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An der Charmegrenze

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Wie Besucher eine Innenstadt beurteilen, hängt von vielfältigen heterogenen Faktoren ab. Die Studie „Vitale Innenstädte“ zeigt auf, wie die einzelnen Dimensionen wirken – und welchen Einfluss sie haben. Text: Boris Hedde, Geschäftsführer IFH Köln

Die Antworten der für die Studie „Vitale Innenstädte“ befragten rund 58.000 Innenstadtbesucher in Deutschland geben eine Indikation, was besonders gut oder schlecht zu bewerten ist. Es zeigte sich, dass das Stärken-Schwächen-Profil an einzelnen Standorten oft unterschiedlich ausfällt. Dennoch bietet die aggregierte Gesamtbetrachtung erste Ansatzpunkte: Im Durchschnitt der 121 untersuchten Städte in Deutschland offenbart sich, dass die Parkmöglichkeiten und das Freizeitangebot tendenziell am schlechtesten bewertet werden. Dies ist umso erstaunlicher, da gerade das Freizeitangebot vergleichsweise gut und aktiv beeinflusst werden kann.

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Das durchschnittlich am drittschlechtesten bewertete Kriterium sind „Verkaufsoffene Sonntage“. Dies ist besonders relevant, weil gerade in diesem schon vielfach diskutierten Themenfeld aktuell erneut eine intensive Debatte im Gange ist, unter welchen Voraussetzungen und wie oft Standorte eine Sonntagsöffnung anbieten können respektive sollten. Das Dienstleistungs- und Gastronomieangebot sowie die Erreichbarkeit mit dem Pkw schneiden durchschnittlich am besten ab. Hierbei ist jedoch zu konstatieren, dass die Beurteilung nach Standorten und insbesondere nach Stadtgrößen stark differiert und richtig einzuordnen ist.

Barrieren der Attraktivität
Zur Beurteilung, wie stark einzelne Kriterien auf die Gesamtattraktivität eines Standortes einzahlen, sind die einzelnen Bewertungskategorien sowie die separat abgefragte Benotung der Gesamtattraktivität von Standorten im Zusammenhang zu betrachten. Positiv wirken sich vor allem das Ambiente und das Flair einer Innenstadt in all ihren Facetten von der Gestaltung der Gebäude, Plätze und Grünflächen bis hin zu Sauberkeit und Sicherheit aus. Aber auch das Einzelhandels-, Gastronomie- und Freizeitangebot beeinflusst die wahrgenommene Attraktivität einer Innenstadt stark.

Ergänzend sind zudem jene Faktoren nicht zu vernachlässigen, die zwar nicht in der Lage sind, Defizite in anderen Bereichen – zum Beispiel im Einzelhandelsangebot –  zu kompensieren, das heißt, auch nicht positiv auf die Gesamtattraktivität einzahlen können, wohl aber als Barrieren der Attraktivität für den Innenstadtbesuch wirken. Hierzu zählen insbesondere Erreichbarkeit (ÖPNV, Pkw etc.), Öffnungszeiten und Parkmöglichkeiten. Bei Letzteren weisen die untersuchten Städte nach Angaben der Innenstadtbesucher die größten Defizite auf. Entsprechend sind Städte und Kommunen gefordert, besucherfreundliche Lösungen zu erproben.

Einen exemplarischen Ansatz zeigt die Stadt Langenfeld: Kunden können einen „Stadtschlüssel“ bei den Stadtwerken beantragen. Mit Angabe ihre Kontodaten erhalten sie einen Schlüsselanhänger mit Funkchip und QR-Code sowie eine Karte für das eigene Auto. Damit können sie auf jeden öffentlichen Parkplatz mit Schranke fahren, ohne ein Ticket ziehen und bezahlen zu müssen. Der Chip erkennt das Fahrzeug. Gebühren werden gesammelt und monatlich abgebucht. Wer dabei außerdem in teilnehmenden Geschäften einkauft, bekommt Punkte gutgeschrieben, die mit den Parkgebühren verrechnet werden. Ähnliche Lösungen sind auch für andere Erfolgsfaktoren denkbar.

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Eine Zusammenfassung der Studie “Vitale Innenstädte” finden Sie unter:
bit.ly/summary-vitale-innenstädte

 

Brötchentaste wirkt

Text: Michael Reink, HDE-Bereichsleiter Standort- und Verkehrspolitik

Über Jahrzehnte galten die Begriffe „Sicherheit, Sauberkeit, Erreichbarkeit“ als die entscheidenden Faktoren für die positive Entwicklung der Handelslagen. Diesbezüglich wurden harte und oft langwierige Debatten mit den Verantwortungsträgern in den Kommunen geführt. Nun treten aus Kundensicht andere Faktoren in den Mittelpunkt. Ist das ein Ausdruck der Verkehrswende oder haben plötzlich alle Kommunen ihre Hausaufgaben gemacht?

Zunächst bleibt festzuhalten, dass der Kundenwunsch immer oberste Priorität besitzt. Weder das Parken an sich noch die Pkw-Erreichbarkeit zahlen laut der rund 60.000 befragten Kunden auf die Gesamtbewertung der Attraktivität eines Standortes ein. In den Metropolen wie Berlin ist dies nachvollziehbar, fahren doch immer mehr Kunden mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder nutzen Carsharing-Modelle mit zum Teil privilegierten Parkmöglichkeiten. In Städten mit einer eher unterdurchschnittlichen Quote der Nutzer öffentlicher Verkehrsmittel ist dies jedoch erstaunlich, da die Kunden bevorzugt mit dem Pkw in die Innenstädte kommen.

Bei genauerer Betrachtung fällt auf, dass die Pkw-Erreichbarkeit meist gut bewertet wird, während das Parken schlechte Noten erhält. Demnach gilt es insbesondere, das Parken attraktiver zu gestalten. Langenfeld zeigt eine innovative Lösung, aber auch die sogenannte „Brötchentaste“ (unentgelt­liches Kurzzeitparken) hat sich als wirkungsvoll erwiesen. Einige Städte, wie beispielsweise Bergkamen, verzichten sogar vollständig auf Parkgebühren.
Jedoch sollten wir eines nicht übersehen: Aus Kundensicht gibt es viel wichtigere Punkte, um die Attraktivität unserer Innenstädte zu erhöhen. Somit bleiben die gute Erreichbarkeit und Parkmöglichkeiten zwar weiterhin relevant, jedoch müssen die Arbeitsschwerpunkte nachjustiert werden.

Michael Reink, Bereichsleiter Standort- und Verkehrspolitik. © Die Hoffotografen GmbH Berlin

Michael Reink, Bereichsleiter Standort- und Verkehrspolitik. © Die Hoffotografen GmbH Berlin

 

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