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Alternativen für die Abwärme

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Bund und KfW unterstützen ­Händler, die in die Energieeffizienz ihres Betriebs ­investieren. Neue Förderangebote sorgen für bessere Umweltverträglichkeit und geringere Energiekosten.
Text: Martin Jahrfeld

Energieeffizienz ist – auch in Zeiten niedriger Rohstoffpreise – für Händler ein signifikanter Wettbewerbsfaktor. Denn langfristig steigen die Betriebskosten. Unternehmer, die heute investieren, sichern nicht nur die Zukunftstauglichkeit ihrer Betriebe, sondern leisten auch einen wichtigen Beitrag zum Klima- und Umweltschutz. Mangelndes Fachwissen ist dabei kein Hindernis: Wer Energieeinsparpotenziale im eigenen Betrieb erschließen möchte, kann sich von einem Energieberater unterstützen lassen.

Händler, die noch unentschlossen sind, sollten die Förderangebote des Bundes genauer unter die Lupe nehmen: Im Nationalen Aktionsplan Energieeffizienz (NAPE) hat sich die Bundesregierung das Ziel gesetzt, die KfW-Förderung für gewerbliche und kommunale Gebäude auszubauen. Im Rahmen der „Offensive Abwärmenutzung“ führte die KfW im Mai 2016 ein durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) gefördertes Angebot zur Finanzierung von Maßnahmen zur Abwärmevermeidung beziehungsweise -nutzung in gewerblichen Unternehmen ein. Darin fördert sie Investitionen in die Modernisierung, in Erweiterungen und in den Neubau betrieblicher Anlagen, wenn dadurch Abwärme vermieden oder bislang ungenutzte Abwärme künftig effizient genutzt wird.

Ein einziger Kreditantrag genügt
Per zinssubventioniertem KfW-Kredit werden bis zu 100 Prozent der förderfähigen Investitionskosten finanziert. Zudem unterstützt das BMWi die aufgezählten Maßnahmen mit Tilgungszuschüssen von bis zu 50 Prozent der abwärmebedingten Investitionen inklusive Konzept. Voraussetzung für eine Förderung ist jedoch, dass ein Sachverständiger vorab ein Abwärmekonzept erstellt. Zugelassen sind dafür zum einen Sachverständige aus der Energieeffizienz-Experten-Liste für Förderprogramme des Bundes, die für die Kategorie „Energieberatung im Mittelstand (BAFA)“ freigeschaltet sind. Zum anderen kann das Konzept aber auch unternehmensintern erstellt werden, sofern das Unternehmen über ein nach DIN EN ISO 50001 oder EMAS zertifiziertes Energiemanagementsystem verfügt. Informationen unter: kfw.de/294

Ebenso unterstützt die KfW Betriebe dabei, die Energieeffizienz ihrer Anlagen und Prozesse erheblich zu steigern. Gefördert werden Maßnahmen, die zu einer Energieeinsparung von mindestens zehn Prozent (Einstiegsstandard) beziehungsweise mindestens 30 Prozent (Premiumstandard) führen. Informationen unter: kfw.de/292 und kfw.de/293.

Bereits seit dem Jahr 2015 gewährt die KfW neben günstigen Zinssätzen auch Tilgungszuschüsse für den Neubau sowie für die energetische Sanierung von gewerblichen Immobilien. Die Höhe dieser Zuschüsse richtet sich nach dem erreichten KfW-Effizienzhaus-Standard der Objekte. Darüber hinaus sind auch Einzelmaßnahmen förderfähig – etwa der Einbau neuer Anlagen für Klima und Raumluft, neuer Heiz- und Kühlanlagen oder neuer Beleuchtung. Informationen unter: kfw.de/276, kfw.de/277 und kfw.de/278.

Unternehmen, die im Bereich Abwärmevermeidung oder -nutzung aktiv werden wollen, können neben dem neuen Angebot auch das KfW-Energieeffizienz-Programm „Produktionsanlagen und –prozesse“ (292/293), das KfW-Energieeffizienzprogramm „Energieeffizient Bauen und Sanieren“ (276, 277, 278) sowie das KfW-Programm „Erneuerbare Energien-Premium“ (271/281) nutzen. Die Antragstellung kann gesammelt in einem Kreditantrag erfolgen. Händler, die mithilfe von Wind, Sonne, Biomasse oder Wasser Energie erzeugen, können entsprechende Anlagen mit dem Kredit „Erneuerbare Energien – Standard“ finanzieren. Voraussetzung ist, dass sie die Energie zumindest teilweise in das öffentliche Netz einspeisen. Informationen unter: kfw.de/270 und kfw.de/275.

Welche Vorteile die KfW-Finanzierung für den einzelnen Händler bieten kann, verdeutlichten folgendes Beispiel: Ein mittelständischer Unternehmer hat eine energetische Bestandsaufnahme seines Betriebs durch einen Energieberater durchführen lassen, der vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) zugelassen ist. Dafür hat er vom BAFA Mittel aus der „Energieberatung im Mittelstand“ erhalten. Nun plant der Unternehmer, sein Betriebsgebäude energetisch sanieren zu lassen. Zusätzlich investiert er in eine Fotovoltaikanlage (40.000 Euro) und in eine moderne Wärmerückgewinnung/ein modernes Speichersystem für seine Kälteanlage. Die Kosten für die neue Wärmerückgewinnung mit integriertem Speicher (innerbetriebliche Abwärmenutzung) belaufen sich auf 80.000 Euro. Der Energieberater entwickelt hierzu ein Abwärmekonzept (2.000 Euro). Mit den energetischen Sanierungsmaßnahmen, die insgesamt 200.000 Euro kosten, wird der Standard KfW-Effizienzhaus 70 erreicht. Der Gesamtinvestitionsbedarf der Maßnahme beträgt 322.000 Euro; zu finanzieren sind lediglich 254.200 Euro.

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