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Mehr Gewinn mit neuer Technik

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Viele Händler verschwenden Geld, weil sie mit ineffizienter Energietechnik arbeiten. Innovative Systeme amortisieren sich mitunter schon nach Monaten. Welche Maßnahmen große Einsparungen bringen. Text: Eva Neuthinger

Der Intersport-Fachhändler Peter Postleb spart mit moderner Energietechnik jedes Jahr mehrere Tausend Euro ein. In den vergangenen Jahren baute der Unternehmer mit einer Investitionssumme von fast einer Million Euro sein Geschäft im pfälzischen Landau komplett um – inklusive Fotovoltaikanlage, Dämmung und energiesparender Isolationsfenster. Überdies investierte Postleb in eine neue Beleuchtung. „Die energetische und die menschliche Nachhaltigkeit stehen für mich im Vordergrund. Es geht mir darum, die natürlichen Ressourcen zu schonen, sodass der Mensch auch weiterhin seine Lebensqualität erhalten kann“, erklärt der Unternehmer.

Darüber hinaus gilt es aber, geschäftliche Belange zu berücksichtigen. Das Projekt entwickelte sich deshalb zu einer großen Herausforderung. „Einerseits wollte ich deutlich Energie sparen, andererseits müssen sich unsere Kunden bei uns auch wohlfühlen“, sagt Postleb. Um die optimale Lösung zu finden, kontaktierte der Unternehmer über den Energiebeirat von Intersport, dem Postleb seit 2013 ehrenamtlich angehört, einen Energieberater. Jetzt arbeitet der Einzelhändler mit einer CDM-T-Evolution-Beleuchtung und einzelnen LEDs. Außerdem installierte Postleb eine Fotovoltaikanlage. „Wir produzieren fast 20 Prozent unseres Stroms selbst“, so der Firmenchef.

Kältetechnik kostet
Energetische Investitionen wie bei Postleb sind im Einzelhandel derzeit stark gefragt. Aus gutem Grund: Denn die Energiekosten in den Firmen liegen im Schnitt bei rund 1,3 bis 1,7 Prozent des Nettojahresumsatzes. Das zeigt die Studie „Energieeffizienz im Einzelhandel“ des EHI aus dem vergangenen Jahr, die sich auf die 250 umsatzstärksten Vertriebslinien des Handels bezieht. „Bei einer durchschnittlichen Gewinnmarge von 1,5 Prozent entsprechen die Jahresenergiekosten damit in dieser Gruppe in etwa 100 Prozent des Gewinns“, so die EHI-Experten. Im Lebensmitteleinzelhandel geht der größte Anteil des Energieverbrauchs auf Kosten der Kältetechnik (45 Prozent). Ansonsten schluckt die Beleuchtung viel Strom (22 Prozent). Zum Vergleich: Heizung und Klima decken rund ein Fünftel ab.

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Analog ergeben sich die größten Einsparpotenziale bei der Beleuchtung und in der Kühlung. Es lassen sich hier laut Studie mit moderner Technik in vielen Märkten zehn bis 50 Prozent einsparen. Im Non-Food-Handel kann der Stromverbrauch mit moderner Beleuchtung um zehn bis 30 Prozent gesenkt werden. Innovative Lüftung, Klimatechnik oder Wärmerückgewinnung bringen fünf bis 30 Prozent Ersparnis.

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Unternehmer Marcus Wilke aus Knüllwald bei Kassel kann die Zahlen bestätigen. Vor zwei Jahren stellte der Einzelhändler das Schuhhaus Heinmüller mit rund 80 Mitarbeitern komplett auf LED-Technik um. „Zu Beginn der Planungen war ich ein wenig skeptisch. Schließlich geht es in unserer Branche wesentlich darum, den Kunden einen Erlebniskauf zu bieten. Doch jetzt sind wir mit der Umsetzung voll und ganz zufrieden“, so Wilke. Darüber hinaus baute er sieben Hocheffizienzpumpen in die Heizung ein. Unterm Strich bringen ihm diese Maßnahmen eine Ersparnis von über 25.000 Euro im Jahr. Die Investitionssumme lag insgesamt bei etwa 140.000 Euro. „Allein durch die Beleuchtung und die neuen Pumpen reduziert sich unser Energieverbrauch um 45 Prozent“, so der Schuhfachhändler, Mitglied der Verbundgruppe Sabu.

Schnelle Amortisation
Es muss aber nicht gleich die Rundumerneuerung sein: Rund 20 Prozent des Stromverbrauchs lassen sich schon durch den Austausch einer klassischen Glühlampe durch eine Leuchtstoffröhre realisieren – bei gleicher Helligkeit. LED-Lampen benötigen ebenfalls nur 20 bis 30 Prozent der Energie im Vergleich zur Glühbirne. Effizient arbeiten auch Metalldampfleuchten, die bei der Warenbeleuchtung eingesetzt werden können. Bereits innerhalb von einem bis drei Jahren amortisiert sich der Austausch der Leuchten in der Regel. Bewegungsmelder in wenig frequentierten Räumen bringen, abhängig von der jeweiligen Raumnutzung, ebenfalls 20 bis 80 Prozent Ersparnis. „Gerade im Strombereich, auf den im Einzelhandel der größte Anteil des Energieverbrauchs entfällt, finden sich oftmals noch rentable Möglichkeiten zur Steigerung der Effizienz“, weiß Lars Reimann, Energieexperte des HDE. Gemeint sind damit auch moderne Regelungskonzepte von Lüftungs- und Klimaanlagen und nicht zuletzt ein sensibles Nutzerverhalten.

Lars Reimann, Energieexperte des HDE © Die Hoffotografen

Lars Reimann, Energieexperte des HDE © Die Hoffotografen

Zuschuss beantragen
Steffi Hünlich von der Sächsischen Energieagentur in Dresden gibt interessierten Unternehmern den Tipp: „Am besten lässt sich der Einzelhändler im ersten Schritt von einem in der jeweiligen Branche erfahrenen Energieexperten beraten.“ Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) übernimmt auf Antrag 80 Prozent der Beratungskosten.

Die Zuschuss-Höchstgrenzen variieren zwischen 1.200 Euro für Händler, deren Energieaufwendungen im Jahr maximal 10.000 Euro betragen, und 8.000 Euro für Unternehmen mit mehr als 10.000 Euro Kosten für Strom, Heizung und Co. Voraussetzung ist, dass ein zugelassener Experte gewählt wird (siehe: energie-effizienz-experten.de). Dieser wird die Schwachstellen sowie die Verbesserungspotenziale im Geschäft aufzeigen. Vorsicht ist aber geboten: Unternehmer Wilke ging die Förderung verloren, weil er vorab dem Lieferanten der LED-Beleuchtung eine Anzahlung leisten musste.

Im zweiten Schritt wird es dann um die Auswahl der Maßnahmen und deren Realisierung gehen. „Wir wissen, dass es für viele Unternehmer schwierig ist, hier den richtigen Handwerker für ihr Vorhaben zu finden und auszuwählen“, sagt Reimann. Der HDE hat deshalb 2016 gemeinsam mit elf führenden Handelsunternehmen, wie tegut, Globus, KiK, Rewe, Edeka, Metro oder C&A eine Klimaschutzerklärung unterschrieben. Zusammen wollen die Firmen 370 Millionen Euro in den Ausbau erneuerbarer Energien und in Energieeffizienzmaßnahmen investieren. Olaf Schulze, Energieexperte der Metro Group, erklärt dazu: „Wir werden zum Beispiel eine flächendeckende LED-Beleuchtung und die Installation von Kühlmöbeltüren in Deutschland, Polen und China umsetzen.“

Im Rahmen der Offensive sollen ab dem Herbst alle Handelsunternehmer Ansprechpartner, Checklisten, Informationsbroschüren sowie einen Investitionsrechner online oder bei ihrem Verband abrufen können. Nur der genaue Termin für den neuen Service steht noch nicht fest.

Schon einfache Maßnahmen erzielen Effekte
Einzelhändler können insbesondere beim ­Stromverbrauch ohne hohe Investitionen Energie sparen.
Austausch der Beleuchtung: Neben Glühlampen brauchen auch Halogenleuchten mehr Energie als LEDs.
Heizung: regelmäßige Wartung, Erneuerung von Pumpen und ein hydraulischer Abgleich bringen einen Effekt, ohne hohe Kosten zu verursachen.
Lüftung: Luftschleieranlagen, selbstschließende Türen und eine Wartung der Klimaanlagen lassen sich in jedem Geschäft realisieren.
Schulung: Mitarbeiter können zur Energieeffizienz beitragen – wenn sie durch Informationsbroschüren oder Handlungsanweisungen geschult worden sind. Das beginnt schon beim Licht ausmachen, wenn man den Raum verlässt.

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