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Der Handel rüstet seine Bezahlterminals auf. Aktuell loten verschiedene Projekte Möglichkeiten aus, die kontaktlose Transaktion einfacher und schneller zu gestalten. Wie sich der Markt entwickelt. Text: Eva Neuthinger

Für Vodafone soll das Smartphone zur digitalen Geldbörse werden. Dazu kooperiert der Mobilfunkanbieter mit PayPal und dem Kartenanbieter Visa. Kunden können seit März dieses Jahres ihr Pay-Pal-Konto und ihre Visa-Kreditkarte mit ihrem Smartphone zum Bezahlen einsetzen. Sie laden sich die Wallet-App herunter und halten beim Bezahlen ihr Smartphone an das Kartenlesegerät an der Kasse – und zwar überall, wo kontaktloses Bezahlen mit Visa schon möglich ist. Die Vodafone-App wird nicht geöffnet, es muss auch keine Mobilfunkverbindung bestehen. Nach dem Einkauf bekommen die Nutzer dann eine Benachrichtigung über die Zahlung. Jeder Vorgang wird in Vodafones Wallet-App gespeichert und in einer Transaktionshistorie gelistet.

Einen Schub bekommt das Bezahlen per Smartphone wohl auch durch die Initiative von Payback Pay. Seit Sommer vergangenen Jahres können Kunden mit dem Smartphone-basierten Bezahlverfahren ihre Bons an der Ladenkasse begleichen. Bisher nehmen dm-Drogerie, Real, Galeria Kaufhof, Alnatura und Aral am System teil. „Mit der Payback-App haben wir die Voraussetzungen für eine umfassende Nutzung mobiler Angebote geschaffen. Payback Pay stellt für uns die logische Erweiterung der technischen Mobilität dar“, sagt Christoph Werner, Geschäftsführer Marketing bei dm.

Banken sind aktiv
Der fällige Betrag wird per Lastschrift eingezogen. Die Bankdaten sind weder für Payback noch für die Partner zugänglich und werden auf dem Handy nicht gespeichert. Das passiert nach Angaben von Payback nur beim zertifizierten Zahlungsdienstleister. „Payback Pay hat zwar das Zeug dazu, zum dominierenden mobilen Bezahlverfahren in Deutschland zu werden. Aber wie sich gezeigt hat, ist es auch für Payback noch schwer, nennenswerte Umsatzanteile zu generieren“, sagt Horst Rüter, Zahlungsmarktexperte des EHI Institute in Köln.

Weitere potenzielle Player im Markt sind die Banken.  Gut 14 Millionen Kunden der Genossenschaftsbanken und Sparkassen haben funkfähige Girocards in ihren Portemonnaies. Bis Ende dieses Jahres kommen nochmals 20 Millionen neue Karten dazu. Schätzungsweise im Jahr 2020 soll es nur noch NFC-fähige Girocards geben – das Kürzel steht für Near Field Communication. In der Regel erhalten Kunden die neue Karte automatisch mit dem nächsten turnusgemäß anstehenden Austausch. Ohne sie aus der Hand geben zu müssen – die Karte wird einfach vor das Bezahlterminal gehalten –, kann damit an der Kasse bezahlt werden. Das funktioniert bei Bons bis zu 25 Euro ohne Eingabe der PIN.

„Nach erfolgreicher Markteinführung wird die Girocard in den Alltag des bargeldlosen Bezahlens einziehen, sodass immer mehr Bundesbürger von dieser neuen Bezahlform profitieren können“, erklärt Andreas Martin, Vorstandsmitglied des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) als Federführer der Deutschen Kreditwirtschaft. Das ist erst der erste Schritt. Seit Anfang Dezember 2016 läuft in Hessen ein Projekt zum Bezahlen via Smartphone mit der mobilen Girocard. Bei 100 Testern der Kasseler Bank und der Raiffeisenbank Baunatal wurde die Girocard in digitaler Form auf der SIM-Karte ihres Smartphones hinterlegt. Sie können damit zum Beispiel beim Lebensmitteleinzelhändler Edeka Hessenring bezahlen beziehungsweise bei allen Händlern, die bereits Girocards kontaktlos akzeptieren. Vodafone ist Kooperationspartner des Praxistests.

Handel investiert
Der Kunde lädt die „Girocard“ mobile über seine Banking-App oder die Wallet-App des Telekommunikationsanbieters auf sein Handy. Das Bezahlen am Terminal läuft damit genauso wie bei der Girocard kontaktlos. Anstelle der Bankkarte wird das Smartphone vorgehalten. Übertragen werden die Daten via Near Field Communication. „Wir läuten damit das sichere und bequeme Bezahlen mit dem Smartphone auf Basis der Girocard ein“, so Andreas Martin. Wie das nach Abschluss des Projektes im Sommer dieses Jahres genau aussehen wird, ist noch offen. Alternativ zur SIM-Karte könne die Girocard dann auch über eine auf Software basierende Lösung (HCE, das steht für Host Emulation Card) gespeichert werden.

Der Bundesverband der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken geht aber nicht davon aus, dass die Girocard mobile das kontaktlose Bezahlen per Karte auf absehbare Zeit komplett ersetzen wird. Genauso wenig, wie Scheine und Münzen aus den Geldbörsen der Deutschen verschwinden werden. Denn die Verbraucher bevorzugen nach wie vor das klassische Bezahlen, so eine neue Studie der Beratungsgesellschaft Deloitte: „Selbst die sonst technikaffinen Generationen X, Y und Z greifen lieber zur EC-Karte oder zum Bargeld.“ Generation X steht dabei für die in den 1960ern bis Anfang der 1980er-Jahre Geborenen, Y sind die Jahrgänge zwischen 1980 und 1999, zwischen 1995 und 2010 folgt die Generation Z (siehe: „So sehen es die Verbraucher“). Aufgeschlossener allerdings zeigt sich der Handel, indem er sich auf alle Eventualitäten einstellt.

„Die Unternehmen investieren wesentlich in neue Technologie und werden mittelfristig komplett umrüsten“, weiß Ulrich Binnebößel, verantwortlich für den Bereich Zahlungsverkehr beim HDE. „Mit den neuen NFC-Terminals wird nicht nur die Grundlage für die kontaktlose Kartenzahlung geschaffen. Auch Zahlungen mit dem Smartphone werden auf diese Weise möglich und können leicht angebunden werden.“ Der Experte meint weiter: „Es bleibt allerdings abzuwarten, ob die Kunden auf neue mobile Angebote ansprechen. Wesentlich wird es sein, Mehrwerte zu schaffen, die die Nutzung des Smartphones attraktiv machen  – zum Beispiel die Integration von Kundenbindungsprogrammen, Coupons und Bezahlmöglichkeiten in einem Schritt.“

Kirsten Mohr, Inhaberin von vier Edeka-Märkten in Bonn und Alfter, ist hier schon recht weit. Sie bestätigt ein gesteigertes Interesse der Kunden am mobilen Bezahlen. „Unsere Edeka-App fürs Smartphone wird ganz gut angenommen.“ Die Konsumenten können damit Coupons verwalten und an der Kasse über die App bezahlen. „Wir haben für diese Form des Kassierens in Anzeigen und in unseren Märkten geworben“, sagt Mohr.

So sehen es die Verbraucher
Das Beratungsunternehmen Deloitte hat Ende vergangenen Jahres die Interessen und Bedürfnisse der Konsumenten in puncto Bezahlen mit dem Smartphone ermittelt.
Der Stand: Auch im Jahr 2017 wird Mobile Payment in Deutschland nicht an Fahrt aufnehmen. Die Experten sehen weniger grundsätzliche Berührungsängste als den fehlenden erkennbaren Mehrwert als Grund für die geringe Akzeptanz. Knapp die Hälfte der Befragten gibt letzteren Grund an.
Die Statistik: Bei den über 45-Jährigen haben 97 bis 99 Prozent noch nie per Smartphone bezahlt. Bei den 18- bis 44-Jährigen sind es immer noch zwischen 91 und 95 Prozent. Zurückhaltend zeigen sich alle Altersgruppen.
Die Nutzung: Sinnvoll finden die Verbraucher das Bezahlen per Smartphone am ehesten beim Kauf eines Parkscheins (37 Prozent), von Lebensmitteln (37 Prozent), beim Bezahlen einer Tankrechnung (31 Prozent) und beim Kauf von Mode (29 Prozent).

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