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Schutz syrischer Arbeiter in der Türkei

© Ulrich Perrey

Der internationale Handelsverband FTA (Foreign Trade Association) hat gemeinsam mit der Otto Group, El Corte Inglés, Esprit, anderen Mitgliedsunternehmen und Teilnehmern der Business Social Compliance Initiative (BSCI) die Herausforderung angenommen, die Arbeitsbedingungen syrischer Arbeiter in der türkischen Lieferkette zu verbessern.

Zum Auftakt versammelten die Initiatoren einflussreiche Stakeholder zu einem Expertenforum in Hamburg, darunter Unternehmen, UN-Sonderorganisationen, NGOs, Wissenschaftler und Think Tanks. Die Teilnehmer diskutierten gemeinsame Lösungsansätze und einigten sich auf einen Fahrplan für gemeinsames Handeln. Auf dieser Grundlage soll in den kommenden Wochen ein Multi-Stakeholder-Aktionsplan vorgestellt werden, als Teil einer längerfristig orientierten Strategie zur Verbesserung der Situation syrischer Arbeiter in der Türkei.

„Wenn die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und anderen Stakeholdern über Diskussionen hinaus in gemeinsames Handeln mündet, liegt darin ein enormes Potenzial”, sagte Christian Ewert, Generaldirektor der FTA in seiner Eröffnungsrede des Multi-Stakeholder-Forums. „Wir sind heute hier, weil unsere Mitglieder von der Kraft von Partnerschaften und Zusammenarbeit überzeugt sind und sich weiter dazu bekennen, würdige und menschenrechtskonforme Arbeitsplätze in der Türkei zu sichern. Und weil dies eine Aufgabe ist, die Unternehmen trotz aller besten Absichten nicht alleine bewältigen können.”

Nach aktuellen Schätzungen arbeiten derzeit zwischen 250.000 und 400.000 Syrer in der türkischen Bekleidungsindustrie. Die Zahl der im Jahr 2016 insgesamt an syrische Arbeitnehmer ausgegebenen Arbeitsgenehmigungen liegt jedoch in allen Branchen zusammengenommen lediglich bei rund 13.000. „Es gibt immer noch einen großen informellen Sektor mit zum Teil prekären Arbeitsbedingungen”, sagte Ewert. „Unternehmen, die sich auf die Einhaltung der Arbeitsrechte in ihren Lieferketten verpflichtet haben, sehen dies mit großer Sorge.”

Für türkische Unternehmen liegen die Kosten für die legale Beschäftigung eines syrischen Arbeiters deutlich höher als die nur rund 150 Euro für die Arbeitsgenehmigung selbst. So ist darüber hinaus der Arbeitgeber verpflichtet, alle Dokumente und Schilder in der Fabrik in eine Sprache zu übersetzen, die der Arbeiter versteht und ihn in seiner Sprache einzuarbeiten und zu schulen. Auch wenn diese Maßnahmen sinnvoll sind: Die Folge sind deutlich höhere Gemeinkosten für die Unternehmen, selbst wenn nur wenige ausländische Arbeiter eingestellt werden.

„Die größte Herausforderung für Unternehmen in der Türkei ist Transparenz über die First-Tier-Lieferanten hinaus”, sagte Maren Barthel, Corporate Social Responsibility Manager bei der Otto Group. „Um wirklich tief in die Lieferkette einzutauchen, brauchen wir ein stärkeres Engagement und bessere Zusammenarbeit zwischen Partnern. Nur mit einer gemeinsamen Anstrengung können wir auch ausbeuterische Zustände feststellen, die nicht auf den ersten Blick sichtbar sind.”

Auf dem Hamburger FTA-Stakeholder-Forum diskutierten prominente Experten zum Thema Migration in der Türkei, wie Dr. Emre Eren Korkmaz (International Migration Institute der Universität Oxford), Alpay Celikel (Fair Labor Association) und Pindie Stephen (International Organization for Migration) Möglichkeiten, dieses komplexe Problem zu lösen. „Es ist klar, dass eine komplexe Aufgabe wie diese eine gemeinsame Anstrengung von türkischer Regierung, lokalen Unternehmen, EU-Institutionen und nationalen und internationalen Organisationen erfordert”, betonte Korkmaz. „Deshalb begrüße ich sehr, dass mit dieser Veranstaltung ein Anstoß von der FTA und den Unternehmen selbst kommt. Mit dieser Initiative hat die FTA eine strategische Plattform geschaffen um Möglichkeiten auszuloten, wie interne und externe Zusammenarbeit zu mehr Verbesserungsmaßnahmen vor Ort führen kann und die Rechte und das Wohl syrischer Arbeiter wirklich geschützt werden können.”

Im Anschluss an die Veranstaltung arbeiten die Organisatoren einen gemeinsamen Aktionsplan aus. Dieses Dokument soll in den kommenden Wochen präsentiert werden. Ziel ist, eine Grundlage zu schaffen, um wichtige Entscheider anzuleiten und gezielt auf sie Einfluss zu nehmen, damit die Arbeitsrechte syrischer Arbeiter in der Türkei besser geschützt werden.

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