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Um gegen den wachsenden Onlinehandel zu bestehen, ist der stationäre Handel gut beraten, auf digitale Services zu setzen. Doch an welchen ist Kunden tatsächlich gelegen?
Text: Boris Hedde, Geschäftsführer IFH Köln

Deutsche Innenstädte sollten kein rein analoger Ort sein. Jeder zweite Innenstadtbesucher blickt positiv auf digitale Serviceangebote im Stadtzentrum. Zu diesem Ergebnis kommt die Untersuchung „Vitale Innenstädte“, für die das IFH Köln Ende 2016 Passanten in 121 deutschen Innenstädten verschiedener Größen und Regionen befragt hat.

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Kostenfreies WLAN zieht am meisten
Über alle untersuchten Stadtgrößen hinweg ist ein freier Internetzugang der beliebteste digitale Service: Zwei Drittel aller Befragten finden den Zugriff auf ein kostenfreies WLAN in einer Innenstadt wichtig. Aber auch an der Möglichkeit, online Informationen über die Geschäfte in der Innenstadt einzuholen oder online bestellte Ware in Geschäften in der Innenstadt abholen zu können, ist mehr als jedem zweiten Passanten gelegen.

Dagegen ist es insgesamt für Innenstadtbesucher nicht zwingend, dass jedes Geschäft einen eigenen Onlineshop hat: Nahezu zwei Drittel aller befragten Passanten sehen es nicht als wesentlich an, bei Geschäften aus der Innenstadt online bestellen zu können. Lokale Onlinemarktplätze für eine City werden von knapp 44 Prozent der Innenstadtbesucher als wichtig bewertet.

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Urbane Shopper anspruchsvoller
Wie aber sehen die Präferenzen und Wünsche der Innenstadtbesucher beim Blick auf die verschiedenen Ortsgrößenklassen aus? Nicht unbedingt überraschend erscheint, dass Besucher in größeren Citys häufiger digitale Services interessant finden als in kleineren Orten.

Beispielsweise nimmt der Wunsch, sich online über die Innenstadtgeschäfte und deren Angebot informieren zu können, mit steigender Ortsgröße nahezu kontinuierlich zu. So ist die Möglichkeit der Vorabinformation im Netz knapp 50 Prozent der Befragten in Kleinstädten mit bis zu 25.000 Einwohnern wichtig – aber schon 58 Prozent der Besucher von Städten mit 100.000 bis 200.000 Einwohnern und 63 Prozent der Befragten in Großstädten mit mehr als 500.000 Einwohnern. Vor dem Hintergrund, dass das Angebot an Geschäften und die Fläche, über die sich diese erstrecken, mit der Größe eines Ortes wächst, wird dies gut nachvollziehbar. Die Vorabrecherche hilft den Kunden bei der Orientierung und Einkaufsplanung. Auf diese Weise wird vermieden, möglicherweise unnötig weite Wege zurücklegen zu müssen, um das Geschäft mit dem passenden Angebot zu finden.

Auch der Wunsch nach kostenfreiem WLAN ist in größeren Städten stärker ausgeprägt als in kleinen: So fordern 65 Prozent der Passanten in Städten mit bis zu 25.000 Einwohnern diesen Service, während es in Großstädten mit über 500.000 Einwohnern bereits 71 Prozent der Befragten sind. Ein ähnliches Bild zeigt sich auch in puncto Abholung von online bestellten Waren, lokale Onlinemarktplätze und Onlinebestellung bei Geschäften in der Innenstadt.

Dass sich die zunehmende Onlineaffinität der Konsumenten nicht nur darauf auswirkt, welche digitalen Services sie spannend finden, sondern auch darauf, wie häufig sie Innenstädte zum Shopping aufsuchen, überrascht nicht. So bestätigt auch die Untersuchung „Vitale Innenstädte“ erneut, dass verstärkte Onlinekäufe zu einem Frequenzrückgang in Stadtzentren führen: Nahezu jeder fünfte aller befragten Passanten gibt an, verstärkt online einzukaufen und daher seltener zum Einkaufen in die Innenstadt zu fahren.

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Digitale Angebote können für Städte eine Chance sein, die Frequenz in ihren Zentren zu steigern, da sie dem geänderten Konsumentenverhalten und den Wünschen der Shopper so entgegenkommen können. Dabei gilt es darauf zu achten, dass das Angebot an die Wünsche der eigenen Besucher und die Funktionen und Gegebenheiten der einzelnen Stadt angepasst wird.

Kostenfreies WLAN kann durchaus als stadtgrößenübergreifend relevant angesehen werden. Bei vielen anderen digitalen Services gilt es aber genau zu überprüfen, welchen konkreten Mehrwert sie den Besuchern der eigenen Innenstadt bieten können. Dafür müssen Stakeholder zum Beispiel genau wissen, mit welchem Ziel ihre City meist aufgesucht wird und woher die Besucher kommen, um ihr Angebot passgenau auf deren Anforderungen zuschneiden zu können.

Eine Zusammenfassung der Studie
„Vitale Innenstädte“ finden Sie unter:
bit.ly/summary-vitale-innenstaedte

 

Wert des Handels

Text: Michael Reink, HDE-Bereichsleiter Standort- und Verkehrspolitik

Im Zuge der Digitalisierung müssen die (Innen-)Städte ständig neue Herausforderungen meistern. Sogar vermeintlich selbstverständliche Merkmale der City, wie ihre Funktion als zentraler Ort der Kommunikation, werden hinterfragt. Hier gilt es, die Innenstädte insbesondere als Orte der Jugendkultur zu erhalten. Denn das Einkaufsverhalten der heutigen Jugend wird maßgeblich die Einkaufstradition der Zukunft bestimmen. Allein attraktive Citys können kommenden Generationen den „Wert des Handels“ und den „Wert des Einkaufsbummels“ vermitteln. Da die Kommunikation der Jugend sich stark digitalisiert hat, braucht es dazu freies WLAN.

Die angebotenen Lösungen müssen einfach und bequem zu handhaben sein. Es hilft nicht, wenn der Kunde sich alle zehn Meter neu einloggen muss. Daher sollten Systemlösungen, beispielsweise in Kooperation mit den Kommunen, aufgebaut werden, um noch näher an den Kunden heranzurücken. Erste gute Beispiele für flächendeckendes WLAN machen Mut.

Dass der Kunde digitale Services nicht immer sofort mit einer Umsatzsteigerung belohnt, gehört wohl zum Wesen der Digitalisierung. Die digitalen Kundenwünsche zeigen jedoch, dass es keine Alternative dazu gibt, den guten Service des Handels auch in die weiten Räumen des World ­Wide Web zu tragen.

Michael Reink, Bereichsleiter Standort- und Verkehrspolitik. © Die Hoffotografen GmbH Berlin

Michael Reink, Bereichsleiter Standort- und Verkehrspolitik. © Die Hoffotografen GmbH Berlin

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