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© Marcus Glgoer

Neue Technologien erleichtern ­Händlern den Überblick über ihre Warenströme. Gleichzeitig lassen sich Kunden darüber relevante ­Angebote unterbreiten. Text: Iris Quirin

Der offizielle Startschuss für die Oreo- und Milka-Werbeaktion im Essener Real-Markt fiel am Montag, 14. März. Dass zwei der blauen Viertelpaletten mit der Promotionware bereits am Samstagnachmittag im Supermarkt standen, ließ sich dank einer neuen Entwicklung namens Promotion-Tracking genau auf einer Maske am Computer erkennen. Ebenso, dass alle Süßigkeiten am Donnerstagmorgen schon komplett abverkauft waren – zwei Tage vor dem Ende der Aktion am 19. März standen die leeren Paletten schon wieder im Lager.

Mittels Promotion-Tracking erhielt der Filialleiter zwei wichtige Informationen: Die Aktionsware hatte er offensichtlich genau an der richtigen Stelle platziert. Und er hätte die Schokolade und die Kekse rechtzeitig nachbestellen können, denn Werbeaktionen am Point of Sale sorgen für ordentlichen Umschlag. „Handel und Industrie machen damit gut sechs Milliarden Euro Umsatz im Jahr“, erklärt Ertan Benzes, Manager Digital Marketing Europe von Chep Deutschland. Wichtig ist daher, dass die Waren am richtigen Ort und in ausreichender Menge für die Kunden verfügbar sind. Ohne transparente Daten kann jedoch einiges schieflaufen. „Rund 18 Prozent der Promotionware werden entweder nicht rechtzeitig angeliefert oder nicht rechtzeitig auf die Fläche gebracht“, weiß Benzes.

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Bei der Fülle der täglichen Lieferungen ist es für Händler heute nicht immer einfach, den Überblick zu behalten. Ziel von Promotion-Tracking, einer gemeinsamen Entwicklung des Palettenanbieters Chep, des Handelsunternehmens Real, des Lebensmittelherstellers Mondelez International und des Kundenbindungsprogramms Payback, war es daher, den Weg der Aktionsware von der Anlieferung im Lager bis auf die Verkaufsfläche nachverfolgbar und den jeweiligen Standort in einer von Chep entwickelten Anwendung am Computer sichtbar zu machen.

Neben dem Essener Real-Markt nahmen drei weitere Märkte in Nordrhein-Westfalen an dem Feldversuch teil. Die Märkte wurden mit Promotionware auf Viertelpaletten beliefert. Diese trugen jeweils einen Sender (Beacon). Zu jeder Artikelnummer der Viertelpaletten gehörte eine Beaconnummer, eine sogenannte UUID (Universally Unique Identifier), die im Chep-Servicecenter mit dem GRAI-Code (Global Returnable Asset Identifier) der Palette verbunden wurde.

Als Empfänger in den Märkten fungierten im Lager ein Router und im Laden die Ortungsfunktion in der Payback-App der Kunden, sofern diese sie freigegeben hatten. Sobald ein Kunde in die Nähe der Palette kam, empfing die App das Signal des Beacons und übermittelte den Standort der Palette auf die von Chep entwickelte Maske, die der Filialleiter an seinem Computer einsehen konnte. Zur Kontrolle waren die Märkte zudem mit Routern ausgestattet. Das Ergebnis zeigte, dass sich die Daten von den Routern mit denen der Lösung mit Beacon und App deckten. Eine kostspielige Routerausstattung im Laden ist in der Praxis also nicht nötig.

Mitten im Internet der Dinge

Die Einbeziehung der Payback-App bot einen weiteren Vorteil: Die Kunden konnten direkt darüber angesprochen werden, wenn sie Bluetooth aktiviert und Pushnachrichten zugelassen hatten. Rund ein Drittel aller Payback-Karten-Besitzer hat inzwischen die App geladen, das sind mehr als zehn Millionen Kunden.

Innovativ: Per Tablet und auf Basis der modularen Software TP.net können Kunden am PoS betreut, beraten und weitergehend informiert werden. © Marcus Glgoer

Innovativ: Per Tablet und auf Basis der modularen Software TP.net können Kunden am PoS betreut, beraten und weitergehend informiert werden. © Marcus Glgoer

„Wir hatten eine typische Anwendung des Internets der Dinge durchgeführt“, erklärt André Pallinger, Vice President Retail and Industry Cooperations bei Payback. Dabei sind alle Produkte und Geräte miteinander verbunden und tauschen Informationen aus. „Neu war, dass wir die direkte Verbindung zwischen dem Produkt und dem Kunden geschaffen haben und ihm genau in dem Moment ein Angebot zukommen lassen konnten, als er tatsächlich im Geschäft vor der Ware stand. Das macht das Angebot für den Kunden deutlich relevanter“, führt Pallinger aus.

Durch die direkte Kommunikation verdoppelte sich nach Angaben der Anbieter der Produktumsatz bei Kunden, die im Markt über Pushmitteilungen angesprochen wurden. Die Käuferquote erhöhte sich um 88,3 Prozent, und es wurden 184,6 Prozent neue Kunden gewonnen. Für Januar 2017 planen die Beteiligten einen größeren Test mit bis zu zwölf Märkten. Die nächste Entwicklungsstufe bei den Viertelpaletten sind Gewichtssensoren: Damit erhalten Händler sogar eine Auskunft über die Abverkaufsgeschwindigkeit der Waren.

Ein weiteres Beispiel für eine Interaktion zwischen Hersteller, Händler und Kunde ist der „DWCode“, den GS1 Germany zusammen mit dem Entwickler Digimarc auf dem ECR-Tag vorstellte. Er verschlüsselt die Global Trade Item Number und wird als unsichtbares Wasserzeichen mehrmals rund um die Verpackung aufgebracht, sodass er nicht nur an einer Stelle gescannt werden kann. An den neuen Kassensystemen mit Bilderkennung können die Produkte viel schneller gelesen werden, was den Check-out beschleunigt. Warenbewegungen lassen sich mit Bilderkennungsgeräten entlang der gesamten Lieferkette in Echtzeit automatisch verfolgen. Kunden können ihre Smartphonekameras mit der passenden App auf jeden beliebigen Punkt der Verpackung richten und weitere Produktinformationen, wie Herkunft, Empfehlungen des Herstellers oder Rabattaktionen, abrufen.

„Die Partnerschaft mit Digimarc ist ein zukunftsorientierter Schritt, der unsere Kunden an innovativen Lösungen teilhaben lässt, die den Markt revolutionieren könnten“, betont Jörg Pretzel, Geschäftsführer von GS1 Germany. Der DWCode ist exklusiv für die GS1-Community geschützt, sodass alle Kunden auf diesen neuen Code zugreifen können.

Moderne Filialsoftware bindet Kunden und Kanäle ein

Aktuelle Filialsysteme verknüpfen die Online- mit der Offlinewelt, fragen Warenbestände in Echtzeit ab, senden die gesammelten Daten zur Analyse in die Zentrale und binden mobile Geräte ein – sowohl die des Händlers im Laden als auch die der Kunden, etwa für Rabattaktionen.
Einige Beispiele:

Diebold Nixdorf: TP.net 6.0
Die Software ist modular aufgebaut. Die Module können nach dem Baukastenprinzip ganz oder teilweise in bestehende Infrastrukturen integriert werden.
www.dieboldnixdorf.com

SAP Omnichannel Point-of-Sale by GK
Diese Lösung bietet eine einheitliche Plattform für alle Kanäle, eine nahtlose Integration in vorhandene Software sowie individuelle Anpassungen und die Einbindung von Drittlösungen.
www.gk-software.com

Fujitsu Market Place
Neue Services wie Bonusprogramme lassen sich einfach neben den Standards aufspielen, ohne dass die PoS-Geschäftslogik neu programmiert werden muss. Ab Ende 2016 gibt es auch eine Variante für den Lebensmitteleinzel­handel.
www.fujitsu.com/de

NCR Enactor und NCR StorePro
Die Software NCR Enactor richtet sich an Mode- und Warenhäuser sowie allgemeine Warenhändler, StorePro richtet sich an Lebensmitteleinzelhändler.
www.ncr.com

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