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Herzhafte Mettbringsel

© Maximilian Virgili

Das Start-up Wurstgeschwister versendet Fleischwaren und Hausmannskost aus dem Münsterland in Geschenkboxen. Mit Witz und Ideen rücken die Jungunternehmer dem Imageproblem der Wurst auf die Pelle. Text: Ralf Kalscheur

Die Deutschen sind wahrlich keine Wurstverächter. Das vielseitig regionalisierte Fleischprodukt gehört hierzulande zum gastronomischen Kulturgut und entfaltet nicht nur in Nürnberg, Frankfurt oder Thüringen nahezu identitätsstiftende Wirkung. Doch während Superfoods Schlagzeilen machen und Biosupermärkte veganen Fleischersatz propagieren, bewegt sich das Imageniveau der Wurst auf eine Regalhöhe zu, in der auch Rollmops und Eierlikör ganz gut einzuordnen wären.

„Wurst gilt als altmodisch. Wir greifen das Thema darum originell und zeitgemäß auf“, beschreibt Anja Rüweling die Geschäftsidee ihrer Gründung „Wurstgeschwister“. Der Name ist Programm: Neben Anja Rüweling (29) leitet ihre Schwester Nadine (28) die Geschäfte des Shops für Wurstwaren und herzhafte Hausmannskost, der im November 2016 online ging. Die Produkte liefert der Bruder der beiden „Wurstgeschwister“. Daniel Rüweling (26) ist Mitgesellschafter, Fleischermeister und arbeitet im elterlichen Betrieb der Familie, gelegen in der münsterländischen Gemeinde Südlohn.

Es ist angerichtet, und zwar appetitlich: herzhafte Hausmannskost der Wurstgeschwister. Anklicken zum Vergrößern. © Maximilian Virgili

Es ist angerichtet, und zwar appetitlich: herzhafte Hausmannskost der Wurstgeschwister. Anklicken zum Vergrößern. © Maximilian Virgili

Münsterländer Mett gehört ebenso zum Sortiment des Start-ups wie Streichwürste, Kochwürste, Rohwürste und Schinken, seit Kurzem zudem Pulled Pork. Eintöpfe und Suppen fungieren als herzhafte Angebotsergänzungen. Kunden können sich die Lebensmittel selbst zusammenstellen oder unter acht Geschenkboxen (34,90 bis 60,90 Euro) wählen. Von „Katerkampf“ bis „Gulaschgaudi“ bilden die thematisch abgeschmeckten Pakete eine originelle Alternative zu herkömmlichen Präsentkörben. „Wir suchen uns Nischen, sonst wäre die Konkurrenz bei Würsten und Geschenken viel zu groß“, sagt Anja Rüweling.

Um die Wurst auch jungen Zielgruppen wieder schmackhaft zu machen, setzen die Unternehmerinnen ihre Produkte gekonnt in Szene. Auf der licht gestalteten Webseite ist die reichhaltige Kost appetitlich und geradezu schwebend-leicht drapiert. Die Story der „Wurstgeschwister“ wird mit Wurstwortwitz erzählt und greift die Aspekte Qualität, Regionalität und Nachhaltigkeit auf. Hübsch und eigenhändig verpackt, wird die Ware in wiederverwendbaren Weckgläsern oder vakuumiert verschickt. Wer möchte, kann auch gleich eingewecktes Schwarzbrot und Schnaps aus der Region mitbestellen. Sympathie ist eine harte Währung für eigenfinanzierte Start-ups, deren Öffentlichkeitsarbeit im Wesentlichen von wohlmeinender Presse und Empfehlungen in sozialen Medien abhängt.

„Passend zur Sommersaison bieten wir jetzt auch Grillprodukte an“, berichtet Anja Rüweling. Die logistische Herausforderung des Frischeversands meisterten die Geschwister mit Elan im Prozess „Versuch und Irrtum“. „Wir haben eine Isolierverpackung aus Stroh entdeckt, die ein Start-up herstellt. Damit können wir die Kühlkette 48 Stunden lang einhalten, ohne Styropormüll zu produzieren.“ Die Geschwister arbeiten mit vielen, auch ungewöhnlichen Ideen am guten Ruf der Wurst und an ihrem Ziel: von der Ware leben zu können. Ihr Tipp: Den Wurstadventskalender frühzeitig vorbestellen – denn der war im vergangenen Jahr rasch ausverkauft.

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