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Alles nur gemietet

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Kassensysteme, Geschäftseinrichtungen, Berufsbekleidung: Einzelhändler können fast alle Investitionen leasen. Die Anbieter setzen auf den kompletten Rundumservice.
Text: Eva Neuthinger

Das Unternehmen Deiters mit Hauptsitz in Köln wirbt damit, Verkleidungswünsche jeder Art zu erfüllen. Der Kostümhändler führt Filialen nicht nur im Rheinland als einer Hochburg des Karnevals, sondern auch in Hamburg, Stuttgart und Berlin. Das Unternehmen bewegt sich auf Expansionskurs. Die Kreissparkasse Köln verfolgte das dynamische Wachstum und bot Firmenchef Herbert Geiss für die Finanzierung einer Palettenregalanlage und einer Ladeneinrichtung einen bilanzneutralen Vollamortisationsvertrag an. Angesichts der insgesamt hohen Investitionssummen empfahl es sich, die Bilanz von Deiters nicht noch weiter zu verlängern.

Zusätzlich setzte Geiss über Sale-and-Lease-back Liquidität frei. Die Firma verkaufte Teile der Betriebseinrichtung an die Deutsche Leasing AG, realisierte damit einen Verkaufserlös und leaste die Objekte wieder zurück. „Letztlich waren auch die guten Konditionen für uns ausschlaggebend“, sagt Firmenchef Herbert Geiss.

Herbert Geiss, Chef des Kostümhandelsunternehmens Deiters. Anklicken zum Vergrößern. © Deiters

Herbert Geiss, Chef des Kostümhandelsunternehmens Deiters. Anklicken zum Vergrößern. © Deiters

Leasing steht bei den Unternehmen derzeit hoch im Kurs. Die Nachfrage steigt. Die Branche steigerte im ersten Halbjahr ihr Neugeschäft mit Ausrüstungsinvestitionen um 7,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die Firmen investieren wieder, wenn auch vermehrt in den Ersatz alter Wirtschaftsgüter und nicht so stark wie es die Konjunktur erwarten ließe. Die Vorteile des Leasings gegenüber Kauf liegen auf der Hand: Die Finanzierung via Leasing schont die Kreditlinie und die Liquidität – ein Vorteil für Folgefinanzierungen. Die Bilanz wird entlastet, die Eigenkapitalquote erhöht sich. Der Firmenchef kann die laufenden Raten entsprechend der wirtschaftlichen Nutzung gestalten – nach dem so genannten „pay-as-you-earn“-Prinzip. Die monatlichen Aufwendungen legen die Parteien über die gesamte Laufzeit fest. Der Unternehmer verschafft sich Unabhängigkeit vom künftigen Zinsniveau  (siehe auch unten „Tipps zum Vertrag“).

Fahrzeugleasing gefragt
Die meisten Firmen finanzieren per Leasing ihre Fahrzeuge. Der Anteil an den Neuverträgen betrug im vergangenen Jahr 75 Prozent (siehe dazu Grafik unten: Anteile am Leasing-Neugeschäft). Im ersten Halbjahr dieses Jahres stieg das stärkste Segment, Pkw, überdurchschnittlich stark um 9,5 Prozent. Viele Unternehmer wollen ihr Auto nur wenige Jahre fahren – und es gegen das neueste Modell eintauschen. Dann erweist sich Leasing oft als eine gute Lösung.

Anklicken zum Vergrößern. © BDL

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„Auch die Finanzierung von Ladeneinrichtungen und Shop-in-Shop-Lösungen ist derzeit im Einzelhandel sehr gefragt“, sagt Rainer Weis, Mitglied des Vorstandes der Deutschen Leasing AG in Frankfurt. Kassensysteme oder kleinere Autoflotten speziell für logistische Zwecke stehen ebenfalls hoch im Kurs. „Wir erkennen überdies einen starken Trend zu Investitionen in die Lagerlogistik“, sagt Weis. Es geht hier um die Finanzierung von Hochregallagern über selbstfahrende Stapler bis hin zu kompletten Warenverteilzentren. Ähnlich sieht das bei der IT aus. Die Technik bleibt so auf dem aktuellen Stand. Genauso kann sich bei der Geschäftseinrichtung Leasing anbieten, weil eben auch diese im Turnus von wenigen Jahren erneuert werden sollte.

Bei Bedarf übernimmt der Leasinggeber das gesamte Handling. „Alles aus einer Hand“ ist momentan ein großes Thema. Die Anbieter engagieren sich oft über den gesamten Lebenszyklus hinweg. Sie beraten bei der Wahl des Wirtschaftsgutes, wickeln die Finanzierung ab und übernehmen die Wartung und Pflege. Im Idealfall passiert das alles abgestimmt auf die Bedürfnisse des Kunden.

Pflegeservice für Berufskleidung
Insbesondere beim Leasen oder Mieten von Berufskleidung ist das Rundum-Sorglos-Paket inzwischen die Regel. „Immer häufiger handelt es sich bei der Berufskleidung um speziell nach den Wünschen und dem Arbeitsbereich entwickelte Kollektionen“, sagt  Thomas Echelmeyer, Key-Account-Manager bei der DBL – Deutsche Berufskleider Leasing. Schon am Anfang wird gemeinsam geklärt, was in puncto Optik, Funktionalität und Art der Kollektionen gefragt ist.

Die Firmen wollen heute eine CI-gerechte, attraktive Kleidung – sie soll Kunden und Mitarbeitern gefallen. Der Leasinggeber berät dabei und übernimmt die Ausstattung des Teams sowie die fachgerechte Pflege und die Reparatur der Kleidungsstücke bis hin zum Hol- und Bringservice in den vereinbarten Intervallen.

 

Tipps zum Vertrag

Auf folgende Klauseln sollten  Unternehmer bei Vertragsabschluss genau achtgeben:

Nutzungsdauer: Die Laufzeit des Vertrags sollte maximal der Dauer der Nutzung entsprechen – andernfalls zahlt die Firma die Raten weiter, obwohl das Objekt nicht mehr zur Wertschöpfung beiträgt. Zu unterscheiden ist die unkündbare Grundlaufzeit von 40 bis 90 Prozent der AfA, falls der Leasinggeber das Wirtschaftsgut bilanziert, und die vereinbarte nutzungsabhängige Laufzeit.

Steuern: In jedem Fall sollte der Firmenchef vor Vertragsabschluss die steuerlichen Details mit einem erfahrenen Berater erörtern. Wer zum Beispiel den Investitionsabzugsbetrag nutzt, muss diesen beim Leasing später wieder gewinnerhöhend auflösen. Der Vertrag sollte so gestaltet sein, dass die Leasingraten als Betriebsausgaben absetzbar sind.

Bearbeitungsgebühren: Der Unternehmer sollte sich den Effektivzins der Finanzierung ausrechnen lassen – und mehrere Angebote miteinander vergleichen. Im Optimalfall kontaktieren Unternehmer Hersteller, Banken und Leasinggesellschaften. Bearbeitungsgebühren und vierteljährliche Vorauszahlungen gehen oft ins Geld.

Zinsanpassung: In der Regel haben die Gesellschaften bei langfristigen Verträgen die Option, den Zins bei Veränderungen am Markt doch anzupassen. Es sollte klar nachvollziehbar und transparent sein, wann das erfolgen darf.

Nutzungsänderungen: Vorsicht ist bei Nutzungsänderungen geboten – zum Beispiel beim Firmenwagen. Mehr Kilometerleistung als vertraglich vereinbart, kann teuer werden. Clevere Unternehmer überlegen vorab, wie sie das Objekt nutzen wollen. Im Zweifel frühzeitig den Anbieter kontaktieren und den Vertrag anpassen.

Reparaturen: Das Leasingobjekt gehört der Gesellschaft oder der Bank – entsprechende Vorgaben bei Reparaturen sind zu beachten. Der Unternehmer sollte die Obliegenheiten seines Vertrags prüfen.

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