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E-Food im europäischen Vergleich

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Das Geschäft mit E-Food läuft in Deutschland eher schleppend an und erreicht bislang nur einen Marktanteil von rund einem Prozent. In anderen europäischen Ländern erreicht der Onlinehandel mit Lebensmitteln für bestimmte Produktbereiche jedoch bereits zweistellige Prozentanteile.

Dieser Unterschied veranlasste Logistik-Experten der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU) in sechs europäischen Ländern zu untersuchen, welche Konzepte verfolgt werden, um Obst, Gemüse und andere Lebensmittel nicht nur im Filialgeschäft anzubieten. Professor Heinrich Kuhn (Lehrstuhl für Supply Chain Management und Operations an der KU) und Professot Alexander Hübner (Professor für Supply Chain Management und Logistik an der Universität Luxemburg) befrgaten die Top-Manager von zwölf großen Lebensmittelhändlern unter anderem in Deutschland, England, Frankreich und den Niederlanden.

„Der Online-Lebensmittelhandel wächst merklich und wird europaweit ab 2018 voraussichtlich die Umsätze im Online-Elektronikhandel übersteigen. Es wird dabei zum zweitstärksten Online-Marktsegment nach Mode in Europa werden“, erklären die Forscher. Diese Umsatzanteile würden aber nicht ausschließlich von reinen Onlinehändlern getragen, sondern wesentlich von traditionellen, stationären Anbietern, die ihren Kunden Onlinebestellungen als zweiten Bezugskanal ermöglichen. Der Betrieb mehrerer Absatzkanäle etabliere sich damit auch im Lebensmittelsegment zum Vertriebsstandard. Speziell der deutsche Lebensmitteleinzelhandel stehe daher vor der großen Herausforderung, seine etablierten Logistikstrukturen adäquat weiterzuentwickeln, um das stationäre Geschäft marktkonform und kosteneffizient mit dem Onlinegeschäft zu verknüpfen.

Bei ihrer Befragung identifizierten die Logistik-Forscher drei verschiedene Typen von Logistiknetzwerken, die derzeit im Online-Lebensmittelhandel zum Einsatz kommen. Zum einen werden Bestellungen über bestehende, stationäre Strukturen abgewickelt. Online bestellte Ware wird in der Filiale kommissioniert und für Endkunden bereitgestellt. Diese Variante biete sich insbesondere in Regionen mit hoher Filialdichte an, da so kurze Wege zum Endkunden bestehen und wenn – so wie aktuell noch in Deutschland – das Online-Bestellvolumen noch relativ gering ist. Dieser Modelltyp eigne sich daher meist zum Einstieg in das Onlinegeschäft.

„Der Warenbestand in den Filialen ist jedoch meistens nicht ausreichend, um einen Kundenauftrag vollständig zu erfüllen. Hohe Servicegrade können daher mit diesem Modell nicht erzielt werden“, erläutern die Wissenschaftler. Eine Variante des Modells bestehe darin, eigene Pick-up-Stationen aufzubauen, um Wege für die Kunden zu verkürzen. Insbesondere in Frankreich finde dieses Modell mit aktuell rund 4.000 eigenständigen Pick-up-Stationen große Akzeptanz.

Einen höheren Servicegrad und mehr Effizienz bietet die zweite Variante, welche ein eigenständiges Lager für Online-Aufträge nutzt. Dies ermöglicht die Heimzustellung beziehungsweise auch die Abwicklung von Pick-up-Bestellungen. Jedoch sei ein höheres Online-Volumen notwendig, um die notwendigen Investitionen zu rechtfertigen. In kleineren Ländern wie den Niederlanden reiche ein zentrales Distributionszentrum aus, um das gesamte Onlinegeschäft abzuwickeln. Als Ergänzung zu diesem Modell werden zum Beispiel in Portugal verderbliche Produkte wie Fisch oder Fleisch in der Filiale kommissioniert und der Onlinebestellung hinzugefügt.

Die dritte Art von Logistik-Netzwerken integriert sowohl Online-Aufträge als auch die Wiederbefüllung kleinformatiger Filialen, die überwiegend Convenience-Produkte anbieten. Dieses Modell eignet sich vor allem in Stadtlagen wie beispielsweise in London, wo Kunden direkt zum Verzehr geeignete Produkte in der Filiale erwerben und sich die weiteren Produkte nach Hause zustellen lassen.

Die ausführlichen Ergebnisse und Analysen der Studie können hier bezogen werden.

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