Alle Informationen für den Handel

Unternehmen

Mix der Geldgeber

© Barbara Frères

Bei kapitalintensiven Modernisierungs- und Expansionsprojekten können Einzelhändler von günstigen Förderprogrammen profitieren – wenn sie das Vorhaben professionell vorbereiten. So gelingt eine optimale Finanzierung. Text: Eva Neuthinger

Das Unternehmen Barbara Frères bewegt sich auf Expansionskurs. Seit fast 40 Jahren führt die Familie Frères auf der Premiummeile Königsallee in Düsseldorf ein Modegeschäft für Kinder. Zum Sortiment zählen exklusive Labels wie Armani, Bonpoint, Dior, Fendi oder Dolce & Gabbana. „Wir verstehen uns als Kindermodekurator“, erklärt Geschäftsführer Philippe Frères.

Seit Ende vergangenen Jahres führt das Unternehmen unter der Firmierung Barbara Frères Digital GmbH auch einen Onlineshop der besonderen Art. „Wir haben die Vision, als kleines Familienunternehmen auf innovative Weise die Digitalisierung zu nutzen. Wir wollen unseren Kunden ein inspirierendes Einkaufserlebnis bieten“, sagt Sophie Spethmann, die gemeinsam mit Philippe Frères die Barbara Frères Digital GmbH leitet.

Dazu entwickelte das Führungsduo eine eigene Live-Video-Shopping-Lösung, kurz LiSA. Per Chat, der ähnlich wie Skype funktioniert, werden die Kunden online beraten. Der Verkäufer sieht den Kunden auf dem Display und kann ihm das Sortiment direkt vor der Kamera zeigen. Dafür erhielt das Unternehmen den Innovationspreis des Handels 2016, mit dem der HDE jedes Jahr fortschrittliche Konzepte auszeichnet.

Ein großer Erfolg und ein ambitioniertes Projekt, das aber auch eine hohe Investitionssumme erforderte. „Wir wurden von der Bürgschaftsbank NRW unterstützt und konnten unseren Finanzierungsbedarf so zu guten Konditionen decken“, erklärt Spethmann. Im ersten Schritt stellten die Geschäftsführer der Hausbank die Idee vor. Die Resonanz war gleich positiv. Sie entwickelten einen ausführlichen Businessplan. Der Firmenkundenbetreuer schaltete die Bürgschaftsbank ein, die eine Haftungsfreistellung gab. „Es lief alles ohne Probleme“, sagt Spethmann. Modernisierungs- und Expansionsfinanzierungen laufen aufgrund des hohen Kapitalbedarfs oft auf einen Mix verschiedener Geldgeber hinaus. Die Bürgschaftsbanken und die KfW-Bankengruppe sind häufig involviert. Die Fördertöpfe dafür sind voll.

Niedrige Zinssätze
Allein die Mittelstandsbank der KfW vergab im Vorjahr Kredite in Höhe von 10,1 Milliarden Euro für Gründung und allgemeine Unternehmensfinanzierung an den Mittelstand (siehe auch „Förderprogramme der KfW für Unternehmer, die jetzt investieren“). Dabei sind die Zinssätze nach wie vor sehr niedrig. Geförderte Finanzierungen mit einer Laufzeit von zehn Jahren bewegen sich immer noch auf einem Niveau ab ein Prozent effektiv – abhängig von der Bonität des Einzelhändlers.

Das Prozedere beginnt regelmäßig damit, dass der Firmenchef der Hausbank einen ausführlichen Businessplan vorlegt. Dieser sollte eine realistische Umsatz- und Ertragsplanung wie auch eine Liquiditätsplanung für mindestens drei Jahre enthalten. Dazu wird eine Projektbeschreibung erwartet. Die Bank will erkennen können, dass der Unternehmer Zins und Tilgung aus dem Ertrag der Ausgabe leisten kann.

Der Firmenkundenbetreuer identifiziert dann die infrage kommenden Förderprogramme und stellt sie dem Unternehmer vor. Das Problem: Nicht immer offerieren die Mitarbeiter der Geldinstitute die Chancen einer Förderung. Deshalb sollte der Unternehmer im Zweifel danach fragen. Wenn er sich selbst informiert hat, etwa über die Seite www.foerderdatenbank.de, kann er beim Firmenkundenbetreuer punkten.

Der Berater leitet den Antrag an das Förderinstitut weiter, sobald der Unternehmer sich für ein Programm entschieden hat. Mitunter wollen die Förderbanken bei hohen Investitionssummen später noch in einem persönlichen Gespräch das kaufmännische Wissen des Firmenchefs selbst checken. Das kann beispielsweise bei einer Mitwirkung der Bürgschaftsbank mit höheren Beträgen von beispielsweise über 250.000 Euro der Fall sein. Der Termin läuft dann nicht anders als ein Kreditgespräch mit der Hausbank. Oftmals sitzen der Firmenkundenbetreuer, der Mitarbeiter der Bürgschaftsbank, der Unternehmer und sein Steuerberater an einem Tisch, um offene Fragen im größeren Kreis zu klären.

Guy Selbherr, Vorstand der Bürgschaftsbank Baden-Württemberg, erklärt: „Wir unterstützen Vorhaben, falls wir Erfolgschancen und damit auch eine gesicherte Existenzgrundlage erkennen können.“ Nur knapp 20 Prozent der Anträge kommen nicht an. „Darunter sind aber auch welche, denen wir später unter veränderten Rahmenbedingungen, wie etwa höherem Eigenmitteleinsatz zustimmen können“, so Selbherr. Die Bürgschaftsbanken übernehmen grundsätzlich bis zu 80 Prozent des Kreditrisikos bei einer Bürgschaftshöhe von höchstens 1,25 Millionen Euro.

Bei einer guten Vorbereitung kommt das Okay der Förderinstitute in der Regel innerhalb von vier Wochen. Insgesamt sollten Einzelhändler für die Planung der Finanzierung ein halbes Jahr avisieren. „Im Idealfall sprechen Unternehmer schon mit uns, wenn sie die Idee haben, zu investieren“, sagt Heinz-Joachim Lederer, Fördermittelexperte beim Firmenkundencenter der Sparkasse zu Lübeck. Das Jahresgespräch eignet sich besonders, um im Vorfeld eine mögliche Förderung zu sondieren. „Das Thema ist komplex. Oft kommen für ein bestimmtes Projekt gleich mehrere Programme von Bund und Ländern infrage, die sich mitunter auch kombinieren lassen“, so Lederer.

Firmenchefin Sophie Spethmann von Barbara Frères Digital weiß das. Sie hatte bereits im Frühjahr vergangenen Jahres mit der Vorbereitung begonnen – und das Projekt im Herbst umgesetzt.

 

Förderprogramme der KfW für Unternehmer

Der Unternehmerkredit
• Zielgruppe: relevant für Unternehmen, die mindestens fünf Jahre am Markt sind und einen Kreditbedarf von bis zu 25 Millionen Euro haben.
• Investition: Mittel für Grundstücke und Gebäude, Einrichtung, Firmenfahrzeuge, Geschäftsausstattung, Software und Computer, Betriebsmittel, Warenlager, Leasing.
• Konditionen: Die KfW kann 50 Prozent des Risikos übernehmen, die restlichen 50 Prozent trägt die Bank. Zinssatz ab ein Prozent effektiv, Laufzeit zehn Jahre.

Das KfW-Energieeffizienzprogramm
• Zielgruppe: Unternehmen, die Gewerbeimmobilien neu bauen oder sanieren wollen.
• Investition: Bestandsgebäude sollen einen höheren Energieeffizienzstandard erreichen; Einzelmaßnahmen wie Wärmedämmung, Lüftung oder Beleuchtung. Neubau von KfW-Effizienzhaus 55, 70 sowie Maßnahmen zur Vorbereitung und Realisierung des Projektes werden unterstützt.
• Konditionen: Zinssatz ab ein Prozent effektiv, 25 Millionen Euro pro Vorhaben, Laufzeit bis zu zehn Jahre.

Der Unternehmerkredit Plus
• Zielgruppe: Unternehmen, die seit zwei Jahren am Markt sind, deren Umsatz oder Beschäftigtenzahl drei Jahre in Folge um mehr als 20 Prozent gestiegen ist oder die einen Innovationspreis erhalten haben.
• Investition: Das Warenlager kann beispielsweise finanziert werden.
• Konditionen: ab ein Prozent effektiv, bis zu zehn Jahre Laufzeit, maximal 7,5 Millionen Euro Investitions- und Betriebsmittelkredit.

Lesen Sie weiter


Unternehmen

Alles nur gemietet

Kassensysteme, Geschäftseinrichtungen, Berufsbekleidung: Einzelhändler können fast alle Investitionen leasen. Die Anbieter setzen auf den kompletten Rundumservice. mehr...

Wir freuen uns über Diskussionen und Ihre Kommentare.
Wie in jeder Gemeinschaft ist es notwendig, dass sich alle Teilnehmer an die Netiquette halten. Durch Ihre Kommentare sollen interessante, gewinnbringende Debatten entstehen, an denen sich andere Nutzer gerne beteiligen. Beleidigungen und Schmähreden sind deshalb ebenso tabu wie Diskriminierungen und die unerlaubte Veröffentlichung persönlicher Daten. Bitte verstecken Sie sich auch nicht hinter Pseudonymen, sondern benutzen Sie Klarnamen.

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>