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Im ­Visier des Bundesrechnungshofs

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Zugegeben, es ist ein Wortungetüm, aber eines mit steuersparender Wirkung: Mittels des Investitionsabzugsbetrages (IAB) können steuermindernde Betriebsausgaben in Höhe von bis zu 40 Prozent der für die kommenden Jahre geplanten Investitionen vorgezogen werden.
Text: Christoph Iser, Steuerberater

Der Hintergedanke: Man spart Steuern, um für die eigentliche Investition mehr liquide Mittel zur Verfügung zu haben. Selbst wenn über die Jahre hinweg nicht weniger Steuern anfallen sollen, wie es beispielsweise bei Kapitalgesellschaften aufgrund des gleichbleibenden Tarifs der Fall ist, kann die Steuerminderung Jahre früher eingestrichen werden.

Nutzen können den IAB alle Betriebe, deren Betriebsvermögen nicht über 235.000 Euro oder deren Gewinn nach der Einnahmeüberschussrechnung nicht über 100.000 Euro beträgt. Zwar ist der IAB in der Summe auf 200.000 Euro begrenzt, allerdings kann er bereits für Investitionen der kommenden drei Jahre angesetzt werden.

Progressionssteigerungen ausbremsen
Dass von der Regelung zahlreiche Steuerpflichtige profitieren, zeigt nicht zuletzt eine aktuelle Forderung des Bundesrechnungshofes (Bemerkungen 2016, Band I, Nr. 61), der vehement für eine Beschränkung des IAB plädiert. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wird es jedoch aufgrund der Bundestagswahl vor 2018 keine Änderungen geben. Ob dann die Rufe des Bundesrechnungshofs politisch Gehör finden, scheint aktuell eher unwahrscheinlich.

Umso erfreulicher, dass seitens des Bundesfinanzhofs (BFH) Urteile zu verzeichnen sind, die den IAB noch attraktiver machen. So ist mittlerweile geklärt (Az.: X R 4/13), dass ein für eine bestimmte Investition gebildeter IAB auch innerhalb des dreijährigen Investitionszeitraums aufgestockt werden kann. Auf diese Weise können Progressionssteigerungen ausgebremst werden und eine Steuerminderung kann zielgerichtet erfolgen. Mittlerweile gibt sich die Finanzverwaltung geschlagen und erkennt die positive Rechtsprechung an.

Damit aber nicht genug: Entgegen dem ausdrücklichen Willen des BFH hat das Bundesfinanzministerium in seinem Schreiben vom 20.11.2013 (Az.: IV R 9/14) klargestellt, dass der IAB auch genutzt werden kann, um eine Gewinnerhöhung aufgrund einer Betriebsprüfung zu kompensieren. Der IAB kann daher faktisch die prüfungsbedingte Nachzahlung abmildern oder sogar eliminieren.

Last, but not least hat der BFH sogar den generationenübergreifenden IAB möglich gemacht. Unter dem Aktenzeichen IV R 14/12 ließ das Gericht die Gewinnminderung eines IAB zu, obwohl die Investition nicht mehr vom Steuerpflichtigen selbst, sondern durch seinen Sohn realisiert wurde, auf den der Betrieb mittlerweile mittels vorweggenommener Erbfolge übergegangen war. All dies zeigt klar, dass der IAB zahlreiche Steuervorteile ermöglichen kann – er muss nur genutzt werden.

 

© Privat

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Christoph Iser ist selbstständiger Steuerberater in Düsseldorf. Er hält für namhafte deutsche Unternehmen Seminare und Vorträge über das deutsche Steuerrecht. Neben zahlreichen Publikationen in Magazinen hat er das Fachbuch „Steuerrecht in Fragen und Antworten“ (Schäffer-­Poeschel) veröffentlicht.

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