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Blogger schlägt Banner

© Getty/Ikon

Händler setzen im Netz zunehmend auf ­Multiplikatoren und Meinungsmacher: Influencer Marketing erreicht relevante Zielgruppen und vermeidet Streuverluste. Text: Florian Sievers

Eine Produktbesprechung hier, eine Empfehlung dort: Seit einiger Zeit berichten deutsche Blogger vermehrt über die Angebote der Parfümeriekette Douglas, das Sortiment des Modehändlers Topshop oder die Neuheiten des Teeversandhandels 5 Cups And Some Sugar – gut für die Einzelhändler, denn schließlich verfolgen Internetnutzer ihre Lieblingsblogs meist besonders aufmerksam. „Die Firmen erreichen auf diese Weise nicht nur neue Zielgruppen. Die Nutzer sind dabei auch im Entdeckermodus“, glaubt Jan Homann, einer der Gründer und Geschäftsführer von Blogfoster. Das Startup aus Berlin unterstützt Händler dabei, die eigenen Sortimente in angesehenen Fachblogs zu platzieren. Das Prinzip hinter solchen Werbemaßnahmen ist nicht neu: Unternehmen wollen über mediale Präsenz abseits der klassischen Werbeblöcke ihren Absatz ankurbeln. Bei klassischen Medien mussten die PR-Abteilungen allerdings nur eine Handvoll einflussreicher Multiplikatoren bearbeiten, damit ihre Produkte in Artikeln oder TV-Sendungen auftauchten. In den digitalen Medien senden dagegen oft nur noch kleine, dafür aber sehr engagierte Spezialkanäle für spitze Zielgruppen – von Fachblogs über themenzentrierte Youtube-Formate bis zum twitternden Experten. Für ein Unternehmen wäre es ein zu großer Aufwand, Kontakte zu den Produzenten all dieser Formate aufzubauen, um dann deren Leser und Zuschauer zu erreichen.

homann_blogfoster„Die Firmen erreichen nicht nur neue Ziel­gruppen. Die Nutzer sind dabei auch im ­Entdeckermodus.“
Jan Homann, Geschäftsführer Blogfoster

Blogfoster hingegen bündelt die Formate: Über die hauseigene Onlineplattform verbindet der Dienstleister werbetreibende Unternehmen mit einem Pool von rund 8 500 Bloggern, die sich nach Themenbereichen wie Sport, Mode, Kosmetik oder Technik sortieren. Die Werbetreibenden schreiben über Blogfoster ihre Kampagnen aus. Die registrierten Blogger können sich darum bewerben, die Produkte der Kampagnen in ihren Blogs zu präsentieren. Blogfoster bestimmt Umfang, Format und Zeitraum der Präsentation. Wenn beide Seiten handelseinig werden, erhalten die Blogger ein Honorar. Die mit „Werbung“ markierten Texte verfassen sie dabei selbst, um ihre Glaubwürdigkeit bei der Leserschaft nicht zu verspielen. So erreichen die Werbetreibenden zwar kein Massenpublikum, aber die für sie interessanten Zielgruppen.

Vernetzung und Markenbewusstsein
Das Angebot von Blogfoster ist Teil einer neuen Marketingstrategie, die innerhalb der Werbebranche als vielversprechend gilt: Influencer Marketing setzt nicht auf die Strahlkraft von Prominenten, sondern auf Social-Media-Nutzer, deren Blogartikel, Youtube-Clips, Instagram-Fotos, Twitter-Kommentare oder Facebook-Posts im Netz eine gewisse Popularität und Glaubwürdigkeit genießen. Für Einzelhändler werden diese Kanäle zunehmend interessanter, denn herkömmliche Internetwerbung, wie Banner-, Suchmaschinen- oder E-Mail-Marketing, funktioniert immer weniger. Nach einer Studie von Kantar TNS wird Onlinewerbung mittlerweile von 38 Prozent aller Nutzer ignoriert. Viele Nutzer verwenden Adblocker und versuchen, sich von Onlinewerbung abzuschotten.

Dr-Mirko-Warschun„Unsere Marktanalysen zeigen, dass Influencer Marketing vor einem fortgesetzten Wachstum steht.“
Mirko Warschun, Leiter Fachbereich Konsumgüterindustrie und Handel in Europa, Mittler Osten und Afrika bei A.T. Kearney

Doch die Abwehrmaßnahmen lassen sich mit persönlichen Empfehlungen, Produktbesprechungen, Affiliate-Links oder Tutorials von Influencern überwinden, denn diese genießen weit größeres Vertrauen als konventionelle Werbebotschaften. Marketinggesteuerte Empfehlungen, die Konsumenten einander gegenseitig geben, generieren laut einer McKinsey-Studie mehr als doppelt so viele Verkaufsentscheidungen wie herkömmliche Werbung.

„Unsere Marktanalysen zeigen, dass Influencer Marketing vor einem fortgesetzten Wachstum steht“, betont Mirko Warschun, Leiter Fachbereich Konsumgüterindustrie und Handel Europa, Mittlerer Osten und Afrika bei A.T. Kearney. Der Experte erwartet, dass die Ausgaben für Influencer Marketing bis 2020 weltweit um nahezu das Vierfache steigen werden: von derzeit 2,7 auf 10,4 Milliarden Euro. Wie effizient das Geld eingesetzt wird, ist dabei nicht ganz leicht zu ermitteln. Unternehmer müssen dafür sowohl quantitative Kennzahlen erheben als auch qualitative Merkmale, wie etwa den Tonfall von Nutzerkommentaren, berücksichtigen.

Objektive Informationen
Mit der Einheit Cost-per-Reader (CPR) bietet Blogfoster nach eigener Aussage eine Kennzahl an, mit der sich der quantitative und der qualitative Erfolg von Influencer -Marketing objektiv ermitteln lässt. Blogger installieren dafür eine Software, die den Verkehr auf ihren Seiten detailliert erfasst. So wissen sie, welche Besucher woher auf welchen Seiten ihres Blogs landen, wie lange sie dort bleiben und was sie dort tun. Ab 2017 will Blogfoster neben Blogs auch andere Influencerkanäle, wie Facebook, Youtube, Twitter und Snapchat, ins Boot holen. Nur ein Format können werbetreibende Unternehmen bei dem Anbieter dann nicht mehr buchen: einfache Banner, die Nutzern massenhaft und ungefragt entgegenblinken. Laut Blogfoster-Geschäftsführer Jan Homann bringt dieses Werbeformat weder dem Blogger noch dem Werbetreibenden Vorteile. „Die herkömmliche Bannerwerbung“, glaubt Homann, „ist am Ende.“

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