Alle Informationen für den Handel

Markt

Spielplatz für Start-Ups

© S. Eickershoff

Auf „Kaufsafari“ sollen Einzelhändler originelle Produkte von Entrepreneuren aus aller Welt finden – und ­gemeinsam ­einkaufen. Die B2B-Gründung von vier jungen Duisburgern hat Charme und Potenzial. Text: Ralf Kalscheur

Vier Studenten der Betriebswirtschaft und des Wirtschaftsingenieurwesens, die ihr Masterstudium abbrechen: Das ist vermutlich nicht ganz das Ergebnis, das die Initiatoren an der Universität Duisburg im Sinn hatten, als sie vor gut einem Jahr zum Gründernetzwerktreffen riefen. Andererseits – die Kontaktbörse hat funktioniert und ein interessantes neues Geschäftsmodell hervorgebracht.

„Kaufsafari“ ist ein B2B-Marktplatz, der produzierende Start-ups und Einzelhändler zusammenbringt. Der Clou: „Kleinere Händler sind auf der Suche nach originellen Produkten, mit denen sie sich vom Wettbewerb abgrenzen können“, erklärt Ideengeber Daniel Kolb. Den Erfindern und Ingenieuren hingegen fehlten Geld sowie Vertriebs-Know-how, um ihr Business zu skalieren, so der 25-jährige Wirtschaftsingenieur. Bei einer selbstständigen Tätigkeit als Webentwickler habe Kolb das Dilemma bei seinen Kunden aus erster Hand erlebt. Mit den gleichaltrigen Kommilitonen Malte Dietrich, David Herzmann und Alexander Vogel entwickelte Kolb seine Idee zu „Kaufsafari“ fort. Auf der Plattform sollen Einzelhändler das Besondere für ihr Sortiment entdecken und Einkaufsgemeinschaften bilden. Die Gründer verfahren dabei nach dem Kampagnenprinzip.

Jedes ausgewählte neue Produkt wird für einen Zeitraum von 30 Tagen zum Kauf angeboten. Während der Kampagne können Händler eine individuelle Stückzahl des angebotenen Produktkontingents verpflichtend bestellen. Zum Ende des Monats wird die Gesamtzahl der Einzelbestellungen an den Hersteller übermittelt und der Kauf ausgelöst. „Wenn die Gesamtbestellung die vorher festgelegte Mindestbestellmenge überschreitet, winkt ein Rabatt, der der Einkaufsgemeinschaft anteilig zugutekommt“, versprechen die vier Jungunternehmer.

Kommt die Mindestbestellmenge hingegen nicht zusammen, wird auch nicht bestellt. Erst nach einer Qualitätskontrolle versendet „Kaufsafari“ die Bestellungen und die Rechnungen an die Einkäufer. Das ist die Vertrauensbotschaft an die Händler: Sie kaufen zwar ein Produkt eines unbekannten Herstellers aus dem Ausland, doch für die Gewährleistung steht ein deutscher Anbieter gerade.

Wegbereiter für Kleinunternehmer
„Kaufsafari“ verdient an der ausgehandelten Umsatzbeteiligung bei den Verkäufern. „Wir haben viele Messen besucht und Start-ups angeschrieben. Der Bedarf nach einer Vertriebslösung ist da, die Anfragen häufen sich“, beschreibt Malte Dietrich das Feedback. Die Gründer nehmen vor allem internationale Start-ups ins Visier, die einen Weg auf den deutschen Markt suchen, kleine Stückzahlen für aufwendig zu bearbeitende Einzelbestellungen scheuen und nicht in Vorleistung treten wollen. Die Hersteller müssen bei „Kaufsafari“ erst die Produktion ankurbeln, wenn die Sammelbestellung verbindlich bei ihnen eingegangen ist. „Kaufsafari“ prüft vorab die Markttauglichkeit der Produkte unter Berücksichtigung relevanter kaufrechtlicher Aspekte und kümmert sich nach Abschluss der Vereinbarungen mit dem Hersteller auch um die Entwicklung von Marketingstrategien und Werbematerialien.

Seit Oktober 2016 profitiert das „Kaufsafari“-Team von einem Exist-Gründerstipendium. Das Förderprogramm des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie unterstützt Studierende und Absolventen bei technologieorientierten Gründungsvorhaben mit signifikanten Alleinstellungsmerkmalen und guten wirtschaftlichen Erfolgsaussichten. „Wir erarbeiten ein Datenanalyseverfahren, um mittelfristig Erfolgsfaktoren, Trends und Absatzchancen identifizieren zu können“, erklärt Dietrich. Erfahrungen in der Vertriebsdatenanalyse bringe Alexander Vogel aus einer Tätigkeit bei Microsoft ins „Kaufsafari“-Team ein. Überdies biete das Universitätsnetzwerk hilfreiche Unterstützung.

Organisch wachsen mit Gummibärchen
Derzeit läuft noch die Betaphase, der Launch ist im Frühjahr vorgesehen. „Unser Fokus liegt auf innovativen Produkten, die sich gut als Gimmick oder auch als Give-aways für Unternehmen eignen“, sagt Kolb. Beheizbare Kleidung, mit Koffein versetzte Gummibärchen oder ein smartes Fahrradschloss, das per App entriegelt wird, würden zu den ersten Produkten im Warenkorb gehören, kündigen die Marktbetreiber an. Das Unternehmen soll organisch wachsen und hochfunktional an den Start gehen. „Für den Moment sind wir mit dem Stipendium ausfinanziert und haben auf Sicht keinen weiteren Kapitalbedarf“, sagt Dietrich. „Investoren kontaktieren uns bereits“, fügt Kolb schnell an, aber man befasse sich erst nach Ablauf der Förderung damit.

Die Zurückhaltung der Jungunternehmer ist wohl auch einer merkwürdigen Besonderheit des Exist-Förderprogramms geschuldet: Gründungen, die zu erfolgreich Kapital einsammeln, verwirken ihren Anspruch auf die Unterstützung. „Kaufsafari“ verfolgt seine Ziele ohne Hast: „In unserer Nische gibt es keine Konkurrenz“, sagt Kolb selbstbewusst. Der Boom des B2B-E-Commerce steht erst am Anfang, und wer das Besondere sucht, wird im Zweifel nicht nur auf Amazon-Business Ausschau halten.

Lesen Sie weiter


Wir freuen uns über Diskussionen und Ihre Kommentare.
Wie in jeder Gemeinschaft ist es notwendig, dass sich alle Teilnehmer an die Netiquette halten. Durch Ihre Kommentare sollen interessante, gewinnbringende Debatten entstehen, an denen sich andere Nutzer gerne beteiligen. Beleidigungen und Schmähreden sind deshalb ebenso tabu wie Diskriminierungen und die unerlaubte Veröffentlichung persönlicher Daten. Bitte verstecken Sie sich auch nicht hinter Pseudonymen, sondern benutzen Sie Klarnamen.

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>