Alle Informationen für den Handel

Agenda

Vermessung der Shopperseele

© Luhrenberg/Getty

Mit der Studie „Vitale Innenstädte 2016“ verfügt das IFH Köln über eine aussagekräftige Datenbasis, um das Einkaufsverhalten in deutschen Innenstädten umfassend abzubilden. Text: Boris Hedde

Demografischer Wandel, Digitalisierung und verändertes Konsumentenverhalten fordern den Handel der Zukunft heraus. Aktuell jedoch stehen die Stadtzentren im Fokus. Nicht umsonst beschäftigt die Sorge vor Verödung und aussterbenden Innenstädten regelmäßig die Medien. Was fehlt, sind Informationen zur Analyse und Planung zukunftsweisender Innenstadtkonzepte.

Mit unserem Projekt „Vitale Innenstädte“ sind wir 2016 erneut der Frage nach der Rolle der Innenstädte auf den Grund gegangen. Nachdem sich 2014 62 Städte aus allen Regionen und verschiedenster Ortsgrößen beteiligt und die Ergebnisse sowohl bundesweit als auch regional sehr große Resonanz gefunden hatten, haben wir die Untersuchung 2016 erneut durchgeführt. Alle deutschen Städte waren aufgerufen, teilzunehmen – 121 davon konnten wir gewinnen.

Basis für Standortstrategie
Insgesamt befragten wir in den teilnehmenden Städten an zwei Erhebungstagen 60 000 Innenstadtbesucher. Im Zentrum der Analyse standen die Besucherstruktur, Wünsche und Anforderungen der Innenstadtbesucher, ihr Einkaufsverhalten sowie die Einschätzung der Zukunftsperspektiven des jeweiligen Befragungsortes. Die Koordination und Durchführung der Befragungen erfolgte durch Einzelhandelsverbände, Stadtverwaltungen oder Stadtmarketingorganisationen.

Die gewonnenen Informationen können Grundlage zur Analyse, Planung und Umsetzung zukunftsweisender Innenstadtlösungen sein. Zudem lassen sich daraus Strategien zur dauerhaften Attraktivitätssicherung der Standorte entwickeln sowie stichhaltige Argumentationslinien gegenüber den Stakeholdergruppen in den jeweiligen Innenstädten ableiten.

Die zentralen Ergebnisse unserer Studie sind auf der folgenden Doppelseite als Infografiken zusammengefasst. Im weiteren Verlauf der Serie „Vitale Innenstädte“ werden handelsjournal und IFH Köln Detailergebnisse nach Stadtgrößen und Ortslagen veröffentlichen.

 

Handel bleibt Motor

So rasch die Veränderungen im Zuge der Digitalisierung auf uns zukommen, so schnell kann sich das Kundenverhalten verändern. Daher ist es gut, dass das IFH nach 2014 auch im Jahr 2016 wieder die größte bundesweite Kundenbefragung durchgeführt hat.

Text: Michael Reink, HDE-Bereichsleiter Standort- und Verkehrspolitik

Die Bewertung der Innenstädte bleibt mit der Note 3+ weiterhin unbefriedigend. Dieser Wert reicht nicht aus, um die Kunden durch die Attraktivität der Handelslage für den stationären Einkauf zu begeistern. Auf der anderen Seite werden bundesweit Frequenzverluste in den Innenstädten festgestellt, die teilweise mit einem arrondierenden Handelsangebot einhergehen. Diese negativen Kennziffern haben jedoch bisher keine Auswirkung auf die Bewertung der Städte, sodass eine stabile Entwicklung festzuhalten ist.

Die höchste Relevanz für die Bewertung der Attraktivität der Innenstädte hat aus Kundensicht der Faktor „Ambiente/ Flair“. Mit einigem Abstand folgt der Handel, der mit einer ähnlichen Zufriedenheit benotet wurde. Dies stellt den Wert des Handels als wesentlichen Motor der Innenstädte heraus. Zugleich gewinnt das Thema Baukultur nochmals an Bedeutung. Die Einflussmöglichkeiten des Handels auf diesen Faktor sind begrenzt, weshalb hierzu ein intensiver und konstruktiver Austausch mit den Stakeholdern der Innenstadtentwicklung geführt werden muss.

Daher hat der Handelsverband Deutschland bereits im Jahr 2014 mit der Bundesstiftung Baukultur den „Handelsdialog Baukultur“ etabliert, der einen kontinuierlichen Austausch und die Vermittlung der Notwendigkeiten des Handels garantiert.

Die Bedeutung des Onlinehandels hat sich von 2014 bis 2016 kaum verändert. Dies ist umso erstaunlicher, als die Innovationen im Onlinehandel auf eine positive Wirkung bezüglich des Endverbrauchers zielen. Zudem wächst der Onlinehandel seit Jahren zweistellig, mit dadurch wachsenden Anteilen am Gesamtumsatz des Einzelhandels. Offensichtlich ist der Verbraucher in seiner subjektiven Einschätzung jedoch viel träger, sodass die Annahmen einiger Experten bezüglich eine Marktkonsolidierung im Bereich von 20 bis 25 Prozent (Onlinemarktanteil) realistischer erscheinen.

 

 

Die Ergebnisse der bundesweiten Befragung

(Alle Grafiken anklicken zum Vergrößern.)

Teilnehmende Städte nach Ortsgrößen
These 1: Passanten nehmen Verödung der Innenstädte nicht pauschal wahr

Vitale_Innstaedte1

Vitale_Innstaedte2

 

These 2: Innenstädte punkten insbesondere mit Ambiente und Flair

Vitale_Innstaedte3

 

These 3: Gebäude und Plätze prägen den Charakter einer Innenstadt

Vitale_Innstaedte4

 

These 4: Mär von online versus offline: Wett­bewerb zwischen Standorten entscheidet

Vitale_Innstaedte5

 

These 5: Die neue Stadtverführung: mit ­digitalen Services zu mehr Frequenz

Vitale_Innstaedte6

Lesen Sie weiter


Agenda

Kampf der Kommunen

Vor allem die Citylagen kleinerer und mittel­großer Städte stehen unter Wettbewerbsdruck. Doch wer sind die mächtigsten Rivalen: Onlinehandel, Shoppingcenter, Standorte auf der grünen Wiese oder die umliegenden Orte? Der siebte Teil unserer Serie "Vitale Innenstädte" geht dieser Frage auf den Grund. mehr...

Wir freuen uns über Diskussionen und Ihre Kommentare.
Wie in jeder Gemeinschaft ist es notwendig, dass sich alle Teilnehmer an die Netiquette halten. Durch Ihre Kommentare sollen interessante, gewinnbringende Debatten entstehen, an denen sich andere Nutzer gerne beteiligen. Beleidigungen und Schmähreden sind deshalb ebenso tabu wie Diskriminierungen und die unerlaubte Veröffentlichung persönlicher Daten. Bitte verstecken Sie sich auch nicht hinter Pseudonymen, sondern benutzen Sie Klarnamen.

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>