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Omnichannel wie aus einem Guss

Die EuroShop, die Leitmesse für den Handel in Düsseldorf, bereitet Lösungen und Ansätzen die Bühne, die den Handel auf allen ­Kanälen miteinander verzahnen. Von Predictive Analytics bis zum Ladenbau reicht die Bandbreite der Schau.
Text: Thomas Müller

Die Handelsbranche befindet sich im Umbruch, als die EuroShop ins Leben gerufen wird: Mitte der 1960er-Jahre setzt sich das Selbstbedienungskonzept durch, viele Tante-Emma-Läden verschwinden, es beginnt der Siegeszug der Discounter. 50 Jahre später steht die mittlerweile weltweit wichtigste Fachmesse rund um die Investitionsgüter des Handels erneut im Zeichen der Disruption. Es geht dabei aber nicht mehr um online oder offline, sondern darum, den Kunden im Retail 4.0 ein nahtloses Einkaufserlebnis über alle Kanäle hinweg zu bieten.

Das kann nur gelingen, wenn Unternehmen das Kaufverhalten ihrer Kunden besser verstehen lernen und die gesammelten Informationen überdies zu verwertbaren Kundenbildern zusammenführen können. Die Fachmesse EuroCIS, die in diesem Jahr im Rahmen der EuroShop (5. bis 9. März 2017) stattfindet, stellt die aktuellen Trends und Lösungen in den Bereichen Data-Warehouse, Business-Intelligence und Predictive Analytics vor. Dazu gehört beispielsweise eine In-Memory-Datenbanktechnologie für das sehr schnelle Auswerten sehr großer Datenmengen, wie SAP Hana. Besucher können sich über die neue Hana-basierte Version des Warenwirtschaftssystems S4 for Retail & Fashion informieren, die geschwindigkeitsbasierte Geschäftsmodelle unterstützt. Die Lösung bietet verschiedene neue Funktionen für kurzlebige Saisonware und zielt im ersten Schritt auf die Fashionbranche ab.

Neben Kassen- oder Bestandsdaten erschließen Retailer zunehmend weitere, neue Datenquellen für ihre Analysen. Text- und Audiodateien aus dem Kundenservice oder Daten von Smartphones erlauben es, den Kundenlauf nicht nur auf der Website, sondern auch im stationären Handel nachzuverfolgen. Die Frage, wie und wo sich Datenmassen flexibel und kostengünstig speichern und verarbeiten lassen, führt nicht selten zu einer Diskussion um das Thema Cloud: Die Auslagerung von Daten gefällt nicht allen Unternehmern. Mit der neuen Lösung „Cloud at Customer“ adressiert Oracle diese Zögerlichkeit. Daten und Prozesse können bei Bedarf nahtlos in die Cloud migriert werden. CIOs behalten dabei jedoch die Kontrolle über die Infrastruktur, denn sie können die Cloud-Services „on premise“, also in ihrem eigenen Rechenzentrum, nutzen, verspricht Oracle. Derweil zeigt Demandware seine Software-as-a-Service-Lösungen aus der Cloud. Neu ist dabei die Integration von Apple Pay in den Check-out-Prozess.

Lernende Software
Seine cloudbasierten Softwareanwendungen zeigt auch Blue Yonder. Die Pricing-Software des Unternehmens lernt zum einen automatisch anhand aktueller und historischer Abverkaufsdaten die Zusammenhänge zwischen Preis und Absatz unter Berücksichtigung von Faktoren wie Artikel, Filiale oder Mitnahmeeffekte. Zum anderen lässt sich die Software auf die Preisstrategie des Händlers abstimmen. Mit der Lösung „Replenishment Optimization“ können Händler dank Bedarfsprognosen zudem ihre Warendisposition optimieren und automatisieren. Damit lassen sich auf der einen Seite zu hohe Lagerbestände mit der Folge unnötiger Warenentsorgung und auf der anderen Seite Umsatzeinbußen durch Regallücken vermeiden.

Um künstliche Intelligenz geht es auch beim Einsatz der Cognitive-Computing-Software Watson von IBM. Das System verarbeitet natürliche Sprache und ist laut Herstellerangabe in der Lage, Wünsche, Intuitionen und sprachliche Nuancen zu erkennen. Die US-Kaufhauskette Macy’s hat Mitte 2016 ein Pilotprojekt mit Watson gestartet. Mithilfe der Software sollen sich Kunden besser in den unterschiedlichen Filialen zurechtfinden, ohne nach Hinweisschildern suchen zu müssen. Mit der App „Macy’s on Call“ auf dem Smartphone genügt die gesprochene Frage nach dem Einkaufsziel, etwa: „Wo sind die Damenschuhe?“. Laut einem Bericht der „Lebensmittel Zeitung“ will auch der Büromaterialienhändler Staples demnächst mit Watson experimentieren, zunächst in Austin, später in New York.

Entscheidend für den Erfolg im Handel ist die Verzahnung der digitalen Services mit dem Angebot auf der Fläche. „In den vergangenen Jahren wurden mitunter technische Gimmicks vorgestellt, die sich letztlich nicht rechneten und vom Endverbraucher auch nicht so angenommen wurden wie gedacht“, sagt Angela Kreutz. Mit Blick auf die EuroShop prognostiziert die Kommunikationschefin beim Stuttgarter Architektur- und Designbüro Blocher Blocher Partners „digitale Lösungen, die vielleicht nicht so schillernd sind wie zuletzt, dafür aber effizient, und die den PoS im Sinne des Omnichannel-Gedankens nahtlos mit der digitalen Welt verknüpfen“.

Dabei gilt es, digitale Touch-Points nicht mehr als Insellösung zu betrachten, sondern sie in die Customer-Journey zu integrieren. Das Gesamtkonzept aus Mobiliar, Hardware, Software und Content muss stimmen. In diesem Sinne kündigt Vitra die Präsentation der Weiterentwicklung seines bereits mit dem EuroShop RetailDesign Award ausgezeichneten Ladenbaukonzepts „Vitra und Camper Pop-up“ an. Nicht weniger als ein neues Level der ganzheitlich gedachten Verknüpfung von Online- und Offlineshopping versprechen die Schweizer. Man darf gespannt sein, ebenso wie auf den Auftritt von Umdasch Shopfitting. Der Riese in der Ladenbaubranche hat zuletzt den Technologiespezialisten MMIT Retail übernommen und eine auf Digitalthemen fokussierte Unternehmensdivision gegründet. Zu den ersten Ergebnissen der Entwicklungsabteilung gehören ein virtueller PoS, Digital-Signage-Lösungen, wie das Head-up-Display, und ein elektronisches Preisauszeichnungssystem.

Detaillierte Produktinformationen am POS
Der moderne Shopper ist kritisch und gut informiert. In Zukunft werde er detaillierte Produktinformationen am PoS vorfinden, meint Jürgen Berens von Rautenfeld: „Die Verknüpfung von Webportal und PoS wird stärker zunehmen. Händler müssen dafür aber nicht zwangsläufig über einen eigenen Webshop verfügen“, so der Vorstandsvorsitzende der Online Software AG. „Informationen, Bilder und Videos, die auf der Unternehmenshomepage zu sehen sind, können mit der richtigen Technologie auch am PoS erfolgreich eingesetzt werden.“

Geführte Touren
Wer sich auf der EuroShop in Düsseldorf (5. bis 9. März 2017) über wichtige Handelsinnovationen informieren, aber nicht unter rund 2 500 Ausstellern in 18 Messehallen danach suchen möchte, dem seien die Guided Tours des Anbieters Planet Retail zur Orientierung empfohlen. Die Handelsberater führen kleine Gruppen von höchstens zehn Personen zu ausgewählten Ausstellern; die Teilnahme ist kostenlos. Weitere Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung erhalten Interessenten per E-Mail an: RT@planetretail.net

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