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Die Macht der Meinungsmacher

© APPRL

Im Onlinehandel wird Content-Marketing immer wichtiger. Neue digitale Werkzeuge machen es möglich, die von Markenbotschaftern erstellten Inhalte direkt mit Webshops zu ­verbinden – um so deren Reichweite und Umsatz zu steigern.
Text: Lara Sogorski

Wer geht schon gerne allein shoppen? Zumindest hilft es oft, von einem guten Freund oder Bekannten zu hören, ob einem die neue Hose wirklich steht oder welches Oberteil am besten zum schwarzen Rock passt. Auch beim Onlineshopping lassen sich viele Käufer von den Empfehlungen und Meinungen anderer beeinflussen. Dabei haben in der Vergangenheit neben Lifestylemagazinen vor allem Blogger an Bedeutung gewonnen. Händler können von der Macht dieser Meinungsmacher profitieren.

Werbefachleute sprechen von Influencer-Marketing, wenn Personen der Internetöffentlichkeit, die eine hohe Anerkennung bei ihren Followern genießen, von Unternehmen als Markenbotschafter und Multiplikatoren eingesetzt werden. „Die Leute vertrauen der Meinung und Einschätzung solcher Personen. Das können sich Händler wiederum zunutze machen, um für ihre Produkte zu werben und Käufer zu generieren. Wir sprechen beim Influencer-Marketing also von der Monetarisierung von Vertrauen“, erklärt Oliver Kling, Experte für digitale Strategien in Marketing und Vertrieb bei der E-Commerce-Agentur Dotsource.

Inhalte „shoppable“ machen
Ein passendes Werkzeug für die praktische Umsetzung liefert dazu beispielsweise das Start-up APPRL aus Schweden. Das junge Unternehmen der Gründer Gustav Gisseldahl und Martin Landén hat ein Tool entwickelt, mit dem Premiummedien und digitale Influencer, wie Blogger aus dem Mode- und Lifestylebereich, ihre Webseiten zu E-Commerce-Plattformen machen können, indem sie die Produkte, die sie vorstellen, direkt mit den Verkaufsseiten der entsprechenden Onlinehändler verlinken. Begeistert sich ein Leser für ein bestimmtes Teil, kann er sich also mit einem Klick direkt zum Shop des Retailers begeben.

„Damit eröffnen wir Händlern einen neuen Marketingkanal“, erklärt Gisseldahl. Der sei – so wirbt APPRL – 20- bis 40-mal effektiver als traditionelle Displaywerbung. Die Influencer erhalten im Gegenzug eine Vergütung. „Wir erschließen Influencern und Digitalmagazinen neue Umsatzmöglichkeiten, indem wir es sehr einfach machen, kaufbaren Inhalt bereitzustellen“, erklärt Gisseldahl. Für Marken und Händler biete man andererseits eine Lösung, mit der Produkte durch Topinfluencer und Premium-Lifestylemedien beworben werden, was zu tatsächlichen Ergebnissen führe.

Mit den Anwendungen von APPRL lassen sich in Texten oder Bildcollagen direkte Links zu den Produktshops der Händler einbauen. Blogger und Medien können sich auch einen eigenen Shop einrichten, der die einzelnen Produkte mit Beschreibung und Preis gesammelt aufführt. Klickt der Nutzer auf den Kaufbutton, wird er ebenfalls direkt auf das Angebot des jeweiligen Händlers weitergeleitet. Marken wie Ginatricot, Saint Laurent Paris oder Mr. Porter sind bereits dabei. Und das Unternehmen will weiter wachsen. Dazu konnte es zuletzt eine Fördersumme von 1,25 Millionen Euro von Investoren einsammeln, darunter als größter Geldgeber Spintop Ventures. „Wir werden die Mittel einsetzen, um beispielsweise in Zukunft unsere Daten effektiver zu nutzen. Damit können wir Retailer, Marken und Medien besser unterstützen, ihre Zielgruppen zu verstehen“, sagt Landén.

Alternative Tools für Retailer
Ein vergleichbares Tool kommt von dem Hamburger Start-up Squarelovin. Mit diesem können Händler auf Instagram nach Userfotos ihrer eigenen Produkte suchen, die Nutzungsrechte einholen und die Fotos mit selbst geschriebenem Text in den eigenen Kanälen veröffentlichen. Auch hier lässt sich mithilfe der Anwendung ein Link zum eigenen Produktshop hinzufügen. Auf der Webseite des Unternehmens kann man nachlesen, wie beispielsweise die Uhrenmanufaktur Paul Hewitt das Tool erfolgreich einsetzt.

„Für Retailer geht es heute zunehmend darum, wie sie den User-generated-content aus den sozialen Netzwerken für sich nutzbar machen können“, sagt Kling. Dadurch lasse sich auf relativ einfache Weise die Reichweite erhöhen, zusätzlicher Traffic für die eigene Firmenhomepage erzielen und in den meisten Fällen auch die Verkaufsrate deutlich steigern. Allerdings funktioniere diese Art des Marketings eher für Produkte mit wenig Erklärungsbedarf. Je technisch aufwendiger und spezieller eine Sache sei, desto schwieriger sei auch die Vermarktung über soziale Netzwerke, meint der Experte.

Sender der Wahl für Marken und Botschafter ist häufig YouTube, weiß Matthias Bannert, CEO des Beratungsunternehmens B00st.me für Influencer-Marketing. „YouTube eignet sich für viele Produkte und bringt eine sehr große Reichweite mit.“ Für Händler interessant sei beispielsweise eine sogenannte „Unboxing-Kampagne“, bei der ein bekannter Influencer ein Produkt vor laufender Kamera auspackt, kennenlernt und das Publikum an seiner Erfahrung teilhaben lässt. Auch hier kann entweder ein Link auf den Händlershop direkt im Video oder in der Beschreibung darunter platziert werden. „Bei der Wahl des richtigen Testimonials muss man aber darauf achten, dass es tatsächlich zu den eigenen Produkten passt und die richtige Zielgruppe mitbringt. „Das“, so Bannert, „ist manchmal gar nicht so einfach.“

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