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Marktplatz ohne Grenzen

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Amazon und kein Ende: Der US-Konzern will seinen Internethandel weiter ausbauen. Ein neues Förderprogramm soll kleine und mittlere Händler ansprechen. Doch nicht jedem ist der wachsende Einfluss des Multis geheuer. Text: Martin Jahrfeld

Wer bisher geglaubt hatte, Amazon sei vor allem ein E-Commerce-Händler, konnte seinen Horizont in Berlin unlängst erheblich erweitern. Bei der Amazon Academy, einem Netzwerkevent, bei dem Amazon den Dialog mit Händlern, Autoren und IT-Experten sucht, präsentierte sich die Marke nicht als reine Verkaufsplattform, sondern als vielseitiger Impulsgeber für Innovation und Gründergeist. Die Botschaft an die fast 500 Teilnehmer geriet eindeutig: Nie war die Gelegenheit günstiger, um im Internet Geld zu verdienen. Nie war die Zeit besser, um im Netz neue Kunden und Märkte zu erschließen.

Wenig überraschend, dass sich der US-Konzern dabei als zunehmend unentbehrlich betrachtet. Wer im E-Commerce mitverdienen will – so ein Subtext der Veranstaltung – kommt an einer Zusammenarbeit mit Amazon kaum noch vorbei. Zur Kommunikation dieses Anliegens hatte das Unternehmen in Berlin prominente Unterstützung aufgeboten. Zu den Teilnehmern zählten neben erfolgreichen Amazon-Händlern Podiumsgäste wie der US-Botschafter John B. Emerson, der FDP-Bundesvorsitzende Christian Lindner sowie der Schauspieler und Filmproduzent Matthias Schweighöfer, der gerade die erste deutsche Onlineserie für Amazon produziert.

Impulse für mehr Beschäftigung
In den Augen von Ralf Kleber, Country-Manager von Amazon.de, ist der Konzern in Deutschland längst zu einem wichtigen Motor für Innovation und Beschäftigung geworden. Allein die Händler auf Amazon Marketplace hätten in den vergangenen Jahren für 90 000 neue Arbeitsplätze gesorgt. „Diese Zeiten ermöglichen nicht nur mehr, sie erfordern auch mehr Unternehmertum. Wir sehen bei unseren Partnern – Händlern, Entwicklern und Kreativen – einen enormen Willen, die Digitalisierung für ihren Erfolg zu nutzen“, betonte Kleber. Ohne Zweifel ist der Einfluss des Konzerns in Deutschland größer denn je. Seit das deutsche Amazon-Angebot 1998 erstmals online ging, steigt die Umsatzkurve kontinuierlich. Die Bundesrepublik ist mit rund elf Milliarden Euro Umsatz (2015) der wichtigste Markt außerhalb der USA.

Obwohl die Amerikaner andere Anbieter, wie Otto und Zalando, längst abgehängt haben, gibt sich Amazon mit der Marktführerschaft nicht zufrieden. Der Zahl der teilnehmenden Händler soll zügig weiterwachsen. Einen Anreiz dazu bietet das neue Förderprogramm „Zukunft unternehmen“, das ausgesuchte kleine Händler dabei unterstützen will, eigenen E-Commerce-Umsatz im In- und Ausland zu erzielen. Amazon richtet sich mit dieser Initiative an einen Teilnehmerkreis von zunächst zwanzig Unternehmen, die drei Monate lang von erfahrenen E-Commerce-Profis und Marketplace-Verkäufern trainiert werden. Unter anderem sollen die kleinen Händler lernen, wie Kunden ihr Angebot im Internet finden, welche Produkte sich wie und wo verkaufen lassen und wie Artikel auf Amazon Marketplace gelistet werden. Das zur Bewerbung ausgeschriebene Programm beginnt Anfang 2017. „Es gibt unendlich viele kleine und mittelgroße Firmen, die den Sprung in den E-Commerce noch wagen müssen. Unser Förderprogramm will sie dabei unterstützen, die Welt als Marktplatz zu erschließen“, betonte Kleber.

Schulterschluss mit den Kunden
Als selbstlose Entwicklungshilfe für digital wenig geübte Einzelhändler sollte die Initiative dennoch nicht missverstanden werden. Die Präsenz möglichst vieler Händler auf den Amazon-Plattformen ist Kern der Unternehmensstrategie von Gründer Jeff Bezos, der auf diese Weise erstaunliches Wachstum erzielt hat. Die Strategie ist so einleuchtend wie erfolgreich: Je mehr Händler auf Amazon verkaufen, desto größer das Angebot und desto stärker der Preiswettbewerb. Je größer das Angebot und je niedriger die Preise, desto größer die Anziehungskraft auf die Kunden. Und je mehr Kunden, desto größer das Interesse der Händler, über Amazon zu verkaufen. Mit dem steigenden Warenangebot wächst die Effizienz der Amazon-Logistik, wodurch – so die Logik – wiederum Kosten gesenkt werden, was Spielraum für Investitionen in neue Geschäftsfelder bietet.

Attraktive Preise und guter Kundenservice sind laut Markus Schöberl, Director Seller Services Germany, auch künftig die entscheidenden Kriterien, mit denen Amazon Marketplace bei den Konsumenten punkten will (siehe Interview). Einkaufserlebnis und Kundenzufriedenheit gelten bei Amazon ohnehin als Maß aller Dinge: „Wir beginnen sämtliche Entwicklungsprozesse beim Kunden und denken dann rückwärts. Wir suchen immer den Schulterschluss mit unseren Kunden“, versicherte Kleber. Dass Amazon den E-Commerce-Markt ebenso wie seine Partner allzu stark dominiere, versuchte der Manager hingegen zu entkräften: „Wir sind nur eine Antwort im Markt und längst nicht die einzige. Wir machen lediglich Angebote.“

Doch selbst einem Marktliberalen wie Christian Lindner scheint der wachsende Einfluss des US-Unternehmens in Deutschland inzwischen ein wenig Sorge zu bereiten. Der FDP-Politiker lobte zwar den innovativen Geist von Amazon, sprach jedoch auch von der Notwendigkeit staatlicher Regulation: „Eine einzelne Plattform darf nicht so mächtig werden, dass sie anderen die Bedingungen diktiert. Das sind neue Herausforderungen für die Wirtschaftspolitik, die dafür Sorge tragen muss, dass die Fairness des Wettbewerbs im Plattformhandel gewährleistet bleibt“, betonte Lindner.

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