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Day one forever

© ChadPerez49/CC BY-SA 4.0

Auch wenn es noch zu früh für einen Jahresrückblick ist, steht die Topmeldung 2017 im Einzelhandel schon fest: Amazon übernimmt Whole Foods. Text: Ian McGarrigle

13,7 Milliarden Dollar – das klingt nach einem  recht gepfefferten Preis für gerade mal 466 Läden in der härtesten Handelsbranche der Welt: Lebensmittel. Trotzdem rauschten schon nach Bekanntwerden des Übernahmeinteresses die Aktien der Lebensmittelkonzerne in den Keller. Die Investoren zeigen sich angesichts der möglichen Konsequenzen für die Branche überaus nervös.

Doch welche Konsequenzen sind mit dieser Übernahme verbunden – und warum diese Nervosität? Wenn der Whole-Foods-Deal von den amerikanischen Behörden abgesegnet wird, könnte Amazon seine Position auch im stationären Geschäft rasant ausbauen. Den Amazon-Prime-Kunden, einer Zielgruppe von wachsender Bedeutung, stünde das Whole-Foods-Angebot dann zu zweifellos günstigeren Preisen zur Verfügung. Und nicht zuletzt würde auch die gesamte Amazon-Distribution von den Whole-Foods-Standorten enorm profitieren.

Dass es Amazon in erster Linie um Informationen über seine Kunden geht, mithin also darum, ihre Wünsche und ihr Handeln zu verstehen, weiß jeder, der das Unternehmen kennt und seine Entwicklung verfolgt. Deshalb wäre der Whole-Foods-Deal gewissermaßen ein Echtzeitexperiment, das zu einem besseren Verständnis des Lebensmittelhandels beitragen könnte. Und ganz nebenbei: Gemessen am Umsatz, handelt es sich um die größte Handelssparte überhaupt. Warum sollte ausgerechnet Jeff Bezos von diesem Kuchen nicht ein möglichst großes Stück wollen?

Doch die Nachricht von Amazons Interesse an Whole Foods ist auch deshalb so interessant, weil sie offenbar nötig war, um andere Handelsbranchen aus dem Schlummer zu reißen. Dass vielen Unternehmen erst jetzt dämmert, welche Konkurrenz in Gestalt von Amazon herangewachsen ist, gibt durchaus Anlass zur Sorge. Irgendwie, so scheint es, hatten doch alle gerade erst vor Walmart große Angst.

Handel ist von jeher Konkurrenz – und Amazon wuchs zum übermächtigen Konkurrenten einer ganzen Generation von Händlern heran. Um den Wettbewerb mit dem Handelsriesen aufnehmen zu können, müssen Händler verstehen, wie Amazon denkt und agiert, insbesondere im Umgang mit Kunden und Daten. Eine wirkungsvolle Gegenstrategie sollte den Zorn der Wall Street auf sich ziehen und die Investoren zwingen, ihre Profite in die Entwicklung neuer Ideen zu investieren. Sie muss von der Neugier auf Zukunft getrieben sein, und vom Ehrgeiz, mit guten Lösungen rasch auf neue Herausforderungen reagieren zu können.

Kurzum, es geht um eine Strategie, die stets danach strebt, die Wünsche der Kunden noch schneller, besser und effizienter  zu erfüllen. Es war Jeff Bezos selbst, der in einem Brief an seine Aktionäre erklärte, warum Amazon diese „Day One“-Mentalität eines Start-ups niemals verlieren dürfe: „Day Two ist Stillstand. Dann folgen Bedeutungslosigkeit, Niedergang und schließlich Tod. Und deshalb ist bei Amazon immer Day One.“

 

Ian McGarrigle. Anklicken zum Vergrößern. © privat

Ian McGarrigle. Anklicken zum Vergrößern. © privat

Ian McGarrigle ist ein international erfahrener Einzelhandelsexperte aus Großbritannien und der Branche seit mehr als 30 Jahren verbunden. Der Gründer und Direktor des World Retail Congress hat den Einzelhandel unter anderem als Journalist, Autor und Verleger begleitet und war maßgeblich an der Entwicklung der führenden britischen Branchenpublikation Retail Week beteiligt. Die von ihm initiierten Formate, darunter die Retail Week Conference und der Retail Week Award, zählen mittlerweile zu den wichtigsten Veranstaltungen der Branche.

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