Alle Informationen für den Handel

Agenda

Wachstumsfragen

© Bildschön/ Peter Lorenz

Über „Neuen Konsum“ diskutierte Keynote­spea­ker ­Harald Welzer mit HDE-Hauptgeschäftsführer ­Stefan Genth und Handelsblatt-Chefredakteur Sven Afhüppe in der HDE-­Veranstaltungsreihe ­„Denken und Handeln“. Die rund 100 geladenen Gäste ­erlebten im Berliner Soho Haus eine lebendig ­geführte Debatte.
Text: Mirko Hackmann

Das Thema Nachhaltigkeit hat seit Jahren Hochkonjunktur. Doch ist ein globales Wirtschaftssystem denkbar, das auf Wachstum setzt und zugleich schonend mit Umwelt und Ressourcen umgeht? Oder bedarf es eines generellen Umdenkens, gar eines Systemwechsels?

Harald Welzer als Konservativen zu bezeichnen, wäre irreführend. Doch wie der Sozialpsychologe und Direktor von „FuturZwei – Stiftung Zukunftsfähigkeit“ in seiner Keynote betont, ist ihm sehr daran gelegen, unsere freiheitlich-demokratische Gesellschaft zu bewahren, da sie den „zivilisatorisch fortschrittlichsten Standard“ repräsentiere. Nach seiner Analyse war es das Wirtschaftswachstum der Nachkriegszeit, das die Zustimmung der Bürger zum System und seinen Werten sicherstellte, indem es materiellen Wohlstand versprach.

„Inzwischen verzeichnen wir aber eine Verkehrung der Wachstumsidee vom Mittel zum Zweck“, proklamiert Welzer. Doch niemand hinterfrage, welchen Sinn Wachstum in einer Wohlstandsgesellschaft habe, in der große Systemzufriedenheit herrsche, der übermäßige Konsum aber das Klima verändere und die Umwelt zerstöre.

„Wir verzeichnen eine Verkehrung der Wachstums­idee vom Mittel zum Zweck.“
Harald Welzer

„Hyperkonsum“ nennt Welzer dieses durch die Digitalisierung zusätzlich beschleunigte Phänomen, in dessen Folge das System seine ökonomische Überlebensfähigkeit unterminiere, indem es seine ökologischen Voraussetzungen konsumiere. „Mit unserem materiellen Wohlstand schwände auch unser Privileg, in Freiheit und Demokratie zu leben“, warnt Welzer und fragt in die Runde, ob es darum nicht ein Fehler sei, weiter auf Wachstum zu setzen.

Sven Afhüppe argumentiert, dass die Globalisierung viele Menschen von Hunger und Arbeitslosigkeit befreit habe, aber zugleich auch Dysfunktionalitäten hervorgebracht habe, die es zu korrigieren gelte. Angesichts der zunehmenden Weltbevölkerung sowie einer steigenden Lebenserwartung sei Wachstum jedoch unvermeidlich.

„Es nachhaltig zu gestalten und den resultierenden Wohlstandsgewinn angemessen zu verteilen, ist die eigentliche Aufgabe“, erklärt der Chefredakteur des Handelsblatts. Das Verhalten von Produzenten und Konsumenten ließe sich am besten über Preissignale und Gesetze steuern. Zudem plädiert Afhüppe dafür, Wohlstand nicht mehr länger allein am volkswirtschaftlichen Output zu bemessen, sondern auch Faktoren wie Innovationskraft und Lebensqualität einfließen zu lassen.

Auch Stefan Genth hält Reduktion schon aus Beschäftigungsgründen für kein erstrebenswertes Ziel und Wachstum nicht „per se für schlecht“, sondern für einen „Motor des Fortschritts“. Angesichts der über Jahre nur sehr moderaten Umsatzzuwächse im Handel könne er keinen Trend zum Konsumrausch erkennen. „Wir verzeichnen bei den immer besser aufgeklärten Verbrauchern eine steigende Qualitätsnachfrage“, sagt Genth. Ihnen vorzuschreiben, was sie zu kaufen haben, halte er jedoch für falsch.

Überdies stehe das Thema Nachhaltigkeit bei allen Unternehmen oben auf der Agenda, argumentiert der HDE-Hauptgeschäftsführer. „Der Handel arbeitet intensiv daran, wie er die Themen Ressourceneffizienz und Gestaltung der Lieferketten nicht allein unter energetischen Gesichtspunkten, sondern unter Berücksichtigung aller ökologisch relevanten Faktoren optimieren kann.“

Weitere Auszüge aus der Diskussion finden Sie HIER

Lesen Sie weiter


Agenda

„Mehr Kaufkraft für Deutschland“

Noch fünf Monate bis zur Bundestagswahl. Dass diese so spannend werden könnte, hat auch Stefan Genth nicht erwartet: der Hauptgeschäftsführer des HDE über Martin Schulz, die wachsende Bedeutung des Binnenkonsums und die wichtigsten Aufgaben der künftigen Bundesregierung. mehr...

Wir freuen uns über Diskussionen und Ihre Kommentare.
Wie in jeder Gemeinschaft ist es notwendig, dass sich alle Teilnehmer an die Netiquette halten. Durch Ihre Kommentare sollen interessante, gewinnbringende Debatten entstehen, an denen sich andere Nutzer gerne beteiligen. Beleidigungen und Schmähreden sind deshalb ebenso tabu wie Diskriminierungen und die unerlaubte Veröffentlichung persönlicher Daten. Bitte verstecken Sie sich auch nicht hinter Pseudonymen, sondern benutzen Sie Klarnamen.

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>