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An der Uhr gedreht

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Das Arbeitszeitgesetz setzt den Rahmen. Doch es bleibt genügend Raum für individuelle Absprachen über Länge und Lage der Arbeitszeit. Diese sollten unbedingt schriftlich festgehalten werden.
Text: Ruth Lemmer

Ein Minijobber arbeitet zwölf Stunden pro Woche an jeweils zwei Tagen im hippen Modeshop. Eine Studentin jobbt in der Tankstelle auf Abruf. Eine Mutter schulpflichtiger Kinder geht für 20 Stunden pro Woche in die Discounterfiliale, in der der Filialleiter 40 Stunden schafft. Und der 16-jährige Auszubildende im Elektronikgeschäft unterbricht seine Wochenarbeitszeit nur für die Berufsschule. So unterschiedlich die Arbeitszeiten sind, ist doch die Basis für alle gleich: Es gilt das Arbeitszeitgesetz (ArbZG) und für den Azubi zusätzlich das Jugendarbeitsschutzgesetz mit Beschränkungen in der Nacht und zusätzlichen Pausen.

Wenn ein Händler nicht tarifgebunden ist, muss er bei der arbeitsvertraglichen Festlegung nur die Spielregeln dieser Gesetze beachten. Hier ein paar Zahlen: Die tägliche Arbeit darf zehn Stunden nicht überschreiten. In der Woche dürfen höchstens 48 Stunden gearbeitet werden – acht Stunden von Montag bis Samstag. Zwischen zwei Arbeitseinsätzen müssen elf Stunden Pause liegen. Wird mehr als sechs Stunden gearbeitet, sind 30 Minuten Pflicht, die nicht auf die Arbeitszeit angerechnet werden. Die EU-Arbeitszeitrichtlinie, die in sieben Tagen eine Ruhezeit von 24 Stunden am Stück verlangt, wird in Deutschland durch den freien Sonntag umgesetzt, für den es eng begrenzte Ausnahmen gibt. Wird die Arbeitszeit ausnahmsweise erhöht, etwa vor Weihnachten oder Ostern, an Messetagen oder in der Saison, sind 60 Stunden in der Woche erlaubt, wenn sie innerhalb der nächsten sechs Monate ausgeglichen werden.

Die Vereinbarungen können Arbeitgeber und Arbeitnehmer mündlich treffen. Allerdings liegt die Beweispflicht beim Arbeitgeber, wenn es zum Streit kommt. Es mag lästig sein, kleine Teilzeitverträge in Schriftform zu gießen, aber es spart im Konflikt Zeit und Geld. Denn Richter greifen gerne auf gesetzliche Regelungen oder die gängigen Branchentarife zurück, wenn zum Beispiel über Überstunden und deren mögliche Zuschläge gestritten wird. Zwar sind Arbeitszeit und Vergütung zwei Paar Schuhe, aber sie können vor Gericht nah beieinanderstehen.

Im schriftlichen Individualarbeitsvertrag sollte mindestens die Stundenzahl pro Woche festgelegt werden. Auch Jahresarbeitszeitkonten sind möglich. Dann erhält der Mitarbeiter immer das gleiche Gehalt, auch wenn er nicht immer die gleiche Stundenzahl arbeitet. Fallen Überstunden an, können diese am Ende eines Jahres ausgezahlt oder als Zeitguthaben ins nächste Abrechnungsjahr mitgenommen werden. Auch das sollte der Arbeitgeber schriftlich vereinbaren. Mit festen Wochentagen oder fixen Tageszeitangaben im Arbeitsvertrag nimmt sich der Firmeninhaber die Flexibilität, etwa wenn er wegen erkrankter Mitarbeiter oder Sonderaktionen im Verkauf das Team umstellen muss. Wer Mitarbeiter auf Abruf beschäftigt, muss die Stundenzahl festlegen, vier Tage im Voraus planen und eine Mindestarbeitszeit von drei Stunden am Stück garantieren.

Selbstverständlich kann ein Betrieb auch freiwillig die Regelungen des Tarifvertrags für den Einzelhandel übernehmen. Dann gelten die dortigen Arbeitszeitregelungen. In Zeiten, in denen gute Mitarbeiter knapp werden, ein guter Schachzug.

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Eine Broschüre zur Arbeitszeit mit dem aktuellen
Gesetzestext steht zum kostenlosen Download beim
Bundes­ministerium für Arbeit und Soziales hier bereit:

Der HDE hat arbeitsrechtliche Merkblätter und Musterverträge erarbeitet, die Verbandsmitglieder nach Eingabe ihrer Zugangsdaten hier herunterladen können.

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