Jahren dafür, sein Möbelhaus in Weinböhla, gelegen zwischen Dresden und Riesa, umfassend energetisch zu sanieren. Erst bekam das alte Gebäude eine neue Dachdämmung und eine Photovoltaikanlage, aus der seitdem rund 65 Prozent des Stroms gewonnen werden. Das reichte ihm noch nicht aus. Der Einzelhändler ersetzte auch die Beleuchtungstechnik, nicht zuletzt aus optischen Gründen. Es gab zu viele verschiedene Lichtfarben im Geschäft. Ziel war es, per energiesparender LED-Technik ein einheitliches Bild zu schaffen.

„Wir rüsteten jedes Jahr einen Raum um, so blieben die Kosten überschaubar“, sagt der Firmenchef. Insgesamt betrug die Investitionssumme allein für die Beleuchtung rund 40.000 Euro. Die Ersparnis von rund 16 Prozent des gesamten Stromverbrauchs rechnet sich allerdings innerhalb von wenigen Jahren. „Wir verkaufen Innenbeleuchtung, die wir mit Energieeffizienzlabels versehen. Also müssen wir bei der eigenen Verkaufsraumbeleuchtung mit gutem Beispiel vorangehen“, berichtet Hülsbusch.

So aktiv und weitblickend zeigen sich bei Weitem noch nicht alle Einzelhändler, obwohl eigentlich jeder einen guten Grund hat, sich energetisch zu verbessern – und sei es allein der Umwelt zuliebe. Der HDE hat deshalb die Initiative ergriffen und die Klimaschutzoffensive gestartet; ein Projekt, das Firmenchefs animieren will, alte Gebäude zu sanieren und die Verkaufsräume in puncto Energieeffizienz auf den aktuellen Stand zu bringen. Das liegt auf der Hand. Denn erfahrungsgemäß amortisieren sich energetische Maßnahmen innerhalb von wenigen Jahren. Die Energiekosten schlucken im Schnitt rund 1,3 bis 1,7 Prozent vom Nettojahresumsatz. Im Vergleich zur durchschnittlichen Gewinnmarge von 1,5 Prozent wird das Potenzial offensichtlich. „Das haben viele Einzelhändler so noch nicht realisiert. Wir erkennen besonders bei kleinen und mittleren Unternehmen Chancen, sich deutlich zu verbessern“, sagt Christina Höger, HDE-Expertin für die Klimaschutzoffensive. Dabei bedürfe es keiner hohen Investitionen, um gute Effekte zu erzielen. Zum anderen gebe es zahlreiche Förderungen, die eine Finanzierung zu nahezu optimalen Konditionen möglich machen.

Katrin Stengel weiß das. Sie investierte schon vor rund vier Jahren in eine neue Beleuchtung. In Leipzig führt sie ein Geschäft mit 65 Quadratmetern Fläche. Die Firma Mode Katan hat sich auf die Zielgruppe der über 30-Jährigen spezialisiert. Stengel ärgerte sich oft, dass Lampen im Geschäft häufig nicht funktionierten – verbunden mit Kosten und Arbeit, um sie auszutauschen. Sie erneuerte darum das gesamte Lichtkonzept, Halogenstrahler wurden durch LEDs ersetzt. „Das war weder kompliziert noch teuer“, erinnert sich die Firmenchefin. Insgesamt kostete sie das weniger als 475 Euro. Ihre monatlichen Stromkosten konnte sie von rund 90 Euro auf 40 Euro senken.

LED-Lampen entsprechen dem Stand der Technik. Sie verbrauchen wenig Energie. Gleichzeitig erzielen sie eine hohe Lichtausbeute, haben eine lange Lebensdauer und eröffnen viele Möglichkeiten, die Farbwiedergabe zu gestalten. Moderne Beleuchtungskonzepte integrieren darüber hinaus das Tageslicht. Sensoren erkennen, wie viel künstliches Licht zu welcher Stunde benötigt wird. Bewegungsmelder steuern die Beleuchtung in wenig frequentierten Bereichen, beispielsweise im Lager.

Energiefresser unter die Lupe nehmen
Solche Einsparmöglichkeiten erkennen professionelle Energieberater auf den ersten Blick. „Wir empfehlen immer, im ersten Schritt mit einem Experten durchs Geschäft zu gehen. Die Kosten sollten Einzelhändler nicht scheuen“, sagt Höger. Zumal der Bund das fördert. Firmen mit weniger als 10.000 Euro Energiekosten erhalten bis zu 1.200 Euro, bei noch höheren Kosten bis zu 8.000 Euro.

Der Check rechnet sich in der Regel, schon weil der Profi alle Energiefresser im Unternehmen unter die Lupe nimmt. So sehen die Experten der Sächsischen Energieagentur (Saena) analog zur Beleuchtung bei der Klimatisierung der Geschäfte große Chancen zum Sparen. „Jedes Grad Absenkung der Innenraumtemperatur führt zu einer Energieeinsparung von rund sechs Prozent“, so die Saena.

Im Handel haben sich dafür sogenannte Kühldeckensysteme, die verdeckt installiert sind, etabliert. Sie ziehen nach dem Prinzip der stillen Kühlung Wärme aus der Umgebungsluft ab. „Aufgrund des hohen Wirkungsgrades und der sehr niedrigen Folgekosten dieser Technik sind hohe energetische Einsparpotenziale zu erreichen. So amortisieren sich die höheren Installationskosten abhängig von der Branche schon nach wenigen Jahren“, sagt HDE-Expertin Höger.

Das ist nur eine kleine Auswahl möglicher Projekte, mit denen Einzelhändler ihren Verbrauch senken können. „Um einen Effekt zu erzielen, reicht es oft sogar schon aus, einmal selbst mit Verstand durchs Geschäft zu gehen und zu überlegen, wo Energie verschwendet wird“, sagt Höger. Nicht anders als zu Hause: Da achtet auch jeder darauf, dass Fenster bei laufender Heizung geschlossen sind, der Computer abends ausgeschaltet oder das Licht nach Verlassen des Raumes gelöscht wird.

Weitere Informationen zum Thema Energieeffizienz finden Sie hier:
hde-klimaschutzoffensive.de
deutschland-machts-effizient.de

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