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Effizienzgewinn

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Fast 50 Prozent der vom Gesetzgeber geforderten Produktinformationen sind fehlerhaft. Für Handel und Industrie bedeutet dies hohe Aufwände. Das Data Quality Gate verspricht eine deutliche Verbesserung der Datenqualität.
Text: Jörg Pretzel, Geschäftsführer GS1 Germany

Daten sind das Öl des 21. Jahrhunderts. Nicht nur im Onlinehandel erwarten Kunden immer umfassendere Produktinformationen, auch die Prozesse entlang der Wertschöpfungskette sind von vollständigen, richtigen sowie termingerecht zur Verfügung stehenden Daten abhängig. Zudem sind in den letzten Jahren Anforderungen des Gesetzgebers, wie zum Beispiel die Informationspflichten aus der Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV), hinzugekommen.

Dennoch: Trotz des Wissens um die Bedeutung qualitativ hochwertiger Daten verursachen fehlerhafte Produktinformationen bei Handel und Industrie jährliche Kosten in Millionenhöhe. So fand das Marktforschungsinstitut Gartner heraus, dass mangelhafte Datenqualität jedes Top-Unternehmen aus Handel und Industrie durchschnittlich 8,2 Millionen US-Dollar im Jahr kostet.

Jörg Pretzel, Geschäftsführer von GS1 Germany. Anklicken zum Vergrößern. © GS1 Germany

Jörg Pretzel, Geschäftsführer von GS1 Germany. Anklicken zum Vergrößern. © GS1 Germany

Dies hat Smart Data One, Tochterunternehmen von GS1 Germany, zum Anlass genommen, um die Stammdatenqualität genauer zu untersuchen. Das Ergebnis: Fast 50 Prozent aller Produktdaten sind fehlerhaft. Höchste Zeit für eine groß angelegte Datenqualitätsoffensive von GS1 Germany und seinen Tochterunternehmen 1Worldsync und Smart Data One, die 2016 startete. Strategische und operative Unterstützung erhalten sie dabei von den GS1-Germany-Aufsichtsratsunternehmen Amazon, dm, Dr. Oetker, Edeka, Henkel, Markant,  Metro, Mondelez, Nestlé, Rewe, Procter & Gamble und Unilever sowie von Beiersdorf und Mars.

Die gemeinsame Vision: 100-prozentige Datenqualität im Pool von 1Worldsync und somit die Möglichkeit der Übernahme von Produktstammdaten ohne weitere Qualitätsprüfung auf  Handelsseite. Hierzu entwickelten GS1 Germany und seine Projektpartner ein Qualitätssicherungssystem – das sogenannte Data Quality Gate. Dahinter verbirgt sich ein System, das die Produktdaten automatisiert auf Basis vorab definierter Validierungsregeln prüft. Anschließend versendete Prüfberichte identifizieren die Datenfelder, die nachgebessert werden müssen. Begleitet wird dieser Prozess mit aktivem Support durch Experten von Smart Data One, die die Hersteller gezielt dabei unterstützen, Fehlerquellen nachhaltig zu beheben.

Fehlerquote sinkt auf bis zu Null
Getestet wurde der Lösungsansatz mit 200 Lieferanten und 18.000 Artikeln im Rahmen einer dreimonatigen Pilotphase. Dabei standen die 40 verpflichtenden Angaben der LMIV im Fokus. Das Ergebnis überzeugt: 91 der 200 Lieferanten vermochten die Fehlerquote in den zwölf Wochen des Pilotprojekts basierend auf den neuen Validierungsregeln auf null Prozent zu senken. Zudem konnte die Anzahl der ursprünglich 10.250 fehlerhaften Artikel um 5.600 reduziert werden. Dies entspricht einer Qualitätssteigerung der Artikelstammdaten um 54 Prozent.

Aufbauend auf diesem Erfolg wird das Data Quality Gate nun auf alle 2.500 angeschlossenen Industrieunternehmen der FMCG-Branche ausgeweitet. Die Kosten für den Aufbau und Betrieb des Data Quality Gates im Jahr 2017 in Höhe von annähernd drei Millionen Euro werden von GS1 Germany übernommen, um das Data Quality Gate zwischen Handel und Industrie zu etablieren. Doch nicht nur im Hinblick auf die Qualitätsverbesserung von Produktstammdaten reagiert GS1 Germany, sondern auch im Hinblick auf die durch die Online-Aktivitäten der Händler gestiegenen Anforderungen an Produktinformationen. So wurde erst kürzlich ein E-Content-Programm zur Erweiterung der im Pool von 1Worldsync vorhandenen Produktinformationen um Digital Assets und Rich Content gestartet. Ziel der Initiative ist die Zentralisierung der gesamten Produktdatenversorgung durch die Etablierung einer Plattform für sämtliche Produktinformationen und alle Formen des Handels.

Product Information Management und Datenqualität sind der Schlüssel für erfolgreiche Kooperationen und gehören daher zu den Schwerpunktthemen beim ECR Tag 2017 am 20. und 21. September in München, der in diesem Jahr unter dem Motto „Kooperation – gemeinsam den digitalen Wandel gestalten“ steht. Weitere Informationen finden Sie hier.

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