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Kampf um die letzte Meile

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Mit Hochdruck suchen DHL, UPS und Co. nach Lösungen für den Paketversand auf der sogenannten letzten Meile. Ernsthafte Konkurrenz machen den großen Paketdiensten dabei zunehmend Start-ups und Versandriese Amazon. Text: Lara Sogorski

Der Logistikkonzern UPS will es wissen: Um mit den Rivalen DHL, FedEx und Amazon mithalten zu können, plant das US-Unternehmen, bis 2019 insgesamt zwei Milliarden US-Dollar in sein europäisches Netzwerk und seine Infrastruktur zu stecken. Dabei treibt der Paketdienstleister vor allem in Deutschland seinen Wachstumskurs voran. „Wir bauen unser Netzwerk in Deutschland und im Rest Europas stark aus“, hatte Deutschland-Chef Frank Sportolari schon 2015 in der „Wirtschaftswoche“ angekündigt.

So erfolgte im vergangenen September der offizielle Spatenstich für den Ausbau des Paketzentrums in Herne sowie den Bau einer neuen Anlage auf rund 15 000 Quadratmetern Betriebsfläche in Bielefeld. Kosten: je 80 Millionen US-Dollar. Im Juni 2015 konnte UPS bereits in Nürnberg seine 40-Millionen-US-Dollar-Erweiterung in Betrieb nehmen. Gleichzeitig sucht der Konzern nach Lösungen, um die Zustellung in Innenstädten mit dichtem Verkehr und wenig Parkraum zu verbessern. In Offenbach läuft dazu ein Pilotprojekt, bei dem die Paketboten die Lieferungen mit einem elektrisch unterstützten Lastenrad überbringen.

Nicht nur UPS ist derzeit um eine gute Marktstellung bemüht, auch die Konkurrenz – allen voran DHL und Amazon – investiert weiterhin kräftig in neue Standorte und Angebote, um den veränderten Bedürfnissen der Kunden im B2C-Geschäft und dem stetig wachsenden Bestellvolumen gerecht zu werden. Dabei ist heute das Expressgeschäft und damit die Zustellung auf der „letzten Meile“, also zwischen dem Warenverteilzentrum des Onlinehändlers und der Tür des Kunden, zur größten Herausforderung für die Paketdienstleister geworden.

Der Markt der Paketzusteller ist im Umbruch, und klar ist: Wer in Zukunft im Zustellgeschäft mithalten will, muss jetzt Geld in die Hand nehmen und sich Anteile sichern. „Da der Markt um die letzte Meile noch relativ neu ist, haben im Grunde alle Unternehmen noch die Chance, sich erfolgreich gegenüber der Konkurrenz zu positionieren – vorausgesetzt, die Lösungen stimmen“, erklärt Steffen Wagner, globaler Leiter des Sektors Transport und Logistik beim Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen KPMG.

Paketstationen an Tankstellen
Um sich in die Gunst der Empfänger zu spielen, bietet DHL ihnen in einigen Städten wie Berlin, München und Köln seit Kurzem an, selbst zu entscheiden, wann genau sie ihr Paket im Laufe des Tages geliefert bekommen wollen. Onlinekäufer können damit bereits bei der Bestellung ein zweistündiges Zeitfenster festlegen, in dem sie die Sendung erhalten werden. Bereits seit 2014 bietet die Nummer eins im deutschen Zustellgeschäft in mehr als 50 Städten die Möglichkeit, sich Pakete zur Wunschzeit in zwei wählbaren Zeitfenstern am Abend zustellen zu lassen. Vor gut zwei Jahren startete der Konzern gleichzeitig sein Angebot privater Paketkästen vor der eigenen Haustür. Konkret könnte es in ein paar Jahren auch mit der Zustellung per Roboter werden. „Roboter können mittelfristig in der Zustellung zum Einsatz kommen, das heißt in drei bis fünf Jahren“, sagte der Innovationschef der Paket- und Briefsparte der Post, Clemens Beckmann, der Nachrichtenagentur Reuters.

Während DHL dabei von seinem engen Vertriebsnetz in Deutschland profitiert, setzen andere Anbieter wie DPD auf die Zusammenarbeit mit Start-ups. So arbeitet der Anbieter zur Abwicklung seines Services „DPD Now“ mit dem Münchener Kurierdienst Tiramizoo zusammen. Damit können Internetbestellungen noch am gleichen Tag den Empfänger erreichen. Dagegen setzt unter anderem Packator aus Berlin auf Crowd-Delivery, damit Pakete noch am gleichen Tag ankommen. Pakete werden von dem Start up zum einen direkt beim privaten Versender abgeholt und verschickt, zum anderen können Privatleute einen Packator-Boten ins Einkaufszentrum oder Möbelgeschäft bestellen, um die Einkäufe nicht selbst oder ohne Hilfe nach Hause transportieren zu müssen. „Wer am Ende führend im Express-Geschäft sein will, muss heute vor allem die Schnittstelle zum Kunden so gestalten, dass der Service unentbehrlich wird“, erläutert Andreas Kruse, Director Business Development Logistics & Packaging des EHI Retail Institute.

Noch für Aufsehen könnte dabei Amazon sorgen. Der Onlineversandhändler gilt bei Experten als eine Art geheimer Favorit auf die Pole-Position im Letzte-Meile-Geschäft. In einer Kooperation mit Shell will das Unternehmen etwa deutschlandweit eigene Paketstationen an den Shell-Tankstellen aufstellen; ein Testlauf findet dazu in München statt. Im vergangenen Jahr startete der Versandhändler zudem gemeinsam mit DHL und Audi in Deutschland ein Pilotprojekt mit Amazon-Prime-Kunden für die Zustellung in den Kofferraum des Kunden-Pkws. „Amazon hat den großen Vorteil, dass es durch die Bestellungen der Kunden sehr genau weiß und planen kann, welche Waren in welcher Menge wo in der nächsten Zeit benötigt werden. Auf Basis dieser Planungen kann Amazon daher recht verlässlich eigene Zustellkapazitäten aufbauen und auslasten“, erläutert Steffen Wagner von KPMG. Es sei davon auszugehen, dass nach einem erfolgreichen Aufbau eigener Zustellkapazitäten Amazon diese auch für Dritte, wie andere Onlineversender, öffnet und damit in den direkten Wettbewerb zu den klassischen Paketzustellern tritt.

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