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Drei plus für Deutschlands Innenstädte

© Fotolia/M. Hofmann

Die Innenstadtlagen des Landes erhalten von ­ihren ­Besuchern im Schnitt die Note 2,7. Das zeigt die Untersuchung Vitale Innenstädte, die das IFH Köln in über 120 deutschen Städten durchgeführt hat. Welche Citys besonders gut abschneiden, ist das Thema des dritten Teils unserer Serie.
Text: Boris Hedde, Geschäftsführer IFH Köln

Dass die wachsende Zahl von online getätigten Einkäufen die Besucherfrequenz in Stadtzentren beeinflusst, ist bekannt und wird von der Untersuchung „Vitale Innenstädte“ belegt. So geben 19 Prozent aller befragten Passanten an, aufgrund des vorhandenen Online-Angebots die Innenstadt seltener zu besuchen. In Städten mit einer Einwohnerzahl von 200.000 bis 500.000 sind es sogar 22 Prozent der Innenstadtbesucher. Die zunehmende Online-Affinität wirkt sich zudem auf die Wahrnehmung von Stadtzentren aus. So vergeben die Passanten, die aufgrund von vermehrten Onlinekäufen seltener zum Shoppen in die City fahren, im Schnitt die Note 2,8 für die Attraktivität der von ihnen besuchten Innenstadt. Jene Personen, die zwar online shoppen, aber unverändert häufig in die Innenstadt fahren, bewerten „ihre“ City mit einer 2,6.

Unterschiede zeigen sich ebenfalls beim Blick auf jene Passanten, die die Innenstadt ihres Wohnortes besuchen, und jenen, die einen Ausflug in eine andere Stadt machen. So empfinden Besucher von auswärts die jeweilige City im Schnitt etwas attraktiver als einheimische Passanten.

Die „blühenden Landschaften“ in den neuen Bundesländern scheinen nicht zuletzt in ihren Innenstädten Gestalt anzunehmen. So erhielten die untersuchten Stadtzentren in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen in puncto Attraktivität im Schnitt die Note 2,4. Die Innenstädte in den alten Bundesländern landen dagegen sehr knapp unter dem Durchschnitt aller im gesamten Bundesgebiet untersuchten Städte. Hier stellt sich die Frage, ob und wie sich je nach Region und Standort die Erwartungshaltungen der Menschen in puncto Attraktivität unterscheiden. Wenn diese genauer bekannt sind, haben Städte die Chance, sich im Standortwettbewerb besser zu positionieren und dadurch mehr Besucher anzulocken.

Die positive Wahrnehmung der Innenstädte in den neuen Bundesländern spiegelt sich auch in der Liste der Top-Performer wider: In den jeweiligen Größenklassen können sich Leipzig, Erfurt, Heidelberg, Hilden und Quedlinburg an die Spitze setzen. Somit landet in drei von fünf Größenklassen eine Stadt aus den neuen Bundesländern auf dem ersten Platz. Im Vergleich mit den anderen untersuchten Städten ihrer Kategorie können diese Top-Performer in Sachen Innenstadtattraktivität besonders punkten.

Leipzig belegt nicht nur in der Kategorie über 500.000 Einwohner den ersten Platz, sondern erhält auch über alle Städte hinweg die Bestnote für die Gesamtattraktivität. Besucher schätzen insbesondere die gute Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln und das umfassende Gastronomieangebot mit insgesamt 120 Betrieben im Citybereich, aber auch das Kultur- und Freizeitangebot mit insgesamt 50 verschiedenen Einrichtungen, wie Kinos, Theater oder Museen, und das Einzelhandelsangebot. Leipzig erhält zudem Top-Noten in puncto Ambiente und Flair – ein Faktor, der sich wesentlich auf die Gesamtattraktivität eines Stadtzentrums auswirkt. Hier kann die größte Stadt im Freistaat Sachsen dank des historischen Stadtkerns und vieler Sehenswürdigkeiten, wie der berühmten Thomaskirche oder dem Alten Rathaus, seine Besucher begeistern.

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Auch Quedlinburg, Sieger in der Größenklasse bis 25.000 Einwohner, spielt seine Stärke in puncto Ambiente und Flair gut aus und erreicht über alle Städte hinweg die Bestnote in dieser Kategorie. Die zum UNESCO-Weltkulturerbe zählende historische Altstadt mit über 1.200 Fachwerkhäusern beeindruckt Besucher offenbar besonders. Weitere Faktoren, die wesentlich zum Charme Quedlinburgs beitragen, sind die Grünflächen und Parks sowie die Lebendigkeit der Innenstadt, die unter anderem durch gut besuchte Stadtfeste und Wochenmärkte geprägt wird. Dafür sprechen auch die jährlich 175.000 Übernachtungstouristen der Stadt.

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Daran wird deutlich, wie wichtig es ist, in das Ambiente zu investieren. Dazu gehören baulich ansprechende Stadträume sowie attraktiv gestaltete Verweilmöglichkeiten. Zudem kommen den Themen Einzelhandel und Freizeitgestaltung eine besondere Rolle zu.

Vielfach können Städte jedoch nicht ohne Weiteres mit attraktiven Sehenswürdigkeiten oder herausragenden Bauten punkten – weil sie schlichtweg keine haben. Dass dies durch andere Faktoren ausgeglichen werden kann, belegt das zwischen Köln und Düsseldorf gelegene Langenfeld. Architektonisch vermag die Stadt kaum zu glänzen. Dafür punktet sie mit Handel und kann dadurch gestalterische Schwächen nicht nur ausgleichen, sondern wird von ihren Besuchern auch auf verschiedenen anderen Ebenen als attraktiv eingestuft. Das zeigt die überdurchschnittliche Gesamtbewertung mit der Note 2,4.

Langenfeld belegt, wie wichtig es für Städte ist, ihr Standortprofil zu kennen und auf eigene Stärken zu setzen. Denn das ist, dies hat die Untersuchung „Vitale Innenstädte“ deutlich gezeigt, ein für alle Kommunen geltendes Erfolgsrezept.

Eine Zusammenfassung der Studie “Vitale Innenstädte” finden Sie hier.

 

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Leipzig in ganzer Pracht. Anklicken zum Vergrößern. © Getty Images/Moment RF

Der Osten leuchtet

Text: Michael Reink, HDE-Bereichsleiter Standort- und Verkehrspolitik

Beste Bewertungen für ostdeutsche Innenstädte – wer hätte das gedacht? Lieben denn die Kunden in Ostdeutschland ihre Innenstädte mehr als im Rest der ­Republik? Oder sind Städte wie Leipzig oder Quedlinburg grundsätzlich besser aufgestellt?

Gut, von nichts kommt nichts, sodass die Stadtväter und -mütter vieles richtig gemacht haben. Vermutlich profitieren diese Städte jedoch auch von dem grundlegenden Imagewandel, den die Städte Ostdeutschlands vollzogen haben. Das Wohnideal lag vor der Wende auf keinen Fall in den Innenstädten; Waren mussten nicht am hochfrequenten Standort Innenstadt verkauft werden und der allgemeine bauliche Zustand konnte häufig als „desolat“ beschrieben werden. Das Image rangierte meist am unteren Ende der Skala.

Sprich: Hier hat sich in den letzten 27 Jahren, unter anderem im Zuge der Sanierungsmaßnahmen, vieles zum Besseren verändert. Man kann wieder stolz auf die eigene Innenstadt sein. In Anbetracht des hohen Stellenwertes schöner Gebäude für die Gesamtattraktivität erweist es sich nun als Vorteil, seinen Bürgern und Kunden vielerorts pittoreske bauliche Situationen bieten zu können.

Doch es gibt weitere Parameter, die über die Attraktivität einer Innenstadt bestimmen: Themen wie Sauberkeit, Sicherheit oder Erreichbarkeit haben ihren Stellenwert nicht eingebüßt. Sie werden von den Kunden einfach vorausgesetzt. Falls es hier zu Missständen kommt, hilft auch das schönste bauliche Ensemble nichts.

Aber wer trägt die Verantwortung: die Kommunen, die Immobilieneigentümer, der Handel? Wie so häufig, greifen die Themen der Innenstadt- und Handelsentwicklung ineinander. So habe ich mich über die Immobilienentwickler gefreut, die mir auf unserem Handelsimmobilienkongress Anfang Februar erstaunt mitteilten, dass einige Handelsmieter mittlerweile von ihnen verlangen würden, sie sollten nicht nur die Verkaufsräume, sondern auch die Fassaden ihrer Gebäude in Ordnung bringen. Die Händler hätten ihnen gegenüber erklärt, dass auch das Erscheinungsbild der Gebäude den Handelsstandort prägen würde. Dies zeigt: Der Handel hat verstanden – und zwar bundesweit.

Michael Reink, Bereichsleiter Standort- und Verkehrspolitik. © Die Hoffotografen GmbH Berlin

Michael Reink, Bereichsleiter Standort- und Verkehrspolitik. © Die Hoffotografen GmbH Berlin

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