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Rechnung rückwirkend berichtigen

© Getty Images/erhui1979

Der Formalismus im deutschen Steuerrecht ist enorm. Dies zeigt sich nicht zuletzt an den zwingenden Angaben in einer Rechnung. Text: Christoph Iser

Eine neue Rechtsprechung macht es nun jedoch zumindest aus umsatzsteuerlicher Sicht ein wenig einfacher. Laut Umsatzsteuergesetz müssen in einer Rechnung zahlreiche Angaben enthalten sein, damit überhaupt eine ordnungsgemäße Rechnung vorliegt. Fehlt ein Pflichtinhalt, kann zwar noch eine Rechnung im Sinne eines Abrechnungsbelegs gegeben sein, allerdings berechtigt diese den Empfänger nicht mehr zum Vorsteuerabzug. In der Praxis ist es jedoch kein Einzelfall, dass in der Hektik des alltäglichen Geschäfts nicht alle notwendigen Angaben enthalten sind. Klassiker sind die fehlende Steuernummer des Leistenden, eine vergessene Rechnungsnummer oder schlicht der nicht aufgeführte Leistungszeitpunkt. Schon einer dieser Fehler verhindert die Erstattung der Vorsteuer.

Natürlich kann man eine Rechnung immer noch berichtigen. Allerdings wollte der Fiskus bisher keine rückwirkenden Berichtigungen anerkennen. Das praktische Problem dabei: Weil in der Praxis fehlerhafte Eingangsrechnungen häufig nicht bemerkt werden, wird die Vorsteuer ganz normal gezogen. Wenn nun Jahre später die Betriebsprüfung das Manko aufdeckt, kann die Vorsteuer mittels Rechnungsberichtigung zwar noch gerettet werden – allerdings ist ein Zinsschaden entstanden. Schließlich hat der Unternehmer eine Vorsteuer gezogen, die ihm formal erst mit der Rechnungsberichtigung zusteht.

Diese quasi zu früh erfolgte Erstattung der Vorsteuer lässt sich der Fiskus verzinsen, und zwar mit stolzen 0,5 Prozent im Monat, also sechs Prozent im Jahr. Rechnet man noch ein, dass die Betriebsprüfung regelmäßig erst Jahre später klingelt, wird schnell deutlich, dass die aufgelaufenen Zinsen schmerzvoll hoch sein können.

Mindestanforderungen unbedingt einhalten
Damit ist nun jedoch Schluss: Der EuGH (Az.: C-518/14) hat aktuell klargestellt, dass die deutsche Regelung, wonach einer Rechnungsberichtigung keine Rückwirkung zukommen soll, nicht haltbar ist. Mittlerweile hat sich auch der BFH in der Nachfolgeentscheidung (Az.: V R 26/15) seinen europäischen Kollegen angeschlossen und die Rückwirkung der Rechnungsberichtigung bestätigt.

Doch aufgepasst: Erfüllt die ursprüngliche Rechnung nicht die Mindestanforderungen, kommt nach Meinung des FG Münster (Az.: 5 K 1275/14 U) keine rückwirkende Berichtigung in Betracht. Grund: Schon das ursprüngliche Dokument wird nicht als Rechnung anerkannt. Die Mindestanforderungen müssen daher immer beachtet werden. Diese sind gegeben, wenn Angaben zum Rechnungsaussteller, zum Leistungsempfänger, zur Leistungsbeschreibung, zum Entgelt und zur gesondert ausgewiesenen Umsatzsteuer vorhanden sind. Ist dies der Fall, klappt es auch mit der rückwirkenden Berichtigung.

Christoph Iser ist selbstständiger Steuerberater in Düsseldorf. Er hält für namhafte deutsche Unternehmen Seminare und Vorträge über das deutsche Steuerrecht. Neben zahlreichen Publikationen in Magazinen hat er das Fachbuch „Steuerrecht in Fragen und Antworten“ (Schäffer-­Poeschel) veröffentlicht.

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