Alle Informationen für den Handel

Agenda

Der digitale Azubi

© Fotolia/apinan

Im August kommenden Jahres geht der neue Ausbildungsberuf Kaufmann/Kauffrau im E-Commerce an den Start. Initiator und wesentlicher Treiber seiner Einführung war der HDE. Die entscheidenden Fakten im Überblick. Text: Katharina Weinert, HDE-Abteilungsleiterin Bildungspolitik und Berufsbildung

Der Onlinehandel ist ein dynamischer Wachstumstreiber; rund die Hälfte des Umsatzwachstums im Einzelhandel entfällt ausschließlich auf ihn. Durch E-Commerce entstehen zudem neue Tätigkeitsfelder, neue wertschöpfungsstufenüberschreitende Prozesse und Geschäftsmodelle mit eigenen Arbeitsweisen und Vorgängen.

Für diese sind eigene, umfassende Ausbildungsinhalte notwendig. Bisher wurden vorwiegend Hochschulabgänger und Quereinsteiger im Onlinehandel eingesetzt. Für die Zukunft reicht das nicht. Die Händler wünschen sich einen Beruf, in dem der Nachwuchs systematischer und qualifizierter auf eine Karriere im Onlinehandel vorbereitet wird.

Aus diesem Grund legte der HDE im Mai 2015 ein Konzept vor, das für die Gestaltung des neuen Ausbildungs- und Fortbildungsberufs die Grundlage bildet. In der Folge führte der HDE Gespräche mit anderen interessierten Branchen sowie Gewerkschaften. Im Mai 2016 stellten die Sozialpartner sodann einen Antrag beim zuständigen Bundeswirtschaftsministerium. Und so erfolgte im November 2016 der Startschuss für die Sachverständigenverfahren des Bundes sowie der Länder.

Die Dauer der Sachverständigenverfahren zur Schaffung dieses neuen Berufsbilds war ungewöhnlich kurz. Die Ausbildungsverordnung, der Ausbildungsrahmenplan sowie der Rahmenlehrplan für „den Kaufmann/die Kauffrau im E-Commerce“ wurden durch  Sachverständige des Bundes und der Länder Ende Juli 2017 vollständig ausgearbeitet. Ab August schließen sich vorgeschriebene Abstimmungsprozesse unter anderem in diversen Gremien und zwischen den zuständigen Bundesministerien an. Die Verordnung wird zum 1. August 2018 in Kraft treten.

Hier die Antworten auf die acht wichtigsten Fragen zum neuen Ausbildungsberuf „Kaufmann/Kauffrau im E-Commerce“:

1. Was sind die Ausbildungsinhalte?
Die Schwerpunkte der Ausbildung liegen auf der Auswahl und dem Einsetzen von Onlinevertriebskanälen (Onlineshop), der Bewirtschaftung des Onlineshops, dem dazugehörigen Onlinemarketing und dem Erlernen der kaufmännischen Steuerung und Kontrolle.

2. Wie lange dauert die Ausbildung?
Da ab Sommer 2018 in dem Ausbildungsberuf ausgebildet werden darf, bewerben einige Unternehmen bereits jetzt ihre Ausbildungsplätze. Die grundsätzliche Ausbildungsdauer im Ausbildungsberuf „Kaufmann/Kauffrau im E-Commerce“ beträgt drei Jahre. Die Ausbildung erfolgt im dualen System, also im ausbildenden Unternehmen und in der Berufsschule.

3. Wer bildet aus?
Der neue Beruf „Kaufmann/Kauffrau im E-Commerce“ wird schwerpunktmäßig im Handel (Einzel- wie auch Großhandel) ausgebildet werden. In Betracht kommen Handelsunternehmen, die bereits im Onlinehandel tätig sind. Hierzu zählen sowohl die reinen Onlinehändler als auch die Multichannel-Händler. Neben dem Handel kommen auch andere Branchen wie touristische Unternehmen, Dienstleistungsanbieter oder Industriebetriebe, die ihre Angebote online vertreiben, als ausbildende Unternehmen infrage. Ebenso benötigen Handelsunternehmen, die bisher keine dezidierte E-Commerce-Strategie verfolgen, künftig Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die intern die Voraussetzungen schaffen, um am vernetzten Handel teilnehmen zu können. Solche Unternehmen bieten Kaufleuten im E-Commerce eine weitere Beschäftigungsmöglichkeit nach der Ausbildung.

4. Welcher Voraussetzungen  bedarf es seitens der Unternehmen?
Ein ausbildendes Unternehmen muss in Art und Einrichtung geeignet sein. Das bedeutet, dass zum einen geeignete und entsprechend ausgestattete Büroräumlichkeiten und organisatorische Voraussetzungen erfüllt sein müssen. Außerdem muss ein Unternehmen Ausbildungspersonal zur Verfügung stellen, das sowohl über erforderliche fachliche als auch persönliche Kompetenzen verfügt. Um Ausbilder zu werden, müssen die jeweils erforderlichen beruflichen Kenntnisse und Fertigkeiten vorhanden sein.

5. Wo wird ausgebildet?
Der neue Beruf wird bundesweit angeboten werden. Es dürfte jedoch insbesondere in den ersten beiden Ausbildungsjahren gewisse regionale Konzentrationen geben, da ein nicht unbeträchtlicher Teil der größeren E-Commerce-Unternehmen in den Großräumen um Berlin, Hamburg, Nürnberg, Karlsruhe, Leipzig, Köln, Essen, Hannover, Frankfurt, Stuttgart und Düsseldorf angesiedelt ist. Die Beschulungsstandorte werden in den kommenden Monaten von den zuständigen Ministerien in den Ländern festgelegt. Um den Ministerien bei der Standortzuweisung der Berufsschulen mehr Sicherheit zu geben, kann ein Ausbildungsinteresse bei dem Handelsverband oder bei der IHK vor Ort bekundet werden.

6. Was müssen Azubis mitbringen?
Geeignet ist der/die „Kaufmann/Kauffrau im E-Commerce“ für Absolventen aller Schulformen. Wichtig zum Erlernen der kaufmännischen Grundlagen, wie auch bei den anderen Einzelhandelsberufen, sind gute Noten in Mathematik und Deutsch, aber auch Englisch wird eine große Rolle in der Ausbildung spielen. So muss ein Auszubildender die Bereitschaft mitbringen, sich berufsbezogenes Fachenglisch anzueignen. Eine Begeisterungsfähigkeit für Online- und E-Commerce-Trends sowie technische Innovationen ist vorteilhaft. Ebenso muss das Bewusstsein vorhanden sein, dass der Hauptausbildungsplatz vor dem Computer in Büroräumlichkeiten ist.

7. Wie erfolgt die Abschlussprüfung?
Vorgesehen ist, dass die Kaufleute im E-Commerce eine gestreckte Abschlussprüfung absolvieren. Demnach wird es bereits nach circa 18 Monaten der Ausbildung einen „Teil 1 der Abschlussprüfung“ geben, bei dem Ausbildungsinhalte der ersten 15 Monate abschließend geprüft werden. Dieses Ergebnis wird prozentual gewichtet und zum Ergebnis aus „Teil 2 der Abschlussprüfung“, der ebenfalls prozentual gewichtet wird, hinzuaddiert.

8. Gibt es eine spezielle Weiterbildung für die Kaufleute im E-Commerce?
Der HDE hat in seinem vorgelegten Konzept bereits einen Fortbildungsberuf vorgesehen, der an einen erfolgreichen Ausbildungsabschluss zum „Kaufmann/zur Kauffrau im E-Commerce“ anschließen kann. Zu den bundesweit einheitlichen und anerkannten Fortbildungen wird also der neue Fortbildungsberuf „Fachwirt/Fachwirtin im E-Commerce“ hinzukommen. So würde auch den bereits im Onlinehandel Beschäftigten eine passgenaue Fortbildungsmöglichkeit geboten.

 

Kaufmann/Kauffrau im E-Commerce
Ausbildungsdauer: drei Jahre
Beginn: 1. August 2018
Zugangsqualifikation: Abschlüsse aller Schulformen
Fortbildung: Fachwirt/in im E-Commerce (in Planung)

Weiterführende Fragen beantwortet HDE-Expertin Katharina Weinert unter: Telefon 030 726250-47 oder per E-Mail unter weinert@hde.de
Online-Informationen unter:
einzelhandel.de/ecommercekaufmann

Lesen Sie weiter


Agenda

Handel freut sich auf Weihnachten

Der Einzelhandel rechnet mit einer Umsatzsteigerung von drei Prozent auf 94,5 Milliarden Euro im Vergleich zum Weihnachtsgeschäft des Vorjahres. Das entspricht der positiven Entwicklung im Gesamtjahr 2017. Viele kleine und mittelständische Unternehmen sind dennoch pessimistisch. mehr...

Wir freuen uns über Diskussionen und Ihre Kommentare.
Wie in jeder Gemeinschaft ist es notwendig, dass sich alle Teilnehmer an die Netiquette halten. Durch Ihre Kommentare sollen interessante, gewinnbringende Debatten entstehen, an denen sich andere Nutzer gerne beteiligen. Beleidigungen und Schmähreden sind deshalb ebenso tabu wie Diskriminierungen und die unerlaubte Veröffentlichung persönlicher Daten. Bitte verstecken Sie sich auch nicht hinter Pseudonymen, sondern benutzen Sie Klarnamen.

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>