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Initiative belohnt nachhaltige Mobilität

© ACE/Strehlau

Trotz Stau und langer Parkplatzsuche fahren zwei Drittel aller Beschäftigten mit dem Auto zur Arbeit. Doch wer routinierte Pkw-Fahrer motivieren will, auf nachhaltige Verkehrsmittel umzusteigen, braucht mehr als einen Appell an die eigene Gesundheit.
Text: Sarah Rothe, ACE Auto Club Europa

Die Initiative „mobil gewinnt“ des Bundesverkehrsministeriums und des Bundesumweltministeriums unterstützt aus diesem Grund innovative Mobilitätskonzepte. Unternehmen können sich noch bis zum 15. Oktober 2017 um Fördermittel von bis zu 500.000 Euro für die Umsetzung bewerben.

Das sich der kräftige Tritt in die Pedale für Arbeitgeber und Arbeitnehmer lohnt, hat etwa der baden-württembergische B2B-Versandhändler für Lagereinrichtung, Betriebs- und Büroausstattung Kaiser+Kraft erkannt. „Wir haben an unserem größten Standort Stuttgart nur wenige Parkplätze, die auch noch subventioniert werden. Im Gegensatz dazu erhalten Mitarbeiter, die nicht mit dem Auto zur Arbeit kommen, keinerlei Subventionen“, sagt Betriebsrat Thomas Kniehl. Für ihn und seine Kollegen war das Grund genug, die Geschäftsführung von einem sogenannten „Prämiensystem für CO2-Sparer“ zu überzeugen.

Die Idee: Jeder Mitarbeiter kann je nach gewähltem Verkehrsmittel Punkte sammeln. Während es für das Auto und das Motorrad null Punkte gibt, erhalten Mitfahrer einer Fahrgemeinschaft einen Punkt, ÖPNV-Nutzer zwei Punkte und Fahrradfahrer sowie Fußgänger drei Punkte. Der Wert des jeweiligen Transportmittels wird mit der Entfernung vom Wohnort zur Arbeitsstätte multipliziert. Einmal im Jahr erhält jeder Beschäftigte eine Auszahlung seines Punktwertes. Der Fairness halber wird diese zum durchschnittlichen Arbeitsweg von 19 Kilometern und 220 Arbeitstagen ins Verhältnis gesetzt. Besonders umweltbewusste Beschäftigte erreichen so bis zu 600 Euro brutto im Jahr.

Kosten für Parkflächen oft unbekannt
Immer mehr Betriebe entdecken, welche Vorteile es bringt, sich mit der Mobilität am eigenen Standort auseinanderzusetzen. Schließlich hat die Gestaltung der Arbeits- und Dienstwege einen erheblichen Einfluss auf die Umweltbilanz, die Kosten und die Gesundheit seiner Mitarbeiter. Während Fuhrparkmanager die Ausgaben für die firmeneigene Flotte detailliert erheben, ist vielen Betrieben kaum bewusst, dass ein Parkplatz im Schnitt 3.000 Euro kostet, ein Tiefgaragenstellplatz sogar 20.000 Euro. Genauso wenig ist bekannt, dass Pkw-Pendler häufiger krank sind. Und nicht nur das: Eine Studie im British Medical Journal kam zu dem Ergebnis, dass männliche Autofahrer im Schnitt drei Kilo mehr auf die Waage bringen als Beschäftigte, die mit dem Fahrrad oder der Bahn fahren.

Mithilfe von Mobilitätsmanagement können Unternehmen den Pkw-Verkehr an ihrem Standort effektiv reduzieren und attraktive Alternativen zum alleinbesetzten Auto identifizieren. Wie ein solches Gesamtpaket aussieht, ist von Betrieb zu Betrieb unterschiedlich: Eine über das Smartphone gesteuerte Mitfahrbörse kann Mitarbeiter, die nah beieinander wohnen, zusammenbringen und die Planung einer Fahrgemeinschaft erleichtern. Mithilfe eines Jobtickets nutzen Beschäftigte öffentliche Verkehrsmittel deutlich günstiger. Und wer hochwertige Abstellanlagen, Duschen oder Umkleidemöglichkeiten zur Verfügung stellt, erhöht den Anteil der radelnden Kollegen.

Kaiser+Kraft hat mit seinem kreativen Prämiensystem ins Schwarze getroffen. Über 250 Mitarbeiter sammeln auf dem Weg zur Arbeit fleißig Punkte. Auch wenn das für den Betriebsrat, der sich um die Berechnung der Auszahlungsbeträge kümmert, einmal im Jahr jede Menge Arbeit bedeutet. Doch es lohnt sich: „Wenn ein Unternehmen von sich aus attraktive Leistungen für Arbeitnehmer anbietet, ist das nicht nur für die Mitarbeiter, sondern auch für potentielle Arbeitskräfte interessant“, so Kniehl.

Ideenwettbewerb und Erstberatungen
Das Beispiel des Versandhändlers zeigt, dass es manchmal eine ordentliche Portion Kreativität braucht – und die belohnen aktuell das Bundesverkehrs- und das Bundesumweltministerium im Rahmen der Initiative „mobil gewinnt“. Bei einem Konzeptwettbewerb können Betriebe und öffentliche Institutionen jeder Größe und Branche bis zum 15. Oktober 2017 Ideen für bessere Arbeits- und Dienstwege einreichen. Ob es sich um die Installation einer Pedelec-Ladestation oder um die Entwicklung einer innovativen App handelt, ist den Unternehmen überlassen. Die Bewerber mit den besten Konzepten erhalten eine Auszeichnung und haben die Chance auf Fördergelder des Verkehrsministeriums, um die skizzierten Maßnahmen umzusetzen. Dabei sind bis zu 500.000 Euro Fördersumme pro Einzelprojekt möglich.

Zur Initiative „mobil gewinnt“ zählen auch 150 kostenfreie Erstberatungen, für die sich private und öffentliche Unternehmen bis Februar 2018 bewerben können. Im Rahmen einer solchen Beratung untersucht ein Experte die Arbeitswege der Beschäftigten ebenso wie Dienstreiserichtlinien, den Fuhrpark oder die Kunden- und Lieferantenverkehre. Ziel ist es, das Potenzial neuer Mobilitätslösungen aufzuzeigen und Betrieben erste Lösungsansätze an die Hand zu geben.

Weitere Informationen zum Wettbewerb und den Erstberatungen gibt es auf www.mobil-gewinnt.de sowie in der Geschäftsstelle der Initiative, die beim ACE Auto Club Europa in Berlin angesiedelt ist: 030 / 278725-12. Beteiligt sind außerdem der Bundesdeutsche Arbeitskreis für Umweltbewusstes Management (B.A.U.M.) e.V. und B.A.U.M. Consult GmbH.

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